Habsburgergasse: Hürde für Radler und Öffis

Video27. Februar 2013, 13:47
539 Postings

Ampel-Kompromiss zwischen Grünen und Wiener Linien ist für Radlobby nicht optimal

Die Habsburgergasse, die den Graben quert, gilt als wichtige Möglichkeit, mit dem Rad durch die Wiener Innenstadt zu gelangen. Bisher ist das nur in einer Richtung erlaubt. Der Vorschlag der Wiener Grünen, die Einbahnstraße für den Fahrrad-Gegenverkehr zu öffnen, löste bei den Wiener Linien Vorbehalte aus. Die Buslinie 1A hätte eingestellt werden müssen, weil für Rad und Bus die Fahrbahn nicht breit genug ist.

Vergangene Woche einigten sich die Stadt Wien und die Wiener Linien auf einen Kompromiss: Eine rote Ampel am Eingang der Habsburgergasse bei der Peterskirche soll Fahrräder stoppen, solange sich ein Bus im "Nadelöhr" befindet. Das wäre nach derzeitigem Busplan in Intervallen von jeweils sechs Minuten der Fall.


Habsburgergasse - Nadelöhr auf einer größeren Karte anzeigen

Für Christoph Chorherr von den Wiener Grünen, der den Einbahn-Vorschlag publik gemacht und daraufhin die Schelte der Wiener Linien eingefangen hatte, ist das ein "guter Kompromiss". Im derStandard.at-Interview stellt er klar: "Eine Alternative kann nie sein: Öffis oder Radverkehr."

Lösung noch im Frühjahr

Die Kompromisslösung wird derzeit noch geprüft. Computersimulationen sollen zeigen, ob die Ampel zielführend ist. Das Ergebnis soll im Frühjahr vorliegen, so Andreas Baur, Sprecher der Stadt Wien.

 Die Radlobby wünscht sich in der Habsburgergasse eine Begegnungszone.

Die Radlobby Österreich kritisiert den Lösungsansatz gegenüber derStandard.at. Sie tritt für eine Begegnungszone ein, wie sie zuletzt Daniela Stepp (SPÖ), die stellvertretende Bezirksvorsteherin des ersten Bezirks, gefordert hat.

Eine Begegnungszone könnte durch die Absenkung der Gehsteigkante umgesetzt werden.

Die Begegnungszone, auch Shared Space genannt, hätte den Vorzug, dass VerkehrsteilnehmerInnen die Situation selbst einschätzen und dementsprechend rücksichtsvoll handeln könnten, sagt Alec Hager von der Fahrradlobby.

"Ampel nicht nachvollziehbar"

Denn eine Ampel an der Stelle sei nicht nachvollziehbar (am Eingang Habsburgergasse, nicht am "Nadelöhr") und würde dazu führen, dass man sie ignoriert: "Weil Verkehrsregelungen, bei denen nicht ersichtlich ist, warum sie existieren, von der Bevölkerung nicht angenommen werden", so Hager. (Maria von Usslar, derStandard.at, 27.2.2013)

Wissen

Eine Begegnungszone oder ein Shared Space ist ein verkehrsberuhigter Bereich, in dem immer die "Schwächeren" Vorrang haben. Maximale Geschwindigkeit ist 20 km/h. FußgängerInnen dürfen die gesamte Fahrbahn benutzen. In Österreich wurde Ende Jänner 2013 eine Novelle der Straßenverkehrsordnung beschlossen, die Begegnungszonen ab Anfang April 2013 ermöglicht.

Zum Thema

Getreidemarkt-Radweg: Spur den Autos wegnehmen

Mit dem Fahrrad auf die Fahrbahn

Wiener Hasnerstraße: Bedingt radlfreundlich

  • Kompromiss: Eine rote Ampel am Eingang der Habsburgergasse bei der Peterskirche soll Fahrräder stoppen, solange sich ein Bus im "Nadelöhr" befindet.
    foto: derstandard.at/maria von usslar

    Kompromiss: Eine rote Ampel am Eingang der Habsburgergasse bei der Peterskirche soll Fahrräder stoppen, solange sich ein Bus im "Nadelöhr" befindet.

Share if you care.