Altes Zollamt weicht Discoträumen und Türmen

Wojciech Czaja
26. Jänner 2013, 10:08
  • Dank Miteinbeziehung des Straßenniveaus soll "Triiiple" - anders als die
 angrenzende TownTown - ein funktionierender Stadtteil werden.
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    rendering: soravia group/zoom visual project gmbh

    Dank Miteinbeziehung des Straßenniveaus soll "Triiiple" - anders als die angrenzende TownTown - ein funktionierender Stadtteil werden.

  • Vier neue Gebäude sind vorgesehen, drei davon sollen als Hochhäuser mit mehr als hundert Meter Höhe ausgeführt werden.
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    Vier neue Gebäude sind vorgesehen, drei davon sollen als Hochhäuser mit mehr als hundert Meter Höhe ausgeführt werden.

ARE und Soravia errichten an der Erdberger Lände "Triiiple", ein 300 Millionen Euro schweres Projekt mit Wohnungen und Büros

Wien - Am Mittwoch wurde im ehemaligen Zollamt in Wien-Erdberg, in dem heute das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport, Materialstab Luft, eingemietet ist, der buchstäbliche rote Teppich ausgerollt, Bellboys inklusive. Grund war eine Pressekonferenz, bei der die Soravia Group AG und die hundertprozentige BIG-Tochter Austrian Real Estate GmbH (ARE) ihre Pläne vorstellten.

Anfang 2014 soll die hässliche beige-braune Siebzigerjahre-Zollamt-Scheibe zwischen Erdberger Lände und Schnirchgasse abgerissen werden und einem 80.000-Quadratmeter-Cluster mit Wohnungen, Büros und Kultureinrichtungen weichen. Eigentümerin ist die Soravia-Tochter SoReal.

Flexible Nutzung

Vorgesehen sind vier Gebäude, wovon drei als 30-stöckige Hochhäuser mit mehr als hundert Meter Höhe ausgeführt werden sollen. Die drei Türme erklären auch den typografisch auffälligen Projektnamen: "Triiiple". Grundrisse und Gebäudestruktur sind so beschaffen, dass eine flexible Nutzung aller Häuser möglich ist - von Wohnen über Büro bis hin zu Studentenheim und Hotel. Insgesamt sind rund 800 bis 1000 Wohnungen vorgesehen.

"Das alte Zollamt ist komplett durchbetoniert und weist keinerlei Nutzungsflexibilität auf", sagt Marta Schreieck, Henke Schreieck Architekten, die aus einem von Soravia und ARE ausgeschriebenen Architekturwettbewerb als Siegerin hervorging. Eine Umnutzung der bestehenden Bausubstanz war daher ausgeschlossen. "Unsere Häuser hingegen sind so geplant, dass man bis zuletzt die Wahl haben wird, wie man sie nutzt. Das heißt auch: durchgehend 2,80 Meter Raumhöhe." Geht es nach dem Investor, soll Triiiple zertifiziert werden. Geplant ist, das Projekt als Passivhaus auszuführen.

TownTowns zweite Chance

"Aufgrund seiner Lage und der Nähe zur Wiener Innenstadt hat der Standort durchaus Qualität, doch leider wurde er bisher als reiner Bürostandort genutzt", meint Erwin Soravia, Vorstand der Soravia Group. Gemeinsam mit diversen Magistratseinrichtungen und dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) ist die Soravia Group Mieterin der etwas glücklosen, direkt angrenzenden Town-Town, die in zehn Meter Höhe städtisch entrückt über den Gleisen der U3 errichtet wurde. "Dank Einbindung des Straßenniveaus soll sich das nun ändern."

Durch die gewerbliche und soziale Nutzung des Erdgeschoßes soll dieser Teil des dritten Bezirks nun endlich belebt werden. Vorgesehen sind Nahversorger, Gastronomie und Kindergarten. "Die Potenziale in Neu-Erdberg sind noch lange nicht ausgeschöpft", sagt Rudolf Zabrana, stellvertretender Bezirksvorsteher von Wien-Landstraße. "Vor allem für die junge Altersgruppe gibt es hier keinerlei Angebot."

"Disco U3 an der U3"

Die Pläne des Bezirks sind überaus ambitioniert: "An der U4 gibt es die Disco U4. Wer weiß, vielleicht gelingt es uns ja, ein U3 zu etablieren." Eine große Rolle spielt außerdem die Anbindung an Wasser und Grün. Essenzieller Bestandteil des Triiiple-Projekts ist nicht zuletzt eine Fußgängerbrücke über den Donaukanal, die den neuen Stadtteil künftig an den Prater anbinden soll.

Derzeit befindet sich Triiiple im Umwidmungsverfahren. Geht alles nach Plan, sollen in rund zwölf Monaten die Abbrucharbeiten beginnen. Die Fertigstellung ist für Anfang 2016 vorgesehen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro. Bleibt zu wünschen, dass bei Triiiple das gelingt, was bei Town-Town kläglichst verabsäumt wurde: dass es Teil der Stadt wird. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 26./27.1.2013)

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die haben wohl eine Pecker(el)?

Da können sie ja den BewohnerInnen gleich ein Packerl Jodtabletten zur Mietvertragsunterzeichnung dazugeben.

Nur ca. 180 (!) Meter von der tollen Immobilie entfernt an der anderen Seite des Donaukanals befindet sich ein Atommeiler - rein für Forschungszwecke. Das Kühlwasser erwärmt wahrscheinlich dann die Passivhäuser von Triiiple (dieser Name kommt wahrscheinlich vom Triga Mark 2 Reaktor der TU-Wien. Baujahr 1962.)

http://ati.tuwien.ac.at/fileadmin... Bilder.pdf

Der 3 Jahre jüngere Bruder in Deutschland (Mainz) wird jedenfalls nicht ganz unkritisch gesehen. Aber bei uns besteht ja keinerlei Gefahr. Wie immer.

http://www.stoerfall-atomkraft.de/site/?p=2174

uiiii

der Blogger gefällt mir zwar nicht besonders aber die Story, dass er dort völlig unbehelligt reinspaziert ist, kauf ich ihm voll ab:

http://www.erstaunlich.at/index.php... en-in-wien

Geschimpfe

Ich verstehe das ganze Gemaule nicht!!! Es ist sicher wichtig, den historischen Kern der Stadt gut zu erhalten, Wien hat da viel zu bieten. Allerdings versucht Wien, oder besser glauben die Wiener, dass Wien Weltstadt ist. Wenn dann einmal was geplant wird, wie die Hochhäuser auf der Platte oder dort in der Gegend, wo das schönste anscheinend die Austro Control ist, dann wird gebasht, geschumpfen und gemault!

Ich finde die Häuser dort eine gute Idee, endlich tut sich wieder einmal architektonisch mehr, als die Errichtung von grauenhaften Gemeindebauten. Ob die Häuser dann jemandem gefallen ist sicher eine Geschmacksdiskussion...

die alten Zollamtsgebäude sollten stehen bleiben

Danals wurde eben so gebaut. Und viel schöner sind die neuen Türme auch nicht.

Nein, die müssen weg

Im Zollamt gab es immer auffällig viele Krebsfälle, das Haus ist voller Asbest.

Ein weiteres Kapitel im Buch:

"Wie verschandelt man eine Stadt".

Herausgeber: Michael Häupl

Vor allem für die junge Altersgruppe gibt es hier keinerlei Angebot.

Ums Eck die Arena ist absolut kein Angebot für die jüngere Altersgruppe, stimmt.
Muss denn immer alles auf die Prolos und Schnösel zugeschnitten sein?

irgendwie schon.

weil alles auf jene zugeschnitten wird, für die "vergnügen" unmittelbar mit dem begriff "geld ausgeben" verbunden ist.

fußgängerbrücke über den donaukanal... wohl eher über die autobahn... und das gleich auf beiden seiten, auch wenn sich der eine bereich noch bundesstraße nennt.. nein danke.

so sieht die Aussicht dort aus (Blickrichtung Sonnenaufgang)

http://www.panoramio.com/photo/67957317

Dort ist das. Im Parallelogramm der Kräfte zwischen Ostauobahn, Südosttangente, Atominstitut und Ostblockbusbahnhof Erdberg:

http://maps.google.at/maps?q=Sc... n&t=h&z=18

Kann mir schon den Makler vorstellen der einem den Blick auf die Tangente den EBS Schornstein dem Wiener Stadtwerke Tower und der stinkenden OMV Raffinerie als einzigartig verkauft!

fette Geschäfte

und falls sie nicht aufgehen hilft die Stadt aus.

Vielleicht mit irgend eine Psedo-abstimmung.

eine sehr intelligente Idee, Wohnraum zu schaffen und gleich eine Disco dort zu platzieren.
Ist ja eine grandiose Lebensqualität mit einer Disco in der Nähe...

*sarc off

is net jeder über 60 und hypernervös....

Hervorragendes Konzept!

Wohnen unmittelbar neben dem meistbefahrenen Autobahnknoten (A23/A4) Österreichs am Rande eines Gewerbegebietes. Wird sicher ähnlich erfogreich wie TownTown oder Gasometercity.

Überdies wird man sich -nicht nur während der Abriss und Bauarbeiten- um ein Verkehrskonzept bemühen müssen. Das Nadelör Stadionbrücke- Schlachthausg.-Schnirchgasse-Würtzlerstr.-Erdbergstr. ist bereits jetzt überlastet.

Ah, ich vergaß: Der Prater ist ja auf der anderen Seite des Donaukanals...

Soravia kann in Wien machen was er will, bekommt jede Genehmigung, und sollten die Mieter oder das Geld ausbleiben, hilft die Stadt aus.

Ein hässliches Gebäude weicht....

3 neuen noch hässlicheren ... Na Prost dem der das genehmigt

Interessant

ich hab im alten Zollamt gearbeitet - vor einigen Jahren hat es geheißen, dass das GEbäude entkernt wird und dann umgebaut wird. Grund: Ein Gebäude in dieser Höhe wird dort nicht mehr genehmigt.

HAT

da nicht ein gewisser KHG als freund eine SCHÜSSELposition ?? a klane intervention - das machma schon! WIE IMMER

Meine Sympathie mit KHG hält sich in Grenzen,

aber dass er jetzt auch schon verdächtigt wird, Jahre nach seiner aktiven Zeit als Bundespolitiker die Wiener Bauordnung beeinflussen zu können, ist schon etwas lächerlich.

Übrigens, in Wien hat die SPÖ das sagen.

Beim Vorposter dürfte sich da etwas ein wenig vermischt haben. Die Soravia-Brüder haben das Dorotheum gegen eine kleine Gegenleistung auf Zypern günstig von Grasser zugeschoben bekommen. Das Muster war das gleiche wie bei der Buwog, selbst die Konten waren die gleichen. Natürlich gilt da die Unmutsverschuldung.

Kann man hier im Kapitel zum Dorotheum nachlesen:
http://www.gbw.at/oesterrei... ldung.html (PDF Download möglich)

Mit großem Vergnügen lese ich im Artikel, dass als "Towntown" wenig geglückt bezeichnet wird.

Das gefällt mir, weil ich bereits ganz am Anfang gegen diese Ausgeburt DDR-mäßiger Stadtgestaltung war und immer noch bin. Allein der Name entspringt einem vermutlich sehr flachen Denkapparat, er ist so typisch stadtverwaltungsoriginell, peinlich modernistisch und beleidigt Menschen Deutscher Muttersprache. Jetzt bekommt der Moloch noch solche größenwahnsinnigen Trümmer dazu - eine moderne Nekropole. Das wird ein toller Stadtteil, gemeinsam mit den ebenso unsäglichen, unfassbar verschandelten Gasometern, denen die Pächter wegrinnen. Wohnen eingepfercht zwischen Tangente, Ostautobahn, Donaukanal, U-Bahn, Gaswerk, Busbahnhof, Gewerbebetrieben, Atomreaktor und Eisenbahn. Fürwahr eine Edelperspektive.

Wer dort freiwillig wohnt, hat sie nicht alle

Zwischen Tangente und Ost-Autobahn in einem Eck, wo es fast kein Grün gibt, aber man auf seine Kinder stark aufpassen muss, dass sie nicht von einem Stadt-Kamikaze abgeschossen wird, zieht doch niemand hin.
Die Wohnungen können sie nur Russen teuer verkaufen, denn im Vergleich zu den Aspang-Gründen sind die Wohnungen abseitiger, lauter und weniger lebenswerter.

Wer dort freiwillig wohnt, hat sie nicht alle

Das gilt für über 90 % von Wien.

Mit Steinen werfen soll nicht, wer

in Schönbrunn und in der Hofburg residiert. Nur den Genfersee solltens tunlichst meiden.

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