Altes Zollamt weicht Discoträumen und Türmen

  • Dank Miteinbeziehung des Straßenniveaus soll "Triiiple" - anders als die
 angrenzende TownTown - ein funktionierender Stadtteil werden.
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    rendering: soravia group/zoom visual project gmbh

    Dank Miteinbeziehung des Straßenniveaus soll "Triiiple" - anders als die angrenzende TownTown - ein funktionierender Stadtteil werden.

  • Vier neue Gebäude sind vorgesehen, drei davon sollen als Hochhäuser mit mehr als hundert Meter Höhe ausgeführt werden.
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    Vier neue Gebäude sind vorgesehen, drei davon sollen als Hochhäuser mit mehr als hundert Meter Höhe ausgeführt werden.

ARE und Soravia errichten an der Erdberger Lände "Triiiple", ein 300 Millionen Euro schweres Projekt mit Wohnungen und Büros

Wien - Am Mittwoch wurde im ehemaligen Zollamt in Wien-Erdberg, in dem heute das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport, Materialstab Luft, eingemietet ist, der buchstäbliche rote Teppich ausgerollt, Bellboys inklusive. Grund war eine Pressekonferenz, bei der die Soravia Group AG und die hundertprozentige BIG-Tochter Austrian Real Estate GmbH (ARE) ihre Pläne vorstellten.

Anfang 2014 soll die hässliche beige-braune Siebzigerjahre-Zollamt-Scheibe zwischen Erdberger Lände und Schnirchgasse abgerissen werden und einem 80.000-Quadratmeter-Cluster mit Wohnungen, Büros und Kultureinrichtungen weichen. Eigentümerin ist die Soravia-Tochter SoReal.

Flexible Nutzung

Vorgesehen sind vier Gebäude, wovon drei als 30-stöckige Hochhäuser mit mehr als hundert Meter Höhe ausgeführt werden sollen. Die drei Türme erklären auch den typografisch auffälligen Projektnamen: "Triiiple". Grundrisse und Gebäudestruktur sind so beschaffen, dass eine flexible Nutzung aller Häuser möglich ist - von Wohnen über Büro bis hin zu Studentenheim und Hotel. Insgesamt sind rund 800 bis 1000 Wohnungen vorgesehen.

"Das alte Zollamt ist komplett durchbetoniert und weist keinerlei Nutzungsflexibilität auf", sagt Marta Schreieck, Henke Schreieck Architekten, die aus einem von Soravia und ARE ausgeschriebenen Architekturwettbewerb als Siegerin hervorging. Eine Umnutzung der bestehenden Bausubstanz war daher ausgeschlossen. "Unsere Häuser hingegen sind so geplant, dass man bis zuletzt die Wahl haben wird, wie man sie nutzt. Das heißt auch: durchgehend 2,80 Meter Raumhöhe." Geht es nach dem Investor, soll Triiiple zertifiziert werden. Geplant ist, das Projekt als Passivhaus auszuführen.

TownTowns zweite Chance

"Aufgrund seiner Lage und der Nähe zur Wiener Innenstadt hat der Standort durchaus Qualität, doch leider wurde er bisher als reiner Bürostandort genutzt", meint Erwin Soravia, Vorstand der Soravia Group. Gemeinsam mit diversen Magistratseinrichtungen und dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) ist die Soravia Group Mieterin der etwas glücklosen, direkt angrenzenden Town-Town, die in zehn Meter Höhe städtisch entrückt über den Gleisen der U3 errichtet wurde. "Dank Einbindung des Straßenniveaus soll sich das nun ändern."

Durch die gewerbliche und soziale Nutzung des Erdgeschoßes soll dieser Teil des dritten Bezirks nun endlich belebt werden. Vorgesehen sind Nahversorger, Gastronomie und Kindergarten. "Die Potenziale in Neu-Erdberg sind noch lange nicht ausgeschöpft", sagt Rudolf Zabrana, stellvertretender Bezirksvorsteher von Wien-Landstraße. "Vor allem für die junge Altersgruppe gibt es hier keinerlei Angebot."

"Disco U3 an der U3"

Die Pläne des Bezirks sind überaus ambitioniert: "An der U4 gibt es die Disco U4. Wer weiß, vielleicht gelingt es uns ja, ein U3 zu etablieren." Eine große Rolle spielt außerdem die Anbindung an Wasser und Grün. Essenzieller Bestandteil des Triiiple-Projekts ist nicht zuletzt eine Fußgängerbrücke über den Donaukanal, die den neuen Stadtteil künftig an den Prater anbinden soll.

Derzeit befindet sich Triiiple im Umwidmungsverfahren. Geht alles nach Plan, sollen in rund zwölf Monaten die Abbrucharbeiten beginnen. Die Fertigstellung ist für Anfang 2016 vorgesehen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro. Bleibt zu wünschen, dass bei Triiiple das gelingt, was bei Town-Town kläglichst verabsäumt wurde: dass es Teil der Stadt wird. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 26./27.1.2013)

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