"Cybook HD Frontlight": Thalias E-Reader im Test

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Unterlegen in Sachen Display und Verarbeitung, dafür bessere Erweiterbarkeit und mehr Formate

Mehr als in den Jahren zuvor darf sich Amazons E-Reader-Primus, der Kindle, heuer mit der Konkurrenz messen. Nicht nur im Paperwhite, auch bei manchen Alternativprodukten hat man sich des Themas Beleuchtung angenommmen. Auch bei Thalia, wo man den Cybook HD Frontlight ins Rennen schickt.

Fast eineiige Zwillinge

Das Gerät ist dem Paperwhite in vielerlei Hinsicht ähnlich. Das Display fasst ebenfalls sechs Zoll, die Auflösung von 1.024 x 768 Pixel ergibt mit einer Pixeldichte von 213 PPI ein fast identes Ergebnis (beim Amazon-Gerät werden 212 PPI angegeben). Auch die Abmessungen gleichen beinahe dem Stiefbruder, die Akkulaufzeit beträgt nach Herstellerangaben bei beiden zwei Monate und mit 192 Gramm Gewicht ist der Frontlight auch nur unwesentlich leichter. Und er belastet die Geldbörse mit 129 Euro um den exakt gleichen Betrag.

Tasten

Im Gegensatz zum Paperwhite besteht der vom durchaus angesehenen Unternehmen Bookeen hergestellte Reader jedoch rundherum aus Plastik und fühlt sich in Folge nicht ganz so wertig, aber immer noch solide an. Neben der Touchsteuerung über das 16 Graustufen anzeigende Display wartet der Frontlight mit drei konventionellen Tasten auf.

Zwei davon, an den seitlichen Rändern des Gerätes, dienen zum Umblättern, was auch durch Wischbewegungen am Display getan werden kann. Ihre Platzierung ist etwas ungünstig. Je nachdem, wie man den Reader hält, kann es leicht vorkommen, dass man diese Tasten versehentlich betätigt. Die Blätter-Richtung lässt sich zwar vertauschen, deaktiviert können sie über die aktuelle Firmware aber nicht.

Cybook Frontlight verliert Display-Vergleich

Der herausstechende, runde Knopf unter dem Display ruft das Menü auf und schaltet bei langem druck die Hintergrundbeleuchtung ein. Diese lässt sich feinstufig regeln. Während zwischen dem Bookeen-Reader und dem Paperwhite ohne Beleuchtung kaum ein Unterschied in Sachen Displayqualität gemacht werden kann, verliert die Darstellung bei Ersterem mit aktiviertem Licht jedoch merklich an Kontrast.

Auch in anderen Belangen hinkt der Bildschirm etwas hinterher. Ruft man während des Lesens das Menü auf, das sich in Form einer Leiste von unten über einen Teil des Textes klappt, bleiben nach dem Schließen sichtbare Artefakte auf dem Bildschirm, die bis zum nächsten Umblättern beim Lesen stören. Generell Abhilfe schafft da nur der Nachtmodus, in welchem der Text in weiß auf schwarzem Hintergrund angezeigt wird. Dieser löst auch das Kontrastproblem bei angeschalteter Beleuchtung.

Gleichmäßige Ausleuchtung

Die Beleuchtung erfolgt über in den Rahmen integrierte LEDs und ist gleichmässiger als jene des Paperwhite, bei dem insbesondere auf der Unterseite Unregelmäßigkeiten auftreten. Allerdings wird vom Screen auch mehr Licht abgestrahlt, das Gerät macht sich also auch hervorragend als Taschenlampe. Andererseits wird man beim nächtlichen Lesen geblendet, sollte man die Beleuchtungsintensität zu hoch einstellen - was aber ohnehin nicht nötig ist. Als Gegenmaßnahme für störendes Sonnenlicht tut das "Frontlicht" seine Arbeit wie es soll.

Menüführung

Das Menü passt sich dem jeweiligen Kontext an und sieht daher innerhalb eines Buches anders aus als am Startscreen. Die Navigation funktioniert gut, manche Einstellungen, etwa wie das Setzen eines Lesezeichens, sind aber unpraktischerweise nicht direkt, sondern nur über den Weg durch mehrere Menüpunkte zugänglich. Sowohl für Bibliothek als auch in der Buchansicht stehen einfache Such- und Navigationsfunktionen zur Verfügung. Auch die Textanzeige lässt sich umstellen (zB. Blocksatz oder Fettschrift).

Über das längere Antippen eines Wortes kann im integrierten Wiktionary nach grammatischen Merkmalen gesucht werden. Dies funktioniert allerdings nur bei französischen, italienischen und deutschen Begriffen.

Eingeschränktes Surfvergnügen

Der Frontlight kann per WLAN ins Internet und verfügt über Direktanbindung an das Angebot von Thalia. Dieses ist zwar umfangreich, mit Amazon aber nicht zu vergleichen. 100 Werke, großteils Klassiker oder Leseproben (und ironischerweise die Bedienungsanleitung), sind bereits voraufgespielt. Per integriertem Browser können andere Shops zwar angesurft werden, das Einkaufen auf diesem Wege ist allerdings mühsam, da weder die Software, noch der 800 MHz-Prozessor des Geräts mit modernen Webseiten besonders gut zurechtkommen. Es empfiehlt sich also, weitere Bücher per Kabelverbindung zum PC auf den Reader zu kopieren.

Um dies etwas weiter zu testen, wurde versucht, Facebook und Twitter aufzurufen. Ersteres scheiterte nach der Anmeldung, die Seite wurde nach dem Login schlichtweg nicht geladen. Bei Twitter gelang es immerhin, eine abgespeckte HTML-Variante des Interfaces zu verwenden. Mehr als einfaches Surfen ist auf dem Lesegerät aber ohnehin nicht sinnvoll.

microSD und mehr Formate

Der Cybook HD Frontlight beherrscht mehr Formate als der Paperwhite, dem unter anderem das Fehlen von EPUB-Unterstützung angekreidet wird. Dieses Format kann der Thalia-Reader und darüberhinaus auch PDF, MOBI, HTML, FB2, normale Textdateien sowie ein paar Bild-Dateitypen. Dateien mit Adobe-DRM können geöffnet werden, das proprietäre Amazon-Format AMZ allerdings nicht.

Wo Amazon mit einer cloudgestützten Bibliothek aufwartet, damit der integrierte Speicher von zwei GB nicht ausgeht, verfügt der Frontlight über einen microSD-Slot für eine Erweiterung um bis zu 32 GB

Erweiterbare Schriftenauswahl

Ebenfalls bemerkenswert ist, dass sich zu den vorhandenen sieben Schriftarten weitere nach Belieben hinzufügen lassen. Dazu ist es ausreichend, Fonts im Truetype- oder Open Type Font-Format in den "Font"-Ordner im Speicher des Readers zu kopieren., danach werden diese in der Auswahlliste für Schriftarten angezeigt. Die Schriftgröße kann jeweils in acht Stufen angepasst werden.

Fazit

Insgesamt ist der Cybook HD Frontlight ein empfehlenswerter E-Reader, der dem Kindle Paperwhite in manchen Belangen über-m in anderen unterlegen ist. Wer das hochwertigere und technisch bessere Gerät mit überlegenem Display möchte oder besonders viel Wert auf die Amazon-Anbindung legt, sollte zu Letzterem greifen.

Wer ein offenes Gerät mit microSD-Slot und selbst installierbaren Schriftarten lieber hat und gerne E-Books im E-PUB-Format ohne vorheriger Konvertierung lesen will, kann ohne Reue das Alternativprodukt von Bookeen erstehen. Vorausgesetzt, man nutzt Amazon nicht als Primärquelle für seinen E-Book-Bedarf. (Georg Pichler, derStandard.at, 20.12.2012)

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