Mit oder ohne "Mohr": Rassismusstreit ums Vorarlberger Bier

1781 Postings

Auf dem Flaschenetikett prangt über dem Namenszug "Mohren" der Scherenschnitt eines Kopfes, der allen Schwarzen-Klischees entspreche, so ein Medienkritiker - Mit Umfrage

Wien - Wer, vorzüglich in Vorarlberg und Teilen Tirols, im Wirtshaus ein Mohren-Bier bestellt, bekomme auch eine Portion Rassismus mitserviert, ärgert sich der Journalist und Medienkritiker Simon Inou. Denn auf dem Flaschenetikett prangt über dem Namenszug "Mohren" der Scherenschnitt eines Kopfes, der allen Schwarzen-Klischees entspreche.

"Enorm wulstige Lippen, krauses Haar, affenartige Gesichtszüge, markante Nase", charakterisiert der in Kamerun geborene Inou dieses Bild. In seiner "rassistischen Stereotypisierung" sei es so bekannt, dass es den meisten gar nicht auffalle.

Firma an Dialog interessiert

Um das zu ändern, haben Inou und der Künstler Mara Niang fürs Mohren-Bräu ein alternatives Logo entwickelt. "No Mohr" lautet der neue Schriftzug - und der Kopf wurde durch die Darstellung eines Baobabs ersetzt. Inou: "Der Baobab oder Affenbrotbaum gilt in vielen afrikanischen Gesellschaften als Symbol für Schutz und als Ort für Gespräche."

An Letzteren, also an "Dialog", zeigt sich Mohren-Bräu- Marketingleiter Markus Hämmerle "immer interessiert". Nur: "Das Logo gibt es seit 178 Jahren. Am westösterreichischen Biermarkt ist es ein Asset." 1834 habe die heutige (Mit-)Inhaberfamilie Huber den Mohren aus dem Familienwappen des ursprünglichen Brauereigründers Josef Mohr übernommen.

"Dieser historische Hintergrund ist Nichtvorarlbergern wohl unbekannt", vermutet Hämmerle. Doch Inou will sich auf lokale Eigenheiten nicht einlassen: "Mohren-Bräu ist bundesweit die letzte Firma mit einem solch rassistischen Logo." (Irene Brickner, DER STANDARD, 20.11.2012)

  • Altes Logo
    foto: mohrenbräu

    Altes Logo

  • Neues Logo: statt "Mohren"-Profil Baobab.
    grafik: inou/niang

    Neues Logo: statt "Mohren"-Profil Baobab.

Share if you care.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen ( siehe ausführliche Forenregeln ), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.