Windows 8: Erfolg hängt an Zehn-Dollar- Komponente

  • Lenovo Yoga: Neue Geräteklassen erfordern neue Scharniere.
    foto: lenovo

    Lenovo Yoga: Neue Geräteklassen erfordern neue Scharniere.

Neue Scharniere entscheiden über Gedeih und Verderb von Convertibles

Windows 8 kombiniert Tablet- und Desktopoberfläche in ein Produkt. Microsoft will damit nicht nur in die Touch-Welt aufbrechen, sondern hat ein System konzipiert, das sich prinzipiell für eine Reihe an Geräteklassen anbietet. Darunter klassische Laptops, die mit einem berührungsempfindlichen Display aufgerüstet werden, und Convertibles.

Immer größere Herausforderung

Ein wichtiger Bestandteil der Nutzerfahrung ist dabei die Stabilität des Bildschirms. Einmal in einem bestimmten Winkel ausgeklappt, sollte das Display möglichst fix in dieser Position verharren. Andererseits darf das Öffnen, Schließen oder Klappen des Gerätes nicht zu einem Kraftakt werden. Und das über die tausende Male, die das im Laufe seiner Nutzung passiert.

Hardwarehersteller arbeiten dabei an neuen Gelenken, die immer größeren Anforderungen widerstehen. Die Convertibles von heute werden nicht nur auf- und zu-, sondern auch umgeklappt, die Displays auch seitlich gedreht. Sie ermöglichen Geräte wie das Lenovo Yoga, dass sich von einem Ultrabook in ein Tablet transformieren lässt.

"Eine Design-Herausforderung"

"Das Scharnier ist der Schlüssel zur Funktionalität", erklärt dazu Heff Barney, Vizepräsident von Toshiba gegenüber dem Wallstreet Journal. Bewegt sich das Display nach dem Aufklappen, oder fällt es gar zu, ist der Kunde unglücklich. Das richtige Gelenk zu entwerfen "ist eine Design-Herausforderung", meint Ken Musgrave, Leiter der Designabteilung von Dell.

Dabei spielt diese Komponente kostentechnisch nur eine geringe Rolle. Während für Prozessoren, Displays und andere Komponenten oft knapp dreistellige Beträge anfallen, kostet ein Scharnier in der Herstellung effektiv weniger als zehn Dollar. Dafür sind die Techniker zurück an das Reißbrett gegangen.

Der optimale Winkel

Bei Dell hat man eruiert, dass der optimale Neigungswinkel für die Bedienung mit Fingern auf einem Display zwischen minus fünf und sechzig Grad liegt. Das Gelenk muss es erlauben, den Bildschirm leicht in diese Position bringen zu können, ohne dass er seine Neigung verändert, wenn der Benutzer darauf arbeitet.

Für die Herstellung gibt es mittlerweile eine Reihe von Grundregeln. So sollte die gemeinsame Verwendung von Aluminium und Stahl in einem Gelenk vermieden werden, weil sie zu Korrosion führt. Zink hingegen eignet sich wegen seiner Robustheit und Anpassungsfähigkeit gut für diesen Zweck.

Technikwettstreit

Unternehmen wie Toshiba werben mit dem eigenen Know-how in diesem Bereich. Im Portfolio des japanischen Konzerns finden sich über 50 einschlägige Patente. Sechs Techniker befassen sich alleine mit dem Entwurf neuer Scharniere.

Die Konkurrenz schläft nicht. Lenovo hat für das bereits erwähnte Yoga eine Maschine zur Prüfung des 360-Grad-Gelenks entwickelt. 25.000 Mal wurde das Gerät in beide Richtungen umgeklappt und durfte dabei weder kaputt gehen, noch fragwürdige Geräusche produzieren.

Bei Hewlett-Packard lässt man das abnehmbare Display mit Hilfe von Magneten korrekt einrasten. Bei Acer gibt das Scharnier mehr oder weniger Widerstand, abhängig vom Neigungswinkel. Dort ist die Komponente ein Teil der Displaykonstruktion, um die Langzeitstabilität zu steigern. (red, derStandard.at, 29.10.2012)

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