"Krone" dramatisiert Foto aus Syrien: Leser wenden sich an Presserat

Sabine Bürger
30. Juli 2012, 17:19
  • "Kronen Zeitung" vom Samstag, 28. Juli 2012.
    foto: gianluca wallisch

    "Kronen Zeitung" vom Samstag, 28. Juli 2012.

"Krone"-Chefredakteur Dichand bedauert "Versäumnis" bei "journalistischem Stilmittel einer Fotomontage"

Fünf Mitteilungen von Lesern sind bei der am Wochenende bekannt gewordenen umstrittenen Bildbearbeitung der "Kronen Zeitung" beim Österreichischen Presserat eingegangen. Damit wird der Fall an einen der Senate des Selbstkontrollorgans weitergegeben, erklärt Presserats-Geschäftsführer Alexander Warzilek gegenüber derStandard.at. Mit einer Entscheidung, ob der Fall angenommen oder abgewiesen wird, ist nach der Sommerpause im September zu rechnen.

Dichand entschuldigt sich

"Krone"-Chefredakteur Christoph Dichand entschuldigt sich indes bei der Leserschaft. "Während wir die Copyrights beider Fotos korrekt angegeben haben, fehlte leider der Hinweis darauf, dass es sich eben um das journalistische Stilmittel einer Fotomontage handelt. Wir entschuldigen uns für dieses Versäumnis", schreibt  Dichand in der Dienstagsausgabe. Das Problem seien aber nicht "diese Bilder, die an das Grauen des Krieges, der in Syrien tobt, kaum herankommen, das Problem sind jene Bilder, die sich vor den Augen der Menschen dort täglich abspielen". Diese gelte es zu bekämpfen, so Dichand auf Seite zwei.

Bildmaniplulation zur "Mutter aller Schlachten"

Die "Krone" hatte am Samstag den Artikel "Assads Armee rollt mit Panzern zur 'Mutter aller Schlachten'" mit einem Foto bebildert, das ein Paar mit Baby vor einer zerstörten syrischen Häuserschlucht zeigt, wie STANDARD-Redakteur Gianluca Wallisch auf Facebook postete. Tatsächlich wurde das Foto vor weniger spektakulärem Hintergrund in der Nähe von Aleppo aufgenommen. Auch die Verortung des Bildhintergrundes dürfte fehlerhaft sein. Laut "Krone"-Bildtext soll das Foto, das nicht als Montage gekennzeichnet war, eine Ruinenlandschaft in Aleppo zeigen, die zerstörten Häuser befinden sich allerdings in Homs. Das Foto der Flüchtenden stammt ursprünglich von der European Pressphoto Agency. Der dramatisierende Hintergrund dürfte von der Bildagentur Reuters kommen.

Für den neuen Presserat wäre es der erste Fall von Bildmanipulation, sagt Warzilek. Er erwartet die Entscheidung des Senates deshalb mit Spannung.

Warzilek betont, dass jeder Fall von Bildmanipulation anders sei, "generelle Leitlinien gibt es nicht". Eher kein Problem sei, als fiktives Beispiel genannt, wenn die Innenministerin mit schiefem Polizeikapperl dargestellt werde und die Manipulation ersichtlich sei. 

Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) ruft zur besonnenen Berichterstattung über den Krieg in Syrien auf, "keinesfalls dürften Tatsachen und Fotos manipuliert werden".

Internationale Berichte

Im Web macht die "Krone"-Montage bereits die Runde. Der US-Technologie-Blog Gizmodo berichtete über den "Photoshop job" der "Krone", User der Diskussionsplattform Reddit tauschten sich über die Montage aus. Die "Kronen Zeitung" sei "quality reading material, like Fox news on paper", heißt es dort.

Bildmanipulationen machen immer wieder Schlagzeilen. Die Nachrichtenagentur Reuters verschärfte 2007 ihre Vorschriften, nachdem sie technisch veränderte Aufnahmen in die Datenbank aufgenommen hatte. Damals fügte ein Fotograf zum Beispiel Rauchschwaden über Beirut ein, das Bild sollte die libanesische Hauptstadt nach einem israelischen Luftangriff zeigen. 2010 gab es erneut Aufregung um zurechtgeschnittene Reuters-Bilder. (Sabine Bürger, derStandard.at, APA, 30.7.2012)

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fünffachmörder als asylwerber!

so die gestrige krone - schlagzeile. heute in einem WINZIGEN kästchen irgendwo im blattinneren die meldung, "krone - recherchen" hätten eine "überraschende wende" zutage gebracht, der "mörder" habe lediglich eine psychose und die morde erfunden.

es is einfach nicht zu glauben, was das schon wieder für eine sauerei ist.

ist doch nichts Neues. Goebbels würde jubeln über die heutigen Möglichkeiten der Propaganda.

Hier ein weiteres Beispiel 2011 vom ZDF:
ZDF-Fälschung - Kriegspropaganda gegen Syrien
http://www.youtube.com/watch?v=jS_YBOOnsHo

und das bild von den zerstörten häusern ist aus syrien?

Die "Kronen Zeitung" sei "quality reading material, like Fox news on paper", heißt es dort.

'
Ist das ein ironischer Kommentar, oder handelt es sich bei Reddit um eine Diskussionsplattform der Tea-Party?

soll heißen:

FOX News ist so glaubwürdig, wie "die Krone"

Nun, an der Art, derartiges als "journalistisches Stilmittel" zu bezeichnen, was als betrügerische Lügenpropaganda funktioniert, lässt sich rasch für die letzten Schläfer erkennen, dass die nicht nur öfter vorkommt, sondern insgesamt das "journalistische" "Stil"mitte einer ganzen Mainstream-Branche ist.
In Wort, Bild und Ton.

Bitte nun wirklich alle aufwachen, Mainstream ist plumpe Ablenkung und Propaganda. Auch der Standard. Es gibt keine einzige Mainstream-Ausnahme.

"journalistische[s] Stilmittel einer Fotomontage"

Na wenn bildlich gelogen werden darf, dann sind formulierte Lügen wohl auch nur " journalistische Stilmittel"...

first world problems.

wen schon mit die Bilder so ungehen würde ich nicht überraschat wen auch die artikel einer fälschung wäre
wie auch oft passiert, in manche boulevar medien.

quality reading material like Fox ´news on paper

I lol´d

Das ist aber nicht neu, oder ?

Wer an die Echtheit der Bilder ohne Photoshop in der Krone glaubt, ist selber schuld. am offensichtlichsten merkt man das bei den Damen auf Seite 3.

"das journalistische Stilmittel einer Fotomontage"

s/journalistisch/reißerisch
s/Stil/Quoten

(Eigtl ja unglaublic, dass sich der Dichand oder irgendwer von der Krone überhaupt traut, die Wörter "Journalismus" und "Stil" in den Mund zu nehmen...)

dass es sich eben um das journalistische Stilmittel einer Fotomontage handelt

eine sehr lapidare umschreibung für betrug.

Boulevard ist auf Betrug ausgelegt. Die gleichen Anfangsbuchstaben sollen uns aufmerksame Medienkonsumenten auf häufige Unwahrheit in Krone, Österreich und Heute hinweisen.

Betrug, Manipulation, Lügen - so weit das Auge reicht.

Wir steuern mit Vollgas auf einen "Big Bang" zu. Den Menschen reichts.

"...... das journalistische stilmittel einer fotomontage....."

grauslich, herr dichand. grauslich.

Journalistisches Mittel

einer Fotomontage... das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

so arbeiten 80 % der journalisten.

hauptsache die wirkung ist da, die glaubwürdigkeit ist nebensächlich.

so arbeiten 80 % der journalisten

Das stimmt nicht!

In vielerlei Hinsicht: Journalisten sind keine Redakteure; es gibt ein Bewusstsein für die Wichtigkeit und Richtigkeit von Objektivität und Seriosität innerhalb der Branche; Boulevardemedien und Trashformate handeln nach dem Motto, dass die angewandten Mittel das gewünschte Ergebnis rechtfertigen.

die meistgelesene zeitung in österreich. ach, ich schäm mich so...

und der

welt gemessen an der reichweite in der bevölkerung
das ist noch erschüttender

"zeitung"

Der "Presserat" ...

... wird der Kronenzeitung herzlich wurscht sein.

Die Bildunterschrift in der Kronenzeitung sagt ja schon alles.

Satzfehler und Stil passen sehr gut zum Bild.

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