Senioren auf Lokalsuche

Stadt fühlt sich für "Kaffeekränzchen" nicht mehr zuständig

Maria Sterkl, 13. Dezember 2011, 06:15
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    foto: derstandard.at

    Ein Teil der Dienstagsgruppe: "Wir Alten sind halt nix mehr wert"

Zehn Jahre lang traf sich die rüstige "Dienstags-Gruppe" in der Reindorfgasse - nun ist sie "obdachlos"

Wenn Frau Kayder krank ist, kommt Frau Mayrhofer vorbei und bringt Suppe. Wenn Frau Tomsik einen Einbrecher befürchtet, ruft sie nicht die Polizei, sondern Frau Hager an. Man könnte meinen, aus Sicht einer effizienzbewussten Stadtverwaltung wären die zehn WienerInnen der Seniorengesprächsgruppe, die hier im Hinterzimmer Kaffee trinken und Golatschen essen, vorbildliche Ausnahmeerscheinungen: Wo andere einen ärztlichen Notdienst anrufen oder die nächste Polizeiinspektion aufsuchen, helfen die Mitglieder der "Dienstags-Gruppe" in der Fünfhauser Reindorfgasse sich selbst. Zehn Jahre lang trafen sich die Mitglieder der Gruppe jeden Dienstag in der "Beratung am Eck" des Fonds Soziales Wien. Sie jausneten, besprachen Sorgen, hielten auch zwischen den wöchentlichen Treffen Kontakt miteinander. Doch seit September ist die Gruppe heimatlos.

"Einfach abgeschoben"

Völlig überraschend habe der Fonds Soziales Wien, der zuvor neben den Räumlichkeiten auch zwei Seniorenberaterinnen zur Verfügung gestellt hatte, verkündet, die Gruppe müsse sich "damit abfinden, dass wir nicht mehr herkommen können", erzählt Hilde Kayder, eine ehemalige Angestellte der Statistik Austria. "Man hat uns einfach abgeschoben und nicht einmal erklärt, warum", ärgert sich  Frau Kayder. "Ich bin zwar alt. Aber ich bin noch so jung, dass ich die Dinge verstehen möchte."

Die meisten Gruppenmitglieder seien alleinstehend, sagt Frau Kayder. "Die Dienstagsgruppe ist unser Familienersatz." Zurzeit trifft man sich in einem Hinterzimmer der Gebietsbetreuung - doch auch dort kann die Gruppe nur noch bis Jahresende bleiben.

"Kaffeekränzchen"

Jener Raum, in dem sich die Gesprächsgruppe in den vergangenen zehn Jahren getroffen hatte, bleibt nun dienstags ungenutzt. Warum also die Einsparung? Beim zuständigen Fonds Soziales Wien (FSW), heißt es, für diese Art von Betreuung sei man nicht zuständig: "Das ist eher eine Art Kaffeekränzchen", erklärt FSW-Sprecherin Iraides Franz gegenüber derStandard.at. "Da hat keine wirkliche existenzsichernde Beratung stattgefunden." Zwar sei es "toll, dass es so aktive Senioren gibt". Aber der FSW habe eben „immer mehr Kunden, und Existenzsicherung hat Priorität". 

Dieser Umgang sei symptomatisch, glaubt Elisabeth Ettmann, pensionierte Sozialarbeiterin und Initiatorin dieser und anderer Seniorengesprächsgruppen. "Sozialarbeit geht immer mehr weg von der Beziehungsarbeit, und immer mehr in Richtung Kurzintervention", glaubt Ettmann. Die Stadt wolle effizienter arbeiten, riskiere dabei aber, dass das Ziel von Sozialarbeit verfehlt werde: "Man kann Lebensqualität nur dann steigern, wenn man in Beziehungen investiert." Nicht, dass die Gruppe aus den FSW-Räumlichkeiten ausgewiesen wurde, sei zu kritisieren - sondern die Tatsache, "dass ihnen niemand geholfen hat, einen Ersatzraum zu suchen." Zwar habe der FSW auf ein nahegelegenes Tageszentrum verwiesen - doch für den dortigen Raum müssten die PensionistInnen Miete bezahlen. 

"Wir alten Leut sind halt nix mehr wert", schlussfolgert Frau Kayder. FSW-Sprecherin Franz meint hingegen, es gebe "genügend offene Räume in Wien - das Amerlinghaus zum Beispiel." Genanntes Kulturzentrum am Spittelberg war übrigens jüngst  vom Zusperren bedroht - dank einer Einmalzahlung der Stadt Wien kann es den bereits abgespeckten Betrieb vorerst aufrechterhalten. (Maria Sterkl, derStandard.at, 13.12.2011)

Kommentar posten
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Ignaz gartengschirrl
00
21.12.2011, 19:13

jo mei das sind halt nur pensionisten, die haben ja nur ihr ganzes leben lang gearbeitet aber jetzt wo sie nicht mehr arbeiten sinds halt auch nix mehr wert da sollens schauen wos bleiben!

eine frechheit ist das!!

Gilgamesh
33
14.12.2011, 14:32

Achtung Sarkasmus!

Genau werfen wir jene Menschen auf die Straße, die Österreich aufgebaut hat, sind eh alles Nazis. Stecken wir lieber das Geld in "Integrationszentren", dort kaufen wir dutzende Sofortbildkameras, damit kleine Mädchen mit traditioneller Verhängung uns via Bilder zeigen können, wie toll sie sich integriert haben. Oder wir zahlen Irakern mit einer 5 Jahresaufenthaltsgenehmigung eine Ausbildung, wir laden deutsche Jugendliche ein zu uns zu ziehen, da sie hier eine Berufsausbildung bezahlt bekommen vom Staat.
Aber niemals sollten wir unser Geld für jene Menschen ausgeben, die Österreich aufgebaut haben.
Sind ja nur Österreicher...

Ende des Sarkasmus!

FFluXXuSS
00
14.12.2011, 11:01
Gibt es da in der Nähe ein Parteilokal (alt, kalt und mit viel Lurch)?

Lord Vader1
16
14.12.2011, 10:57
...

Die Probleme in diesem Land nehmen kein Ende - jetzt wird auch noch ein Kaffeekränzchen umgesiedelt!
Ich verstehe nicht warum sich Leute beklagen weil sie sich jetzt wo anders treffen müssen und noch weniger verstehe ich jene die um so etwas einen Radau machen müssen!!!
Zwei Seniorinnenberater werden für diese kleine (!) Gruppe abgestellt, wer soll das alles bezahlen?
Und Existenzsicherung hat wirklich Priorität, nicht die Bequemlichkeit Einzelner!!
Ich verstehe auch den Standard nicht dass eine derartige "Nullmeldung" gebracht wird ... Nachrichten auf die die Welt wartet .... pfff

Ignaz gartengschirrl
00
21.12.2011, 19:19

ich persönlich sehe das etwas anders.

diese leute haben ihr ganzes leben lang hart gearbeitet und sich meiner meinung nach die zwei seniorenberater somit ohnehin selbst finanziert.

ich bin auch der meiung, dass wenn ich 40 jahre (bis ich einmal in pension gehen darf wahrscheinlich eher 50 jahre) gearbeitet habe, dass ich mir meine pension selbst einbezahlt habe, trotzdem zahle ich bereits jetzt brav meine privatvorsorge weil ich von diesem staat sehr wahrscheinlich nichts mehr zu erwarten habe.
mir ist bewusst das unser system so nicht arbeitet und ich mit dieser meinung alleine dastehe da die pensionseinträge die ich für meine altersvorsorge in 35 jahren einzahle von den politikern schon heute mit vollen händen ausgegeben werden.

phischi
12
14.12.2011, 14:15
Sie haben

völlig recht!
Wo wir doch das ganze gute Geld für die Banken brauchen!!!
Daß das keiner kapiert, aber echt...
Möge die dunkle Macht mit Ihnen sein!

eagle13
 
00
14.12.2011, 09:03
Das die Stadt dafür kein Geld mehr hat ist richtig und unrichtig zugleich, wenn ich den Politikern ihre Spielzeuge entziehe dann könnte man Mrd. einsparen nur wie im alten Rom gilt Brot und Spiele und wenn ich nur einem das Geld entziehe gibt es

böses Blut.

Mein Verteidiger gehört psychiatriert
311
13.12.2011, 21:50
Die fetten Zeiten sind vorbei.

Das Verhalten der Stadt zeigt das schleichende Anfluten der von einem über die Jahre angeschwollenen Vollkasko-Anspruchsverhalten, sozialistischer Verschwendungspolitik, einer aufgeblähten Beamtenkaste, der verfehlten Zuwanderungspolitik incl. einer außer Rand und Band geratenen steuergeldfinanzierten Asülindustrie und natürlich auch politischer Korruption ausgelösten Probleme; die unsere Gesellschaft noch viel gewaltiger treffen werden.

Tja, Omi, und nicht zuletzt müßen wir einer Handvoll Taugenichtse eine Hyttn finanzieren; dazu ein paar "Sozialarbeiter".
Vorschlag: Amerlinghaus besetzen!

der schwitzbär der schwitzt sehr
32
14.12.2011, 01:03
Doktor, schnell, Spritze.

Da berichten ein paar Pensionistinnen von einem Zimmer, in dem sie sich nun nimmer treffen dürfen, das aber weiterhin existiert und wahrscheinlich halt jetzt zur entsprechenden zeit leer steht

und da gibt es tatsächlich Leser, die einen Rundumschlag aus der Geschichte ableiten, von Beamtentum bis Zuwanderung und Asyl - als sei das Kuchenrezept der Tante Jolesch am 800-Millionen-Skylink-Desaster schuld

Deshalb, Doktor, bitte eine Spritze Beruhigungsmittel - damit sich der Patient nicht selber in die Goschn haut beim heftigst herumfuchteln - und danach in die Ausnüchterungszelle

mogen fragen wir ihn dann, ob er eh noch weiß wo er wohnt, und ohne Hilfe nach Hause findet

Austrian Atheist
00
14.12.2011, 10:08

naja, und wie man sieht kommen dann die "stricherlbrigaden" und versichern, dass die message auch positiv bewertet wird.....

Der lachende Mann
02
13.12.2011, 22:15
Die AIDA-Connection wird jetzt ausgehebelt.

Schnick
24
13.12.2011, 21:47
Mich wundert eher wieso das überhaupt jahrelang praktiziert werden konnte ...

Was wieder an die Studie erinnert, dass bei Abstellung sämtlicher unnötiger (= wovon niemand was hat ausser ein paar Begünstigte) Subventionen das Budget schlagartig saniert wäre. Und hätte man das schon früher alles abgestellt stünden wir übrigens 1A da.

Mirstetta Toni
00
14.12.2011, 09:43

da würde ich noch eher das bauen der lärmschutzwände entlang der autobahnen und bahntrassen einstellen. speziell dann, wenn die strasse oder trasse vor den grundstückbesitzern da war.

Wulzendorfer
00
14.12.2011, 08:56
Was heißt 1A - zumindest Triple A, was ja wohl das wichtigste überhaupt ist, was gibt es denn wichtigeres und besseres als irgendwelchen Ratingagenturen zu gefallen?

Was ist schon die nun offensichtlich nicht mehr finanzierbare Lebensqualität ein paar SeniorInnen?

ulli zeller
01
13.12.2011, 20:17

den hinweis des FSW auf "genügend offene räume in wien" finde ich auch rührend - was wohl würde die alten damen aus der reindorfgasse hindern, zu einem offenen angebot z.b. in der donaustadt zu pilgern?

ulli zeller
111
13.12.2011, 20:12

die FSW-sprecherin vertritt die typische meinung einer lebensfremden nicht-betroffenen. können sich die angestellten solcher vereine/behörden vielleicht einmal ernsthaft vorstellen, welch großer sozialer mehrwert entsteht, wenn menschen gelegenheit haben miteinander zu reden? oft braucht es keine "gstudierten", die angelernte tipps von sich geben. letztlich ersparen solche gesprächsrunden oft eine menge medizinische kosten. aber, da kunnt jo jeda kumman ...

Hautflügler
39
13.12.2011, 19:45
Mal ganz ehrlich

Warum ist das förderungswürdig?
Die Senioren sind offenbar selbstständig genug sich zu organisieren und das ist durchaus erfreulich. Warum aber können sie nicht einfach einen Raum mieten oder sich im Kaffehaus treffen?
Und jetzt bitte nichts mit konsumfreie Räume. Wenns warm ist kann man im Park sitzen und wenns kalt ist wird sich wohl noch ein kleiner Kaffee ausgehn, sonst bleibt noch die Wohnung .
Das ist einfach ein privater Verein, der den Damen und Herren selbstverständlich vergönnt ist aber nicht förderungswürdiger ist als der Stammtisch im nächsten Wirtshaus.

Ignaz gartengschirrl
00
21.12.2011, 19:30

förderungswürdig ist wohl so ziehmlich nichts was pensionisten angeht solange man zwischen 10 und 40 ist.

ich selbst gehöre zu dieser altersgruppe aber mir will nicht in den kopf warum banken die an börsen lotto spielen förderungswürdig sind und das gleich in milliardenhöhe, weitere milliarden in bankrotte länder gepumpt werden so lange bis wir selbst nicht mehr wissen woher das geld kommen soll und eine schuldenbremse in der verfassung verankert werden soll, aber für 10 pensionisten die ihr ganzes leben lang hart gearbeitet haben und dem staat in form von steuern bei gott genug einnahmen gebracht haben kein geld da ist.

mir persönlich graust es vorm alt werden und das in einem der reichsten länder da stimmt doch etwas nicht!

6000
47
13.12.2011, 19:04

es gruselt einem vom alt werden in diesem land, wenn man diese postings liest

ravenna
36
13.12.2011, 22:36

Ja, schon furchtbar, wenn der Staat nicht jedem Kaffee-Kränzchen einen geheizten Raum und einen betreuenden Sozialarbeiter zur Verfügung stellt.

Montgomery McFerryn
38
13.12.2011, 18:52

Ich würd gerne am Wochenende mit ein paar Freunden was saufen gehen, kann die Stadt mir doch bitte eine Lokal bereitsstellen und wenns möglich ist auch noch ein paar Kisten Bier?

ravenna
25
13.12.2011, 22:37

Eine knackige Sozialarbeiterin nicht zu vergessen!

Bustardo
1311
13.12.2011, 17:50

Gut so! Was gehts denn den Staat an wo die Damen ihr Kaffekränzchen machen?

Es ist wirklich erstaunlich wie unselbstständig einige Menschen durch die sozialstaatliche Rundumversorgung geworden sind.

Bitte lieber Staat, zieh dich zurück wos geht und halt dich weitestmöglich aus unserem Leben raus!

Ignaz gartengschirrl
00
21.12.2011, 19:36

den staat geht doch nichts mehr was an sobald man in pension geht.

45 jahre "hakln" danach ab in die "pensi" mit 900 euro netto im monat da könnens ja problemlos ein lokal mieten damit sie noch unter leute kommen!!

für mich ist es ein skandal wie in diesem land mit alten leuten umgegangen wird. ich bin mitte 30 zahle seit 12 jahren privat meine vorsorge und sehe zu wie die von jahr zu jahr weniger wert wird (vielleicht geht es ihnen ja ähnlich) von der staatlichen pension erwarte ich mir gar nichts, hauptsache für verantwortungslose banker ist geld da.
da freut man sich doch das man 45 jahre lang 40 stunden die woche arbeiten darf nur um am ende den mittelfinger gezeigt zu bekommen.

6000
212
13.12.2011, 19:03

das posting bitte in ihr tagebuch geben und aufheben, damit sie nachlesen können, wenn sie nach staat rufen: bei autobahnen, preissicherung im spital liegen oder pflegebedürftig werden..

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