Wirkung von Homöopathie

Von Homöopathie, Wissenschaft und Rosinen

Leser-Kommentar | 12. Oktober 2011, 08:36

Eine weitere Stellungnahme zur Debatte um die Wirkungsweise der Homöopathie: wenn die Wissenschaft als Kronzeugin für Homöopathie herhalten soll, kann man sich nicht nur die Rosinen rauspicken

Der spöttische Ton gegenüber der Homöopathie, den Vince Ebert in seinem am 24.09.2011 auf derStandard.at erschienenen Artikel anklingen lässt, stößt bei Friedrich Dellmour, wie man dessen Replik vom 30.09.2011 entnehmen kann, auf wenig Verständnis. Ebert verwechsle Glauben mit Wissen, so der Leiter der Wissenschaftsredaktion der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin, der mit einer Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen und Erkenntnissen kontert, die die Wirksamkeit der Homöopathie jenseits des Placeboeffekts beweisen sollen.

Qualität der Studien berücksichtigen

Da die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler Homöopathie für Quacksalberei und geradezu für ein Paradebeispiel von Pseudowissenschaft hält, verblüfft es, dass Dellmour ausgerechnet die Wissenschaft selbst als Kronzeugin pro Homöopathie ins Feld führt. Wie sich herausstellt, muss sie in dieser Rolle allerdings zwangsläufig scheitern, und der Grund dafür ist, dass Dellmour zwar wissenschaftliche Arbeiten zitiert, sich dabei aber nicht an die Regeln des wissenschaftlichen Diskurses hält. Diese schreiben nämlich vor, dass man zur Bewertung der Wirksamkeit eines Verfahrens stets die Gesamtheit der dazu verfügbaren wissenschaftlichen Literatur heranzieht und dabei die Qualität der einzelnen Studien angemessen berücksichtigt. Keinesfalls aber ist es zulässig, sich lediglich die genehmen Resultate wie Rosinen aus dem Kuchen zu picken und dann zu erklären, ein Guglhupf sei als Obst einzustufen, bestehe er doch zweifellos aus getrockneten Weintrauben.

Alt und methodisch mangelhaft

Die von Dellmour zitierten Versuche an der Tierärztlichen Hochschule Hannover beispielsweise sind über 20 Jahre alt, methodisch mangelhaft und konnten nie erfolgreich repliziert werden. Damit reihen sie sich in eine lange Liste von scheinbaren Durchbrüchen ein, die sich später als Illusion erwiesen. Ebenso wenig ist die an der Charité erstellte Übersichtsarbeit über experimentelle Studien ein Beweis der Wirksamkeit homöopathischer Hochpotenzen. Auch hier ist das Kernproblem die mangelnde Reproduzierbarkeit der positiven Ergebnisse. Tatsächlich waren zwar 73 Prozent der Replikationsversuche positiv, jedoch schrumpfte diese Zahl nach Elimination der methodisch minderwertigen Versuche auf magere 18 Prozent. Was Dellmour verschweigt, die Autoren der Arbeit aber deutlich machen, ist, dass am Ende kein einziges der positiven Resultate so stabil war, dass es allen Replikationsversuchen standhalten konnte. Genau dasselbe gilt auch für die von Dellmour angeführten "neuen physikalischen Forschungsarbeiten".

Ähnliches lässt sich über die von Dellmour erwähnten 63 positiven klinischen Studien zur Homöopathie sagen. Wie man aus etlichen Analysen der insgesamt etwa 200 dokumentierten klinischen Homöopathie-Studien weiß, sind die allermeisten Untersuchungen sowohl klein als auch methodisch mangelhaft.

Negative Studien werden seltener publiziert

Außerdem weiß man, dass negative Studien seltener publiziert werden als positive. Dieser sogenannte Publikationsbias lässt das reine Abzählen von positiven Studien zu einem bloßen PR-Gag verkommen. Das korrekte Vorgehen wäre, die methodische Qualität und die Größe der Studien in die Analyse mit einzubeziehen. Genau das tat 2005 eine viel beachtete moderne Metaanalyse - die von Dellmour zitierte "Egger-Studie". Sie kam zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit der Homöopathie sich in den Daten nicht von der eines Placebos unterscheidet. Dellmour behauptet nun, dass eine Nachuntersuchung dieser Metaanalyse den Vorwurf der Placebowirkung widerlegt und die Wirksamkeit der Homöopathie gezeigt hätte. Leider ist diese erstaunliche Behauptung schlicht unwahr und lässt vermuten, dass Dellmour die Nachuntersuchung gar nicht im Detail gelesen hat. Deren Autoren Lüdtke und Rutten verneinen diese Behauptung nämlich ausdrücklich im ersten Satz ihrer Schlussfolgerungen.

Objektive Metaanalyse

Nicht besser steht es auch um das Health Technology Assessment (HTA), das laut Dellmour die Homöopathie positiv bewertet habe. Dieser Bewertungsbericht, der im Zuge eines stark politisierten Prozesses unter Mitwirkung homöopathiefreundlicher Autoren erstellt wurde, basiert zu großen Teilen auf der subjektiven Einschätzung seiner Verfasser. "Es steht ausser Frage", heißt es folglich auch im Schlussbericht zu dieser Arbeit, "dass strikte Vertreter der üblichen Evidenzhierarchie die vorgelegten Bewertungen [...] als wissenschaftlich unhaltbar und unangemessen positiv bewerten werden". Um die Einschätzung der Wirksamkeit von solch subjektiven Einflüssen frei zu halten, wurde von der Schweizer Regierung parallel zum HTA eine objektive Metaanalyse in Auftrag gegeben und auch erstellt. Dabei handelt es sich aber um genau jene oben erwähnte "Egger-Studie", die zum Leidwesen der Homöopathen ein negatives Resultat hervorbrachte.

Dies alles muss man nicht zuletzt vor dem Hintergrund der extremen, geradezu absurden Unplausibilität einer wie auch immer gearteten Wirkung von homöopathischen Hochpotenzen sehen. Tatsächlich ist nämlich Eberts Bild vom Autoschlüssel, der in Frankfurt in den Main geworfen wird, um dann mit Würzburger Mainwasser das Fahrzeug starten zu können, kein Zerrbild, sondern eine nahezu perfekte Analogie zur vorgeblichen Wirkung der Globuli. "Es handelt sich bei der Übertragung von Startinformation um ein Resonanzphänomen", würde der pseudogelehrte Alternativautomechaniker diesen Vorgang vermutlich erklären - und damit ebenso nichtssagend bleiben wie seine Kollegen aus der Paramedizin.

Man kann sicher Verständnis dafür aufbringen, dass die Vertretung der heimischen Homöopathen die Wirksamkeit ihrer lukrativen Therapieform in der Öffentlichkeit schön zureden versucht. Dabei sollte sie sich allerdings nicht anmaßen, auf die Wissenschaftlichkeit zu verweisen. Denn mit Wissenschaft ist der verbreitete Glaube an die Homöopathie am allerwenigsten zu rechtfertigen. (Leser-Kommentar, Ulrich Berger, derStandard.at, 12.10.2011)

Autor

Univ.-Prof. Dr.Dr. Ulrich Berger ist Vorstand der Gesellschaft für kritisches Denken.

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utarefson
02
20.10.2011, 23:50
WArum ist dieser Artikel nicht entsprechend zum Artikel von Dellmour gelinkt?

Ich vermute das ist Absicht, um den Glauben an die Homöopathie nicht zu sehr durch seriöse Information zu stören!
Alle die Leserbriefe zum Dellmourartikel würden überflüssig sein. Besser als U. Berger kann man Herrn Dellmour nicht der Lüge zeihen!

Arbeitsbiene
50
18.10.2011, 16:17
Homöopathie ist keine Medizin

Homöopathische Präparate senden eine Information an den Körper, wo es hapert. Eine homöopathische Dosis im wahrsten Sinne des Wortes wird an den Körper als Info gesandt, der dann gegen dieses Problem gezielt vorgeht. Nur so erklärt sich, dass man die Brechnuss (nux vomica) gegen Übelkeit einnimmt, wo man doch von ihr, (würde man sie nicht in einer hochpotenzierten homöopathischen Dosis einnehmen) mit Sicherheit speiben müsste!
Homöopathie wirkt- als Information.
Menschen denen nichts fehlt und sich eine ganze Flasche Globuli einschießen und danach keine Wirkung spüren und dies als Beweis des Placebos sehen: wieso auch? Nur weil eine unnötige Einnahme nichst schadet, heißt es nicht, dass eine nötige Einahme nicht hilft!

utarefson
00
22.10.2011, 21:03
KInderschänden mit Homöopathie

http://www.google.com/hostednew... c1d8f9.b91

marty fink
00
21.10.2011, 07:22
Abgesehen von der abstrusen Erklärung zum Wirkprinzip

ist die Wirksamkeit von Homöopathie dennoch nicht greifbar...in keiner nennenswerten Studie, warum?
Ist die Schwurbelei von der großen Informationsübergabe doch nur ein Märchen?

il padrino
00
19.10.2011, 00:42

der körper ist schon schlau

Frik Frikazoid
02
19.10.2011, 14:04

Vielleicht könnten sie uns Unwissende aufklären von welcher Information sie hier sprechen und wie diese Information aufgenommen und verarbeitet wird? Ohne diese Erklärung bleibt ihr Kommentar auf Schwurbelniveau!!

MfG

Arbeitsbiene
10
20.10.2011, 09:38
Etwa wie eine Impfung

Impfungen senden ja schließlich auch eine Information!

il padrino
00
21.10.2011, 08:27

die wirkung einer impfung kann ich aber dann auch nachweisen (antikörper) und die wirkung messbar ... wenn das mal bei der homöpathie gelänge wäre klasse, es hätte ja keiner was dagegen, dann würden novartis und roche sofort globuli produzieren...

marty fink
00
21.10.2011, 07:23
Etwa...

Nope!

utarefson
01
20.10.2011, 23:51
nur bei der Frau Brause!

Buffy die Vampirjägerin
00
14.10.2011, 13:47
Bildungsauftrag des ORF

Leider transportiert der ORF immer wieder in zweifelhafter Weise es0terische life style- und medizinische Inhalte. Wissenschaftlich fundierte Stimmen kommen fast immer zu kurz oder werden redaktionell heruntergespielt.
http://bit.ly/qkYspA

marty fink
04
13.10.2011, 16:32
Und leider muss man diese Fakten immer wieder vorkauen!

Und ein Danke an Herrn Berger weil er es so unermüdlich tut!

Michael Schmied
00
13.10.2011, 17:57
Reader's Digest

...ist eigentlich etwas für ein spezifisches Klientel...

her wig
00
13.10.2011, 15:41
Die relevante Frage ist daher:

was kann man alles mit Placebos bewirken, und was nicht. Wenn das geklärt ist, kann man sich die blöden Streitereien um Alles und Nichts nämlich ersparen.

Mulla Nasrudin
00
13.10.2011, 20:23

Nichts gegen den Placeboeffekt. Dieser steckt aber nicht in den Zuckerkügelchen, sondern grundsätzlich in jeder vom Patienten positiv angenommenen Behandlung.

Auch ein positiv wahrgenommener "Schulmediziner" bewirkt einen Placeboeffekt, hingegen erzeugen negative Assoziationen (gerade Homöopathen schüren gerne Ängste gegenüber der Schulmedizin!) einen schädlichen Noceboeffekt!

Hinsichtlich der Stärkung des Placebo-Effekts innerhalb der Schulmedizin könnten sich aber die behandelnden Ärzte von den Homöopathen durchaus noch einiges abschauen.
Nach 2 Stunden Wartezeit mit anschließender 3-Minuten-Schnellabfertigung bin ich auch schon öfter mal frustriert von dannen gezogen.

Michael Schmied
01
13.10.2011, 16:28
Placeboeffekt gibt es nicht in der Therapie (Null Effekt)

http://derstandard.at/plink/131... id23259072

her wig
00
13.10.2011, 17:03

Der Glaube hilft doch schon! Zum Beispiel, wenn dem Placebo-gläubigen Patienten ein Mittelchen gegeben wird reduziert das womöglich den Stresspegel, und unabhängig davon ob das eine irrationale Reaktion ist oder nicht, kann ein reduzierter Stresspegel den Heilungserfolg verbessern. Davon abgesehen gibt es genug Studien die zeigen was Placebos bewirken können: Reaktionen des Immunsystems welche rein aus der Erinnerung heraus aktiviert werden. Wenn man das im Rahmen einer Therapie erfolgreich nutzen kann, warum sollte man nicht?

Michael Schmied
00
13.10.2011, 17:45

Glaube ist ohne Effekt in einem Therapieversuch mit Placebo.

Im Vergleich gibt es keinen Unterschied zwischen Placebo oder Nichts tun. Z.B. Zuckertabletten mit gar nichts geben. Oder, nondirektionales Gespräch mit gar kein Gespräch. Oder, Pseudointervention wie ausgeschaltetes Ultraschallgerät mit gar keine Intervention.

Man kann es so zusammenfassen: Placebo=Null.
(Oder: Placebogruppe entspricht der Nullgruppe).

Es ist hart, aber das ist die Evidenz.

her wig
00
13.10.2011, 18:10

Es gibt aber auch andere Versuche, mit denen per Placebo dieselbe Immunreaktion ausgelöst wurde wie zuvor mit einem echten Medikament. Und soweit es sich um glaubensbasierte Effekte handelt muss man dafür klarerweise gläubige vs. ungläubige vergleichen.

Michael Schmied
01
13.10.2011, 18:57

Es ist schon möglich, dass der Glaube Berge versetzen kann.

Bei der Therapie mit Placebo trifft das nicht zu, d.h. es gibt keine Evidenz, dass Placebo eine therapeutische Wirkung haben. Vielleicht gibt es den Placeboeffekt doch, aber wenn der nach fast 55 Jahren immer noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, darf ich doch schon feststellen, dass es den nicht gibt.

Wenn dann der Author dieses Standardartikels auf diesen (falschen) Glaube ihr gesamtes Argumentationsgebäude stützen, kann man schon sagen, er müsse sich eine andere Argumentation suchen (kann es aber nicht).

Falls Sie den Artikel heraussuchen könnten, auf den Sie Bezug nehmen, wäre ich sehr dankbar, eventuell den Zeitungsartikel wo das stand.

her wig
00
14.10.2011, 08:04

Googeln könnten Sie auch, nur auswählen bzw. interpretieren würden Sie vmtl. anders als ich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo
Sowohl Placebo als auch Nocebo haben eine Wirkung. Nur weil Placebos nicht inhalltsstofflich wirken heißt das noch lange nicht dass sie auf garkeinem Weg wirken.

http://www.faz.net/aktuell/w... 27602.html
Der wiss. Beirat der Bundesärztekammer (De.) hat auch nicht so große Scheuklappen auf wie die "Skeptiker". Das Wichtigste in der Medizin ist schliesslich nicht ob etwas inhalttstofflich wirkt, sondern ob man mit etwas die Patienten unterstützen kann.

Michael Schmied
00
14.10.2011, 11:01
Null Placeboeffekt auf das Immunsystem. Placebo=Null.

Zu dem Immunsystem gibt es in Wikipedia kein Zitat einer Studie, deshalb steht dort: "Dieser ... Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen ... ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher ... demnächst entfernt."

Die Studie im FAZ-Artikel habe ich via Wikipedia hier gefunden: http://www.sciencedirect.com/science/a... 919190030E . Ich würde das Ergebnis so zusammenfassen:
Wenn ich (die Versuchsratte) das ekelige Sacharin-Wasser trinke, kriege ich Cyclosporin gespritzt, dass es mir richtig dreckig geht und ich nicht mehr trinken will. Durch die *massiv* reduzierte Flüssigkeitszufuhr war das Herz sehr entlastet und überlebte nach Transplantation daher 2 Tage länger (Fig. 1).

Wo ist hier der postulierte Placeboeffekt?

Michael Schmied
00
17.10.2011, 10:59

Muss das besser so formulieren:

Wenn ich (die Versuchsratte) schon kein ekeliges Sacharin-Wasser trinken will, was ich in der Not gerade noch runterwürgen kann, mir aber dann noch dazu Cyclosporin gespritzt wird und es mir richtig dreckig geht, habe ich erst recht keinen Appetit mehr auf das Sacharin-Wasser.
Durch die *massiv* reduzierte Flüssigkeitszufuhr war das Herz sehr entlastet und überlebte nach Transplantation daher 2 Tage länger (Fig. 1).

Wo ist hier der postulierte Placeboeffekt?

Michael Schmied
00
14.10.2011, 09:20
1a-Evidenz der Evidenzbasierten Medizin: Placebo=Null

Der Cochrane Review mit Update 2010 ist Level 1a-Evidenz im Sinne der modernen Evidenzbasierten Medizin (EBM). Daran gibt es nicht zu rütteln, das ist Fakt.

Placebo=Null.
Nichts tun=Null.
Kein Unterschied zwischen Placebo und "Nichts tun".

Wikipedia ist gut zur Info, aber keine wissenschaftliche Arbeit.

Wenn Sie dem Placebo in der Therapie eine Wirkung zuschreiben wollen, ist dies eindeutig Glaube an eine Wirkung, ohne Wirkung. Es ist nicht Wissenschaftlich.

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der Statistikpapstes Vandenbrouke JP. Homoeopathy and “the growth of truth”. Lancet. 2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):691-2. in Zweifel geraten ist....

marty fink
00
14.10.2011, 08:17
Placeboeffekte sind Effekte, die DAZU kommen!

Allein reichen diese nicht aus für Therapien und sollten ALLEIN auch nicht angewandt werden.

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