Nach Pröll-Vorschlag

ÖVP freundet sich mit Reichensteuer an

2. Oktober 2011, 17:31
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    foto: dapd/punz

    Steuern rauf: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll weist Michael Spindelegger den Weg.

Jahrelang hat sich die Volkspartei um ein Image als Steuersenkungspartei bemüht - Nun mehren sich die Stimmen, die höhere Steuern fordern

In der ÖVP mehren sich die Stimmen, die neue und höhere Steuern fordern. Nach Parteichef Michael Spindelegger, der bereits von einem Solidarbeitrag gesprochen hat, schlägt nun Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll eine befristete höhere Besteuerung für Spitzenverdiener vor. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer wird im STANDARD-Gespräch konkret: Ab Einkommen von 250.000 oder 300.000 Euro im Jahr könne man einen Solidarzuschlag auf die Einkommenssteuer einführen. In Deutschland galt ab 1991 ein solcher - zur Finanzierung der Wiedervereinigung. Der deutsche Zuschlag existiert parallel zu der im Jahr 2007 eingeführten "Reichensteuer".

Das wollen aber weder Pröll noch sein Amtskollege Pühringer: "Bedingung ist eine Befristung - und eine gleichzeitige Entlastung von Familien und Mittelstand."

Der Vorstoß wurde von Wirtschaftsbund und Bauernbund umgehend zurückgewiesen. Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch sagte, man müsse im Parteivorstand eine klare Linie finden. ÖAAB-Generalsekretär Lukas Mandl verwies auf den Bundestag seiner Organisation im November, da werde ein Steuerpapier vorgelegt. Aus dem ÖVP-Generalsekretariat hieß es, die Partei sei gegen Vermögenssteuern, die Solidarabgabe sei aber diskussionswürdig.

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Wien - Im Wirtschaftsbund weiß man noch nichts von einer neuen Parteilinie. Im Bauernbund auch nicht - bei den beiden mächtigen Teilorganisationen der Volkspartei ist man über den Vorstoß von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, höhere Einkommen noch höher zu besteuern, mehr als verwundert.

"Auf der Klubklausur in Saalfelden wurde breit besprochen und einhellig beschlossen, dass wir gegen neue Belastungen sind, weil wir ohnehin einen hohen Spitzensteuersatz haben" , sagt Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch im Gespräch mit dem Standard.

Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner hat die Debatte genauso in Erinnerung: Der Wirtschaftsbund ist seit jeher klar gegen neue Steuern, erst vor einem Monat hat er das in einer Resolution festgehalten, in Saalfelden habe niemand widersprochen. Dort war man auch der Meinung, dass es schädlich wäre, in der Öffentlichkeit Einzelmaßnahmen zu diskutieren, weil das den Wirtschaftsstandort gefährden und Verunsicherung schüren könnte.

Was aber, wenn "ein gewichtiger Landeshauptmann wie Erwin Pröll" (Grillitsch) die Diskussion um Einzelmaßnahmen anfacht? Pröll hatte in der Presse fein auseinandergehalten: Er sei wie die ganze ÖVP gegen die Besteuerung von (Vermögens-)Substanz, er könne sich aber vorstellen, von Top-Verdienern befristet einen Zuschlag zur Einkommenssteuer einzuheben.

ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch hat umgehend versucht, sich anbahnende Konflikte zu kalmieren: Er erklärte Prölls Haltung zur Linie der Partei, schließlich hat ja auch Parteichef Vizekanzler Michael Spindelegger in der Pressestunde am 18. September ähnliche Überlegungen angestellt.

Aber das hat die Partei nicht beruhigt, speziell der Bauernbund-Präsident verweist darauf, dass er von der Partei eine andere Haltung erwartet. Wie berichtet, macht sich die Arbeiterkammer dafür stark, dass kleine Bauern nicht mehr pauschal besteuert werden. "Klassenkämpferische Töne der SPÖ und der AK" , nennt Grillitsch das. Die ÖVP möge das zurückweisen und allfällige weitere Steuerideen im Parteivorstand diskutieren.

Das sei der Ort, wo man eine Linie suchen und finden kann. Was im Umkehrschluss heißt: Es gibt eben (noch) keine neue Linie der Partei. So sieht das auch die zuständige Finanzministerin Maria Fekter: Jede Idee sei in der Steuerarbeitsgruppe "willkommen. Es gibt keine Denkverbote" - debattiert werde in der Arbeitsgruppe. Darauf verweist auch ÖVP-Chef Spindelegger. "Wie mit dem Koalitionspartner vereinbart, werden wir alle Ideen, vor allem auch Entlastung für den Mittelstand, in der Arbeitsgruppe diskutieren und ein Gesamtkonzept präsentieren" , sagte sein Sprecher zum Standard.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter begrüßte die "generelle Bewegung" beim Koalitionspartner, was die Besteuerung von Vermögenden betrifft. Immerhin sei nach Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer und der steirischen Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder mit Pröll ein "echtes ÖVP-Schwergewicht in die Gerechtigkeitsdebatte eingestiegen" . Die Grünen sehen nur ein "Ablenkungsmanöver" der ÖVP, das BZÖ sprach von "Belastungspartei" . (Lisa Nimmervoll, Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2011)

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mml1
00
4.10.2011, 15:26
Dieses Bild.....

...exakt dieses Süschee gab es schon bei Schüssel. Den Finger und Blick mit ernster Mine gen Himmel gerichtet um zu zeigen, wie es aufwärts geht unter seiner weisen Führung.... Im Kopf aber hat er mit Sicherheit seine Umfrageergebnisse und die zeigen in die Gegenrichtung. Und wenn die so weiter tun noch mehr. By the way: der Spindelegger schaut da drein wie der Hund von "his masters voice"....

Peter Matzenberger
00
4.10.2011, 00:45
Kalte Progression

Wann erhebt endlich jemand seine Stimme gegen das
schleichende Hineinwachsen des Mittelstandes in die Höchstprogression von 50% ESt? Die Wertgrenzen
der Progressionssprünge sollten per Verfassungsgesetz automatisch an die Inflationsrate angepasst werden - und nicht über mehr als nur eine Legislaturperiode hinaus unangepasst bleiben und den jeweiligen Finanzministern automatische Mehreinnahmen sichern.

Bei den Gebühren haben unsere Politiker diese Dynamik ja auch bereits erfunden! Sind sie alle
auf einem Auge blind, oder werden wir Steuerzahler vorsätzlich beschi..en?

Andreas Sonnberger2
00
4.10.2011, 06:31

Was Progressionssprünge anbelangt, hast Recht.

Aber 50% Est zahlt kein Mensch, da 13. und 14. Gehalt steuerbegünstigt sind, ist spätestens bei 43% Schluss. Bei den allermeisten ist schon weit früher. Jemand, der 5600 Euro brutto verdient, zahlt ca. 25% Einkommenssteuer.
Einzelunternehmer können Gewinn/Investitionsfreibeträge in Anspruch nehmen.

RS69
 
00
4.10.2011, 10:05

"Einzelunternehmer können Gewinn/Investitionsfreibeträge in Anspruch nehmen."

Wenn sie ausreichend liquid sind, um das Geld 4 Jahre nicht anzugreifen - ja.

Nashwin_Fuller
 
00
4.10.2011, 07:54
Wer 5.600,- brutto verdient,...

...verdient in Wirklichkeit 7.000,-. Denn soviel kostet er dem Arbeitgeber und soviel muss er erst durch seine Arbeitsleistung erwirtschaften.

Die Trennung in Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile ist ja vollkommen virtuell und dient in Wahrheit nur der Verschleierung der wahren Belastung von Arbeitseinkommen.

Von diesem Brutto-Brutto von 7.000,- gehen 20% als Arbeitgeberbeiträge ab, 20% als Einkommensteuer und 11% als Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung.

Der Staat belastet also ein "Brutto"-Gehalt von 5.600,- mit 51% Abgaben und Steuern.

Können Sie jederzeit mit dem Brutto-Netto Rechner des BMF nachrechnen.

playdude
00
3.10.2011, 16:55

uruguay

christ_sein
00
3.10.2011, 16:54
Endlich ...

... ein kleine Schwenk Richtung christlich-sozialer Wurzeln ... Das kann aber nur ein erster Schritt sein - weitere müssen folgen.
Wenn dies nicht geschieht wird die ÖVP
bei den nächsten Wahlen massiv verlieren ... Wer dann das Sagen hat kann man sich vorstellen ...
http://www.mutbuergerstammtisch.wikispaces.om

Karl Krieger
01
3.10.2011, 16:44
Keine neuen Steuern sondern endlich sparen!

Die Abgabenquote in Österreich mit dzt. ca. 45 % des BIP ist unverändert astronomisch hoch. Das BIP ist zuletzt deutlich gesunken, steigt nun zu langsam, aber der Staat schmeißt ungebremst Geld beim Fenster raus und kassiert unverändert Steuern. Und auch die Sozialquote mit über 30% des BIP ist auf Weltrekordkurs. Und das beim rasant wachsenden, riesigen Schuldenberg! Die Zinsen fressen uns auf!
Das ist letal und kostet unseren Wohlstand. Es muss endlich gespart werden.

Einbahnfahrer
00
3.10.2011, 23:06

Stell dir vor: Schweden hat eine Steuerquote von rund 50%, eine Staatsquote von 67% und den umfangreichsten Sozialstaat den man sich vorstellen kann, steht aber trotzdem top da in Sachen Wohlstand, Beschäftigung, wirtschaftliche Prosperität, sozialer Frieden usw.
Also: Hohe Steuern und viel Staat bedeuten nicht den Weltuntergang!

Pe Sa
20
3.10.2011, 16:39

die sollen sich erstmal gedanken drum machen dass man in österreich von allen einkünften bezahlen muss, und nicht nur von unselbstständigem oder selbstständigem Einkommen.

Dann bräuchten wir die ganze Diskussion nicht, sondern hätten genug Geld.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
00
3.10.2011, 16:30
Was erwartet man von einer Bauern- und Beamtenpartie?

Traurig, Demokratie in ihrer schlechtesten Form: Anstatt bei den Ausgaben - etwa Beamtengehaeltern, Sozialleistungen und Subventionen zu sparen - will man Leuten noch etwas wegnehmen.
Den "Reichen", also hohen Einkommensbeziehern, soll es an den Kragen gehen: Eine Minderheit wird enteignet, um eben Beamte, Bauern, Sozialhilfeempfaenger zufrieden zu stellen.

Die Mehrheit pluendert also eine Minderheit aus: Sehr moralisch. Aber auch unklug: Ueber kurz oder lang wird sich diese Minderheit zurueckziehen (also auswandern, weniger leisten oder Steuern hinterziehen) - was die Einnahmen weiter senken wird!

basstaeter
01
3.10.2011, 16:30
mein 3 Punkte Plan

1. Korruption bekämpfen
2. Schwarzarbeit bekämpfen
3. aufgeblasenen Verwaltungsapparat reformieren

dann brauchts keine weiteren neuen steuern, sondern sogar weniger

die gelben fuer at
20
3.10.2011, 16:02
gerne mal nachdenken

5% ab 0€ (um ein bewusstsein zu schaffen)
25% ab 15.000
35% ab 30.000
50% ab 100.000
60% ab 250.000

gerne auch gegen die abschaffung von diversen steuerfrei- und absätzbeträgen.
gleichzeitig aber auch eine ehrliche besteuerung der bauern!

flohimpelz
00
3.10.2011, 16:52
Die Gelben

ist da ein Zusammenhang mit einem Urinal zu verstehen?

drnknbois
 
10
3.10.2011, 15:59
Geniales Foto zum Artikel

erinnert fast ein bischen an die Familie Petz:

"..Grossvati , Grossvati..."
"Ja Petzi?"
"Wo müssen wir jetzt hinmarschieren?"
"Dahin, Petzi-Bär!"

?und
00
3.10.2011, 15:54
die bauern- und grundbesitzschutzsteuer - der pröll ist nicht deppert, gel

EuroExpert
02
3.10.2011, 15:44
eh kloa !

Diejenigen, die jeden Tag arbeiten gehen und viel verdienen und schon 50% Steuern löhnen müssen sollen noch mehr zahlen, aber diejenigen, die auf großen Vermögen sitzen sollen nichts zahlen.
Das ist wiedereinmal typisch ÖVP: es geht nicht darum die Fleißigen und Tüchtigen zu unterstützen, sondern die Besitztstandswahrer (schönes ÖVP-Wort) zu verteidigen.
Wenn es darum geht eine Vermögenssteuer abzuwehren, ist die Erhöhung des Spitzensteuersatzes offensichtlich kein Problem mehr.

sociovation
31
3.10.2011, 15:51
Aufgrund der steuerlichen Begünstigung

des 13. und 14. Gehalts gibt es keine 50%-ige Besteuerung, egal wie viel man verdient.
Aufgrund der Höchstbemessung in der Sozialversicherung sind hohe Einkommen sogar massiv privilegiert.
Trotzdem sollte es nicht um die Erhöhung von Steuern auf Arbeit gehen, sondern um tiefe, spürbare und schmerzhafte Schnitte im Bereich der hohen Vermögen, weil diese drohen, das soziale Gefüge in diesem Land zu zerstören.

peter schmidt
 
00
3.10.2011, 16:59
das mit der versicherung ist prinzipiell keine bevorzugung.

wenn man davon ausgeht, dass alle gleich viel krank sind, dann ist es so wie jetzt eher eine verteilung von oben nach unten.

allerdings gibt es sehr viele andere effekte die eher von unten in die mitte hin verteilen bzw. von oben in die mitte hin.

Insgesamt nicht leicht da einen Überblick zu haben.

x
02
3.10.2011, 16:15

Aufgrund der Höchstbemessung in der Sozialversicherung sind hohe Einkommen sogar massiv privilegiert...

Eine Versicherung ist eine Versicherung. Man zahlt ein, erwirbt einen Versicherungsanspruch und bekommt eine Leistung entsprechend der eingezahlten Prämie. Punkt.

Warum sollte jemand der mehr verdient für die gleiche Versicherungsleistung (Krankenversicherung, Pensionsversicherung,...) mehr zahlen ? Nach dieser 'Logik' müssten dann sogenannte Besserverdiener für eine private Krankenversicherung, KFZ-Versicherung, Unfallversicherung, Lebensversicherung, oder was auch immer ... ebenfalls mehr Prämie zahlen. Das wäre doch absurd.

RS69
 
01
3.10.2011, 16:04

"Aufgrund der Höchstbemessung in der Sozialversicherung sind hohe Einkommen sogar massiv privilegiert."

Sie sind einfach nicht in der Lage oder Willens, den Brutto-Netto Rechner des Finanzamtes zu nehmen und einfach mal ein paar Werte - zb in 10tausernder-schritten von 0 bis 200 TEUR durchzurechnen - am besten, bevor Sie sowas posten?

Dann würden Sie's besser wissen, umd müssten das nicht hier verbreiten.

mml1
00
3.10.2011, 15:14
Ich glaube, dass es bei der ÖVP jetzt plötzlich die weise Erkenntnis gibt,

dass man wohl zu einer Partei der 5% - Reichen abgleiten würde, wenn man sich nur um die sorgt. Aber man ist ja bekanntlich eine Volkspartei für das Volk, oder so....

cantanto
00
3.10.2011, 15:28
Bitte reden Sie keinen Unsinn!

1. Was sind für Sie "Reiche"
2. Wählen diejenigen, die ich als "reich" bezeichnen würde schon lange nicht mehr. Weder Rot oder Schwarz noch sonst was.
3. Wenn Sie nicht sehen wie sich Rot/Schwarz seit 1945 die Republik "aufgeteilt" haben, sind sie blind. Es ist vollkommen egal, was sie heute wählen, da alles - bis auf die Rechten, die aber für einen intelligenten Menschen so und so unzählbar sind - von einer kleinen Gruppe "parteiübergreifend" gesteuert wird. Bilderberg nennt man das....

mml1
00
3.10.2011, 16:16
Naja, selbst wenn das nicht ganz falsch ist, was Sie sagen;

Sie haben meinen bewußt trivialen Sarkasmus nicht verstanden. Aber ganz so ist das auch nicht, irgenwie laufen die schon um die Gunst des Stimmviehs. Aber Recht haben Sie, man kann im Moment keine Partei wählen. Die Regierungsparteien haben die Verfassung aus vordergründiger Wahltaktik gebrochen, allein deshalb (aber natürlich nicht nur) sind sie unwählbar. Was die Rechtsparteien betrifft; d´accord und die Grünen sind verlogene Exkommunisten mit ab und an vernünftigen Ansätzen, was aber an der Grundhaltung nichts ändert. M.E. müßte es eine Partei der Nichtwähler geben, die im Parlament vertreten ist und bei Abstimmungen Beschlüsse blockieren kann. Blöde Idee, ich weiß, aber im Moment ist das alles zum Kotzen.

Nashwin_Fuller
 
00
3.10.2011, 15:20
Wieso?

Gerade der Vorschlag von Pröll ist ganz auf der Linie der "Reichen".

Denn, wenn es nach ihm geht, sollen die besteuert werden, die viel arbeiten und nicht die, die viel Vermögen haben.

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