Terrorprävention

Anti-Terrorgesetz: Die neuen Vorschläge

27. Juli 2011, 13:49

Verfassungsschutz will Daten von Einzelpersonen speichern - Justizministerium fordert Verschärfung

Nach den Terrorattentaten in Norwegen sprechen sich Kanzler Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Spindelegger (ÖVP) unisono für eine Reform der Anti-Terrorgesetzgebung aus (derStandard.at berichtete). Das sogenannte Terrorpräventionsgesetz war erst Anfang 2010 erneuert worden, schon damals wurde es von einer heftigen Debatte begleitet. Nun will man nachbessern.

Verfassungschutz: Datenspeicherung von Einzelpersonen

Peter Gridling, Leiter des Bundesamts für Verfassungschutz und Terrorismusbekämpfung, fordert, dass künftig auch Datensätze von Einzelpersonen gespeichert werden sollten. So sollen z.B. Facebook-Statusmeldungen oder Tweets von Einzelpersonen über einen längeren Zeitraum gespeichert werden können, um eine etwaige Bedrohung besser beurteilen zu können.

Kritiker, die persönliche Freiheitsrechte in Gefahr sehen, beruhigt Gridling im Ö1-Morgenjournal: "Wenn man 3,4,5 Auffälligkeiten hat, dann kann sich aus der Menge der Auffälligkeiten eine andere Gefährdungsprognose ergeben. Wenn man nichts hat, läuft die Speicherfrist ab und es wird gelöscht und ist erledigt." Bislang ist lediglich die Speicherung von Straftaten (wie etwa Verstoße gegen das Verbotsgesetz oder gefährliche Drohung) und die Beobachtung von Gruppierungen erlaubt.

In Deutschland tobt in der CDU-FDP-Koalition schon seit Monaten ein heftiger Streit um diese Vorratsdatenspeicherung. So sieht eine EU-Richtlinie vor, dass alle Telefon- und Internetverbindungen 6 Monate lang gespeichert werden sollen. Der deutsche Verfassungsgerichtshof hatte diese Regelung gekippt. Die FDP will nun die Anti-Terrorgesetze entschärfen und etwa die Speicherung von Flugdaten abschaffen.

Justizministerium: "Gutheißung von terroristischen Taten"

Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) stellte im ORF-Report als konkrete Maßnahme eine Verschärfung des Paragraphen vor, der die "Gutheißung terroristischer Taten" unter Strafe stellt. So ist bereits jetzt strafbar, wer Terrorismus vor einer "qualifizierten Öffentlichkeit" - das sind im juristischen Sinn 150 Personen - unterstützt. Nun sind nur mehr 30 Anwesende erforderlich, um eine Strafverfolgung einzuleiten.

Der bereits bestehende Gesetzestext sieht vor, jemanden der "eine terroristische Straftat in einer Art gutheißt, die geeignet ist, das allgemeine Rechtsempfinden zu empören oder zur Begehung einer solchen Handlungen aufzureizen" mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren zu belangen. Weiters ist auch das Verbreiten von Medienwerken, die eine Anleitung zur Begehung terroristischer Straftaten beinhalten, und das Beschaffen solcher Medienwerke - etwa aus dem Internet - verboten.

2010 zehn Verurteilungen wegen "Hetze"

Zusätzlich zu diesem Terrorpräventionsgesetz (§278) gibt es noch den Tatbestand der "Verhetzung" (§283). Hier wird bestraft, wer "öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden" oder zu "einer feindseligen Handlung" auffordert oder aufreizt. Innenministerin Mikl-Leitner nennt dies einen "zentralen Punkt der Terrorprävention".

Auf eine parlamentarische Anfrage des SPÖ-Abgeordneten Johann Maier antwortet das Justizministerium, dass 2010 zehn Verurteilungen aufgrund dieses Tatbestands erfolgt seien. Insgesamt gab es 173 Anzeigen, 25 davon sind noch offen. Maier wollte ebenfalls wissen, ob das Justizministerium eine stärke Verfolgung von hetzerischen Äußerungen im Internet plant. Justizministerin Karl (ÖVP) antwortete jedoch, dass die aktuelle Legislatur ausreichend sei.

Mikl-Leitner: "Infos besser mit ausländischen Behördern austauschen"

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) plädiert für eine Verbesserung des Informationsflusses zwischen inländischen und ausländischen Behörden. So sollen Informationen rascher ausgetauscht werden, um Terroranschläge im Vorfeld zu verhindern. "Uns geht es vor allem darum, dass unsere Information und offene Informationen aus dem Internet mit Informationen ausländischer Geheimdienste verschnitten werden können", so Mikl-Leitner gegenüber dem Ö1-Morgenjournal.

Wie dieser Informationsaustausch konkret vor sich gehen sollte, wurde nicht konkretisiert. Rudolf Goliar, Pressesprecher des Innenministeriums, erklärt auf derStandard.at-Anfrage, dass etwa Europol hauptsächlich Analysen erstellt und grundsätzlich keine eigenen Ermittlungs- und Exekutivbefugnisse habe. Der internationale Informationsaustausch passiere, so Goliar, in vielen verschiedenen Bereichen, wobei diese Behörden des Verfassungsschutzes sehr unterschiedlich organisiert seien.
Hier wolle man ansetzen. (Fabian Schmid, derStandard.at, 27.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 141
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Inglib summoned
00
30.7.2011, 12:05
Meinungsfreiheit

Dieses Gesetz würde zum ersten die Meinungsfreiheit in einer Weise einschränken die ich für unzumutbar halte. Es unter Strafe zu stellen selbst zu entscheiden was gut zu finden ist und was nicht, also ohne sich dabei der öffentlichen Meinung anpassen zu müssen, sollte jedem freien Bürger ein Dorn im Auge sein.
Zweitens die Beschaffung und Erstellung von Anleitungen zu terroristischen Daten, kann auch Anleitungen zur Herstellung von Explosivstoffen beinhalten, was eine unzumutbare Einschränkung der Zugänglichkeit von Wissen bedeuten würde. Man stelle sich vor ein Chemie student wird eingesperrt, weil er sich im internet über die Herstellung einer Substanz informiert hat. Wo leben wir? Sicher nicht 2011 eher 1984

francis79
 
01
28.7.2011, 14:04
egal was die neue&bessere Überwachung kostet und egal was sie speichert, abgefragt werden die Daten dann so:

Beispiel 1:
select * from internet_datenfriedhof where parteibuch is null and name not like '%rasser%'
Beispiel 2:
select * from internet_datenfriedhof where aufgerufene_seite_quelltext like '%ierschutz%' or aufgerufene_seite_quelltext like '%rivacy%' or
aufgerufene_seite_quelltext like '%atenschutz%'
Beispiel für abfrage von Telefonüberwachungsdaten:
select * from aufgerufene_nummern where nummer not in (select telefonnummer from partei_freunde) and nummer not in (select telefonnummer from leistungsträger_freunderl_lobbyisten).

Ich fühl mich schon sicherer!

R.M. S.
01
28.7.2011, 13:41

Also wenn sie wirklich "Gutheißung terroristischer Taten" ins StG aufnehmen, dann bin ich gespannt wie "Terroristische Tat" definieren ohne das sich Jounralisten und Politiker selber strafbar machen.

Kaktus51
02
28.7.2011, 05:40
Und keine der geplanten Maßnahmen hätte Norwegen verhindern können.

Das ist außer Auktionismus nur ein Schmarren.

Max Kahlenberg
01
27.7.2011, 22:50
Dem Faymandl und seinen innigst geliebten Freunderln aus niederösterreichiscchen Gefilden sei Folgendes zur Lektüre empfohlen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/... 72,00.html

Max Kahlenberg
00
27.7.2011, 22:47
Dem Faymandl und seine innigst gelibsten Freunden aus nierösterreichsichen Gefilden sie Folgendes zur Letür empfohlen:

Harry Humboldt
01
27.7.2011, 22:04
Tatbestand der "Verhetzung" (§283). Hier wird bestraft, wer "öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden"

Interpretiere ich das richtig: wenn also jemand eine Demonstration organisiert, und diese -aus welchem Grund auch immer- ausartet und mit einem Polizeieinsatz oder ähnlichem endet, kann derjenige dann unter Terrorparagraphen angeklagt werden?
Da wird einem wirklich Angst und Bange...

StVO2
02
28.7.2011, 01:33
Offensichtlich

genügt die Möglichkeit Tierschützer mit praktisch keinen Beweisen nach dem Mafiaparagafen anzuklagen noch nicht, man will möglichst alle die für etwas demonstrieren nach dem neunen Terrorparagrafen anklagen könen. WEnn man wie bereits erfolgt, den Prozess ein Jahr lang zieht, so sind die Angeklagten wirtschaftlich erledigt und man hat das Ziel aufmüpfige Bürger mundtot zu machen erreicht. Metternisch war dagegen ein Lercherlsch....

surb1981
30
27.7.2011, 22:20
Ich denke ...

jede Demonstration ist möglicherweise geeignet die öffentliche Ordnung zu gefährden!

surb1981
01
27.7.2011, 22:19
Bitte kann mir mal jemand sagen....

von welchem Terror IN Österreich gesprochen wird?
Ich bekomme von dem nämlich irgendwie überhaupt nichts mit!!!
Und warum da so ein Handlungsbedarf besteht?
WARUM? Ich bitte um Antworten!

Mork vom Ork
00
28.7.2011, 07:12

ersetzen sie österreich durch norwegen ind sie hätten vor 3 wochen das gleiche schreiben können.

ach ja, dann hats noch frwanz fuchs gegeben, die bumserer, ebergassing...

(und nein, nur weil ich nicht nach vogel srauss lebe heißt das nicht dass ich für uferlose überwachung bin)

Lightning_Cock
00
28.7.2011, 22:28

Und wenn jemand 0 Kommentare etc. im Netz veröffentlicht, nichts publik macht und einfach so in den Park geht und auf Leute schießt? Wie hätte man den "Terror" verhindern können? Durch eine audiovisuelle 24/7 Überwachung vielleicht? Nein, auch dann nicht.

märchenonkel
07
27.7.2011, 22:52
Es geht um den erwateten Terror der aufbegehrenden Bürger gegen eine korrupte Politikerkaste.

märchenonkel
05
27.7.2011, 21:58
Faschisten an der Macht.

Hansi Huber
01
27.7.2011, 21:41
Wie gut,

dass genau diese Behörden am rechten Auge blind sind, oder wie ist sonst zu erklären, was sich auf der Königsbauer Website abspielt?

Simplicius Simplicissimus
01
27.7.2011, 21:00
Es gibt wichtigere Probleme! ...

... Zum Beispiel Massenmörder zu inhaftieren. http://www.peterpilz.at/

Lightning_Cock
00
27.7.2011, 20:07
Sehr schön, soviel zu "freies" Land.

In dem Meinungen bestraft werden. Egal, wie empörend, oder verachtenswert diese sind.

;_)
00
28.7.2011, 12:10

Meinungsfreiheit heißt nicht, dass man tun und lassen kann was man will. Ich darf dich zum Beispiel auch nicht grundlos öffentlich einer kriminellen Tat beschuldigen (Verleumdung), auch wenn es meine "Meinung" wäre. Und, ist diese Einschränkung meiner Meinungsfreiheit etwa schlecht? Ich glaube nicht. Und ein Aufruf zur Straftat ist ebenfalls keine Meinung.

Lightning_Cock
00
28.7.2011, 22:26
Aufruf? Von wegen.

Hier reicht alleine schon die "Gutheißung einer Straftat" aus. Also wenn du diese Meinung vertrittst: "Ich finde, dutzende Leute zu töten ist gut (z.B. wegen mehr Arbeitsplätzen, weniger CO2 Ausstoß usw.)". Extrem, aber doch eine Meinung.

Lightning_Cock
00
27.7.2011, 19:35
Soviel zu einem "freien" Land,

in dem man nicht mehr seine Meinung äußern darf, egal wie empörend und verachtenswert diese auch sein mag.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
05
27.7.2011, 19:22
Damit wir nicht

in die putschenden Hände fallen, die ein totalitäres Regime durchdrücken wollen, hat die Regierung beschlossen, vorsorglich ein *totalitäres Regime* zu errichten.

Man merkt schon, daß Politiker, sobald sie Politiker sind, *ehemalige Mitbürger* sind.

Bestimmte Bürgerrechte, wie sie in der EMRK verfasst sind, sind von der Bundesregierung/dem Parlament absichtlich verlegt und nicht ratifiziert worden.

Die lokale Verfassung + Menschenrechtskonvention der UNO, zerreißen sie gerade in der Luft.

Seit der Begriff Staatsterror nicht unbedingt mit physischer Gewalt verknüpft ist, sondern einen Totalitarismus beschreibt, der u.a. Bürgerausschaltung und Unterdrückung von Bürgerrechten via Gesetzen beschreibt, ist das jetzt Staatsterror.

derdiedasda
00
27.7.2011, 18:55

hm, ich denke man könnte den Artikel ruhig prominenter auf der Startseite platzieren.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
05
27.7.2011, 19:37

Völlig richtig. Zumal der neue Regierungschef von Österreich nun offenbar ein Herr Breivik aus Oslo ist, der aus dem dortigen Untersuchungsgefängnis heraus in der Lage ist, den offenbar ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Faymann, den ehemaligen Vizebundeskanzler Spindelegger und die ehemalige Innenministerin Mikl-Leitner dazu zu bewegen, die Verhältnisse im Lande derart zu verengen, daß freiheitsgewohnten Bürgern die Luft wegbleibt.

Das sollte in der Tat prominenter platziert werden, das dieser einen derart großen Einflußbereich gewonnen hat, daß er nun die Puppen hier tanzen lassen kann.

Stoltenberg läßt das ja nicht zu, daß ihm ein Breivik auf der Nase herumtanzt.

Aber ok, das ist auch noch ein echter (Sozial)Demokrat.

Tirol6020
01
27.7.2011, 18:39
Völlig abwegig und gefährlich

Niemand kann ernstlich annehmen, dass ein potenzieller Terrorist mit einem IQ höher als Styropor nicht sofort auf eine neue Rechtslage reagieren würde.
Freuen werden sich die Anbieter anonymer prepaid SIM-Karten und die Internet-Cafes, das wars dann auch schon.
Die Befürworter sollen bitte ehrlich sagen, dass das Material für "stinknormale" Einbruchs- etc. Kriminalität von Banden taugt, aber niemals für Terrorbekämpfung.
Das gilt natürlich auch für Passagierdaten: Normalbürger verkneifen sich, zur Abwechslung ein anderes Menue zu ordern, Terroristen werden naturgemäß ebenso das Standardessen konsumieren, umm nicht aufzufallen...

Oida Na Ned Scho Wieda
01
27.7.2011, 18:26
Ich fordere Torten

.

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