Anti-Terror-Gesetze

Regierung macht Druck für mehr Härte

26. Juli 2011, 18:27

Nach Oslo sehen Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und sein Vize Michael Spindelegger (ÖVP) Handlungsbedarf bei den Antiterrorgesetzen - In der SPÖ wird dem widersprochen, ebenso wie von Journalistenvertretern

Nach den Terroranschlägen in Oslo sehen SPÖ und ÖVP Handlungsbedarf - auch in Österreich. Neue Maßnahmen sollen her, allerdings sind sich beide Parteien uneinig, wie diese aussehen sollen. Während die ÖVP strengere Gesetze anstrebt, warnte SP-Staatssekretär Andreas Schieder vor einem "Überwachungsstaat" .

Doch geschehen müsse etwas, meinten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) unisono am Dienstag, nach dem letzten Ministerrat vor der Sommerpause. Gesetzesänderungen seien dabei nicht ausgeschlossen.

Solche hatte zuvor Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) im Ö1-Morgenjournal verlangt: Sicherheitsbehörden sollten die Möglichkeit bekommen, österreichische Informationen mit denen ausländischer Geheimdienste "zu verschneiden" .

Mehr ins Detail war am Montag schon Peter Gridling, Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT),gegangen. Im Standard-Gespräch plädierte er für eine Änderung im Sicherheitspolizeigesetz, um Einzelne effektiver überwachen zu können. Gewonnene Daten sollten ein Jahr lang gespeichert bleiben. Derzeit dürfen zur "erweiterten Gefahrenabwehr" nur Erkenntnisse über Gruppen vernetzt werden.

Das Antiterrorpaket der Innenministerin und der Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) umfasst indes noch mehr: Am Dienstag sprach sich Mikl-Leitner erneut für eine Ausweitung der Terror-Vorbereitungsdelikte aus.

Gefängnisstrafen solle es künftig über die Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, deren Finanzierung sowie den Besuch von Terrorcamps hinaus geben. Auch die Aufforderung, das Anleiten und Gutheißen zu bzw. von Terror sollten strafrechtlich verfolgt werden. Diesbezüglich nannte Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) bereits Strafrahmen von "bis zu zwei Jahren" .

Jarolim gegen "Voreiligkeit"

Für SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim sind das voreilige Ansagen. Die Gesetzesänderungspläne insgesamt kommen ihm nach den Anschlägen in Norwegen viel zu rasch. "Statt in aller Geschwindigkeit Regelungen umzusetzen, sollte diskutiert werden, wie optimale Lösungen aussehen könnten" , sagte er zum Standard.

Sein Vorschlag: Statt noch mehr Daten zu sammeln, solle vorhandenes Wissen über mögliche Gefahren genutzt werden. Diesbezüglich sei "äußerst beklagenswert, dass es seit Jahren keinen eigenen Rechtsextremismusbericht mehr gibt" , meinte Jarolim. Peter Pilz, Sicherheitssprecher der Grünen, schloss sich dem an. Die ausgeweitete Überwachung von Einzelpersonen würde zu einer "Kartei auffälligen Verhaltens" führen, kritisierte er.

Für die Presse, die sich einem Beschluss der jetzt erneut vorgeschlagenen Strafrechtsänderungen bereits 2010 massiv widersetzt hatte, meldete sich die Generalsekretärin des Presseclubs Concordia, Astrid Zimmermann, zu Wort. "In Österreich wird auf Terroranschläge fast reflexartig mit einer Einschränkung der Bürgerrechte reagiert" , kritisierte sie. Auch die Pressefreiheit sei dadurch gefährdet. (Irene Brickner, Saskia Jungnikl, DER STANDARD; Printausgabe, 27.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 124
1 2 3
das ist fix
00
15.8.2011, 19:54
Nein danke!

Im Namen der Terrorbekämpfung soll wohl der totale Überwachungsstaat eingeführt werden.

T-One
00

ich glaub ich spinne....
ich war zu der zeit der anschläge in oslo und bin erst anfang woche aus dem urlaub zurück gekommen. seltsamerweise ist mir in diesen wochen nicht aufgefallen das die norwegische regierung irgendwelche gesetze verschärfen möchte, ganz im gegenteil, sie wollen sogar noch lieberaler und offener werden. aber in einem kilometer weit vom tatort entfernten land sollen daraus irgendwelche schlüsse zu gesetzesänderungen einfließen, da stimmt doch was nicht..... und warum wird hier immer von "terror" gesprochen, das war ein verrückter amokläufer der einfach ein rad ab hat....

D Schnöller
13
27.7.2011, 20:40
.............wie gehabt.

Sieht so aus, als ob die Wahnsinnstat in Norwegen wieder einmal-wie schon so oft- Wasser auf die Mühlen der Kontrollierer, Überwacher etc.etc wäre. Das weis man doch aus der Psychotherapie und dem tgl. Leben. Ein mehr von demselben bringt in der Regel nicht den erhofften Erfolg. Beispiele gefällig: Irak, Afghanistan, Israel .... Allerdings zählt Lernen aus Erfahrung nicht zu den Stärken eines Großteils der österr. Politiker.

D Schnöller
10
27.7.2011, 20:31
.............wie gehabt.

surb1981
13
27.7.2011, 15:23
Zitat Volker Pispers:

"Und wie immer, wenn das Entsetzen so groß ist, dass einem wirklich die Worte fehlen, dann ist bei uns gleichzeitig kein Mangel an hohlen Phrasen aus noch hohleren Köpfen!"

Sehr passend

Yudhistira
01
27.7.2011, 14:13
Man könnte ja auch einfach bestehende Gesetze

einfach mal anwenden. Da soll es so etwas wie ein VERBOTSGESETZ geben.
Aber hier wird eigenartigerweise keine Verschärfung gefordert, da hört man im Gegenteil immer wieder den Ruf nach Abschaffung des Paragraphen. Nicht nur von der FPÖ. Nein, auch von ÖVP-nahen Kreisen (Akademikerbund).
Aber bezüglich Rechtsextremismus sind unsere Justizbehörden (z.B. Verfassungsschutz) bekanntlich "betriebsblind".

warp.faktor
06
27.7.2011, 13:54
Sehr geehrte Frau Ministerin!

Die Attentate in Norwegen wurden mit Pistolen, Gewehren und Chemikalien verübt.

Warum wollen Sie deswegen ausgerechnet die Meinungsfreiheit im Internet bekämpfen?

Barbarin
04
27.7.2011, 14:29
Weil dieser grausige Anschlag...

...der ÖVP (nun anscheinend auch SPÖ) - es gilt für beide Parteien und Mitglieder die Unschuldsvermutung - eine rechte Freude ist, weil so tauglich, um diese als Angst-Propaganda gegen uns zu missbrauchen!

Vor allem die ÖVP hat Interesse daran, dass keine Verfehlung oder Sünde an der Religion Wirtschaft (bzw. an diverse Sektenmitglieder - wie Kleiderbauer und andere Industrielle - es gilt die Unschuldsvermutung!) begangen wird. Weil diese Sektenmitglieder haben ja auch schließlich brav die ÖVP gesponsort - es gilt die Unschuldsvermutung! Daher werden auch Spenden an Partein geheim gehalten!

holzstock
 
04
27.7.2011, 13:37
Ich habe soeben ein Dèjá-Vu

Jedesmal, wenn ein irrer Spinner irgendwo etwas anrichtet, stürmen "bürgerliche" Minister vor und legen "ganz zufällig" soeben vorbereitete Anti-Terror-Plus-Sicherheits-Gesetze vor.

So brauchen wir jedesmal MEHR Überwachung, MEHR Präventivmaßnahmen,... Und wann hört das Ganze auf? Wo hört die Demokratie auf und fängt Totalitarismus an? Höre gerade, dass Äußerungen, die das "allgemein übliche Rechtsempfinden empören", strafbar werden sollen. Dieses allgemein übliche Rechtsempfinden war vor ca. 70 Jahren aus heutiger Sicht Unrecht.

warp.faktor
12
28.7.2011, 07:30
... und vor 80 Jahren ...

... waren es die Maßnahmen des Austrofaschismus, ...

... der Vorläufer der ÖVP von dem sie sich bis heute nicht distanzieren (Dolfuß-Bild im Parlamentsclub)

qe1
13
27.7.2011, 13:26
Nicht ganz umsonst

dreht die Göttin der Weisheit dem österreichen Parlament den Rücken zu...

besorgteMutti
04
27.7.2011, 13:18
Ob rot ob schwarz - denen ist nur die publizistische Vielfalt im Internet ein ständiger Dorn im Auge

... sie wollen die Kontrolle zurück über alles was kommuniziert wird.
Metternich lässt grüßen!
>> aufklärung wie http://tinyurl.com/strasservideos
soll unterdrückt werden !!

warp.faktor
02
27.7.2011, 13:15
Terroregime erkennt man ...

... am Ausmaß der Überwachung!

Wir sind die Guten!!
06
27.7.2011, 12:48
ja und bitte gleich den terrorismusbegriff auf alle terroristen ausdehnen:

lohnterrorismus - gewerkschaften
sozialterrorismus - ams-kunden+sozialhilfeempfänger
bildungsterrorismus - unzufriedene studis+rektoren
menschenrechtsterrorismus - amnesty int.+consort.
antikorruptionsterrorismus - transparency int.

CyberCop
01
28.7.2011, 07:39

meinungsterrorismus - div. journalisten
konsumverweigerungsterrorismus - nur einige wenige
wissensterrorismus - div. internetseitenbetreiber

Helmut Hromadnik21
 
11
27.7.2011, 12:48

Um terror der extremen rechten vorzubeugen, wäre doch nur eine stärkere aufmerksamkeit der exekutive auf den dunstkreis um den rechtsextremen hass-prediger STRACHE und seiner neonazistischen anhänger-gemeinde nötig, wozu, glaube ich, keine gesetzesänderung nötig ist.

Diese wäre nur ein schritt in die richtung eines überwachungsstaates!

Alle die meinen, die FPÖ sei keine rechtsextreme partei, seien an das MOSCHE-BABA-SPIEL des steirischen FP-Chefs KURZMANN erinnert, der deshalb angeklagt wurde !!!

holzstock
 
02
27.7.2011, 13:45
Und genau da liegt das Problem...

Innerhalb der Exekutive gibt es Befürworter für Straches Ansichten. Nicht alle, ich habe Beamte der Exekutive kennengelernt, die sehr tolerant waren und Menschen sahen anstatt "Ausländer", "Migranten" und "Kriminellen". Aber ebenso gibt es das andere Extrem. Auch in der Exekutive arbeiten eben "nur" Menschen.

Fritz Wintersberger
00
27.7.2011, 12:44
Gesetzesverschärfung

Wenn die gesetzl. Bestimmung kommt, Terror nicht gutheißen zu dürfen, müsste man nach dieser Rechtslage heute alle Medien verurteilen, die die lybischen Terroristen unterstützen. Wollen wir das wirklich?(Egal wie man dazu steht, nur als Beispiel. Macht die Anerkennung dieser Gruppe durch den Staat dann straffrei?)

warp.faktor
06
27.7.2011, 12:43
Wozu mehr Überwachung?

Warum kümmert man sich zuerst nicht mal um die bekannten Rechtsextremisten?

O.k, es wäre natürlich blöd für die ÖVP, wenn damit der künftige Koalitionspartner von der politischen Landkarte verschwinden und mit Waffenschiebern und anderen Wirtschaftskriminellen die Parteienfinanzierung ins Stottern geraten würde.

Logisch daher, dass man sich auf die Meinungszensur im Internet konzentriert (Öffentlich dürfen Strache & Co. natürlich weiter sagen was sie wollen, ohne dass ein Polizist ein Ohrwaschl rührt)

Hühnerbefreier, Jagdstörer und unzufriedene AMS-Kunden sind schließlich das, was die ÖVP unter "Terroristen" versteht.

Nardon
02
27.7.2011, 12:40
Faymann

sieht also Handlungsbedarf. Ich spreche unseren Kanzler grundsätzlich die Intellektualität ab das zu beurteilen und zu verstehen.
Hat hier schon mal einer überlegt das verschärfte Gesetze in diesem Bereich einer extremen Rechten direkt in die Hände spielt sollte sie an die Regierung kommen?

warp.faktor
02
27.7.2011, 12:59
Könnte Faymann eigenständig denken ...

... hätte ihn die ÖVP als Kanzler verhindert.

Wir sind die Guten!!
02
27.7.2011, 12:37
ja bitte! mit voller härte gegen volksverhetzung und rassismus!

zeit wirds!
... und überhaupt, tierschützer auszuspionieren, hart anzufassen und in untersuchungshaft zu werfen, da gibt es keinen genierer, aber gegen die nazi-kasperln sind der exekutive natürlich alle hände gebunden! so ein scheinheiliger schmarren, also bitte!

ciciban
08
27.7.2011, 12:33
Das rechte Auge aufmachen würde genügen

Billige Schmiere.

Childerich von Bartenbruch
03
27.7.2011, 12:31
erst vor kurzem wurde ...

... der "südtiroler bombennacht" gedacht. beim "gutheißen von terror" waren da viele medien und politiker nicht gerade schlampig. der grundtenor war vielmehr: anders wär die autonomie nie gekommen.

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