Blauer Fleck lässt grüßen

23. Mai 2011, 16:58
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Blaue Flecken kommen schnell, sind unschön aber meist ungefährlich - Tauchen Hämatome grundlos oder im Bereich der Genitalien auf, dann lohnt sich ein Arztbesuch

Eine Kollision mit dem Gegenspieler, eine unsanfte Bremsung beim Inlineskaten oder die Zielscheibe eines Volleyballs - Der blaue Fleck lässt in vielen Fällen nicht lange auf sich warten. Beim Verschwinden hat er es weniger eilig.

Was blaue Flecken so farbenfroh erscheinen lässt, sind das Blut und seine Abbauprodukte. Reißt ein Blutgefäß durch einen Schlag, Sturz oder Stoß ein, dann tritt roter Körpersaft aus. Ist die Hautoberfläche intakt, dann kann das Blut nicht nach außen abfließen. Es verteilt sich eben dort, wo sich das verletzte Gefäß befindet. 

Liegt die Verletzung knapp unter der Hautoberfläche, handelt es sich um ein subkutanes Hämatom, das als „blauer Fleck" leicht erkennbar ist. Auch Blutergüsse im Muskelgewebe (intramuskuläre Hämatome, Anm. Red.) sind für Mediziner keine große diagnostische Herausforderung, da sie häufig mit Schwellungen und Spannungsschmerzen einhergehen. „Blutergüsse in der Knochenhaut, also periostale Hämatome, oder in inneren Organen können nur durch Ultraschalluntersuchungen oder andere radiologische Untersuchungsmethoden festgestellt beziehungsweise ausgeschlossen werden", erklärt Gerald Maurer, Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologe an der medizinischen Universität in Wien.

PECH - was tun?

Bei subkutanen und intramuskulären Hämatomen, ist auch der Laienmediziner mit dem so genannten PECH-Prinzip gut beraten. „PECH" steht für vier in chronologischer Reihenfolge durchzuführende Versorgungsschritte: Pause, Eiskühlung, Compression und Hochlagerung. Ist das Ereignis spürbar, dann ist pausieren die erste Maßnahme. Anschließend lohnt es sich, die betreffende Körperpartie mit Kältekompressen, Kaltwasserumschlägen oder Eis mindestens 20 Minuten zu kühlen. „Wichtig ist, dass nicht direkt auf den Bluterguss gekühlt wird. Am besten legt man einfach ein Tuch dazwischen, so wird Erfrierungen an der Haut vorgebeugt", erklärt Maurer. Den Lohn erhält der Verletzte umgehend, denn die Kälte führt zur Kontraktion der Blutgefäße und verringert so den Blutaustritt in das umliegende Gewebe. Einer weiteren Ausbreitung des Hämatoms kann außerdem durch Hochlagern der betroffenen Stelle vorgebeugt werden. Auf diese Weise verringert sich der Blutfluss hin zur Verletzung.

Während des ungefähr zweiwöchigen Heilungsprozesses gibt das Farbenspiel des Hämatoms Auskunft über sein Alter. Der Blutfarbstoff Hämoglobin lässt den Bluterguss unter der Haut anfänglich rötlich-bläulich durchschimmern. Die Blutgerinnung setzt ein und mit dem anschließenden enzymatische Abbau der Blutrückstände verändert sich auch die Fiarbe. Dabei färbt das Hämoglobin-Abbauprodukt Choleglobin den Fleck zunächst braun-schwarz, der Gallenfarbstoff Biliverdin lässt ihn anschließend grün erscheinen, bis ihm Bilirubin als Endprodukt des Hämoglobinabbaus schließlich zu gelb-brauner Farbe verhilft. Es bedarf also etwas Geduld bis der blaue Fleck wieder verschwindet. Geringfügig beschleunigen lässt sich dieser Prozess aber mit dem Auftragen heparinhältiger Salben.

Aspirin hemmt Blutgerinnung

Viele, aber nicht alle Hämatome sind harmlos und mit dem PECH-Prinzip auch ausreichend versorgt. „Finden sich größere Blutergüsse oder Hämatome in den Augenhöhlen, im Schädelbereich oder an den Genitalien, dann ist die Konsultation eines Arztes zwingend", so Maurer. Bilden sich blaue Flecken ohne jeden ersichtlichen Grund, dann empiehlt sich ein Arztbesuch ebenfalls, da eine Störung des körpereigenen Blutgerinnungssystems vorliegen kann. „Besonders gefährdet sind Bluter, also Menschen die an der Blutgerinnungsstörung Hämophilie leiden. Hier können bereits kleine Bagatelltraumen zu Blutungen in tragenden Gelenken wie Hüfte, Knie oder Sprunggelenk führen.", ergänzt der Internist und weist abschließend darauf hin, dass auch die Einnahme von Acetylsalicylsäure (Handelsname Aspirin, Anm. Red.) die Entstehung von Blutergüssen begünstigt. Die gerinnungshemmende Wirkung des weit verbreiteten Schmerzmittels hält etwa sieben Tage lang an. Von einer unreflektierten Selbstmedikation mit Aspirin ist daher dringend abzuraten. (derStandard.at, 23.05.2011)

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