Roboter überprüfen Verstrahlung in Reaktor

18. April 2011, 14:49
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Verseuchtes Wasser verzögert Arbeiten - Greenpeace warnt vor weltweit steigender Strahlenbelastung

Tokio - In der Atomruine Fukushima versuchen die Arbeiter weiter mit Hochdruck, die Massen an verseuchtem Wasser wegzuschaffen. Sie hoffen, schon bald Wasser aus einem Schacht des Reaktors Nummer 2 in eine Müllbeseitigungsanlage abpumpen zu können, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Montag. Sorge bereite hochgradig verseuchtes Wasser, das sich in einem Tunnelschacht angesammelt hat. Es sei innerhalb eines Tages um drei Zentimeter gestiegen.

Mit Hilfe ferngesteuerter Roboter überprüfen die Arbeiter derweil Strahlendosis und Temperatur in den Reaktorgebäuden 1 bis 3, um sicherzugehen, dass die Männer dort arbeiten können. Die Verstrahlung verzögere die Arbeiten, erklärte der Betreiber Tepco.

 

Mindestens neun Monate

Der AKW-Betreiber hatte am Vortag erklärt (siehe Bericht), dass die Reaktoren frühestens in etwa sechs Monaten stabilisiert werden könnten. Rund drei Monate werde es allein dauern, die Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken zu stabilisieren. Die beschädigten Reaktorgebäude sollen dann in sechs bis neun Monaten abgedeckt werden. Die Regierung wies Tepco an, den Fahrplan schnell und zuverlässig umzusetzen. "Was Tepco hier sagt, ist einfach unseriös"

Greenpeace: "Was Tepco hier sagt, ist einfach unseriös"

Die Umweltorganisation Greenpeace hat unterdessen vor einer weltweit steigenden Strahlenbelastung als Folge der Atomkatastrophe von Fukushima gewarnt. Denn der von Tepco präsentierte Plan beruhe auf unbekannten Grundlagen, so Greenpeace-Experte Christoph von Lieven. "Was Tepco hier sagt, ist einfach unseriös", sagte von Lieven der Nachrichtenagentur dpa. "Das einzige, was im Moment klar ist, ist, dass weiter Radioaktivität austritt."

"Wir sind uns nicht sicher, ob wir damit nicht noch Jahre zu tun haben. Und das ist ein weltweites Problem. Wir werden weltweit eine erhöhte Strahlenbelastung haben", sagte der Umweltschützer. Die sogenannte Hintergrundstrahlung werde weltweit weiter steigen. Auch manche Lebensmittel seien belastet. Das Ausmaß dieser Entwicklung sei noch nicht abzuschätzen, fügte von Lieven hinzu.

Dem Stromkonzern Tepco warf der Greenpeace-Fachmann vor, mit der Lage nicht zurande zu kommen. Die radioaktive Strahlung sei trotz der ergriffenen Maßnahmen weiter aus der Atomruine ausgetreten. "Die Evakuierungszone muss jetzt ausgeweitet werden, und zwar wirklich dringend", forderte von Lieven. Dann sollten unabhängige Fachleute nach einer Lösung suchen. "Und das Ganze muss Tepco und der japanischen Regierung, die offensichtlich unfähig sind, das Problem zu lösen, aus der Hand genommen werden - und zwar von der internationalen Gemeinschaft", forderte der Umweltschutzexperte.

Evakuierungszone wird wahrscheinlich erweitert

Japans Regierung erwägt, die Evakuierungszone über 20 Kilometer hinaus partiell auszuweiten. In einer Zone zwischen 20 und 30 Kilometern um das Werk sind Bewohner aufgerufen, sich freiwillig in Sicherheit zu bringen. In den von radioaktivem Fallout betroffenen Regionen, die außerhalb des offiziellen Evakuierungsradius von derzeit 20 Kilometern rund um das zerstörte Kraftwerk lägen, seien nicht einmal einfachste Schutzmaßnahmen wie die Sperrung von Kinderspielplätzen oder Parks getroffen worden, kritisierte der Leiter des Atom- und Energiebereichs bei Greenpeace Deutschland, Thomas Breuer. Die Strahlenbelastung sei aber auch weit außerhalb dieser Zone teils bedenklich. Zumindest die am stärksten verseuchten Orte müssten evakuiert werden, andere so gut wie möglich dekontaminiert und gereinigt.

Auch die Bevölkerung ist mit dem Krisenmanagement offensichtlich unzufrieden: Die Mehrheit der Japaner stellte Ministerpräsident Naoto Kan ein miserables Zeugnis für seinen Umgang mit der Atomkatastrophe aus. Nahezu 70 Prozent sprachen sich in einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Tageszeitung "Nikkei" für einen Wechsel an der Spitze der Regierung aus. Fast ebenso viele halten Kans bisherige Reaktion auf die Havarie in Fukushima für nicht akzeptabel. (APA)

  • Ein Roboter mit Videokamera und Greifarm, der auch vom US-Milität verwendet wird, misst im Reaktor 3 des AKW Fukushima Eins die Radioaktivität und den Sauerstoffgehalt.
    foto: epa/tepco

    Ein Roboter mit Videokamera und Greifarm, der auch vom US-Milität verwendet wird, misst im Reaktor 3 des AKW Fukushima Eins die Radioaktivität und den Sauerstoffgehalt.

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