27.10.2010

Nächster Wagenplatz muss geräumt werden

Martin Obermayr, 27. Oktober 2010, 15:56
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    foto: mob/derstandard.at

    Auf ein Abschleppen der Wägen - wie hier bei der Räumung des Standplatzes in der Wiener Baumgasse - wollen es die Mitglieder der Wagenburg Hafenstraße nicht draufankommen lassen.

Stadt Wien bestätigt, dass die 13 Mitglieder der Wagenburg Hafenstraße mit Hab und Gut weg müssen - Zerknirscht fügt sich die Gruppe dem Urteil

Die Situation ist im wahrsten Sinne des Wortes verfahren. Die Stadt Wien hat am Mittwoch die Mitglieder der Wagenburg Hafenstraße noch einmal offiziell aufgefordert, ihre Wägen auf der Liegenschaft Hafenzufahrtsstraße 60 bis Donnerstag, 29. Oktober, um neun Uhr früh wegzuschaffen. "Diese Grundfläche ist von der Gruppe nie legal genutzt worden", erklärt Hanno Csisinko, Sprecher von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. „Es hat nicht einmal eine Duldung gegeben - die kann es auch gar nicht geben, weil die rechtliche Basis dafür fehlt."

Für die 13 Menschen, die momentan in der Wagenburg Hafenstraße wohnen, heißt das nun, innerhalb weniger Stunden alles zusammenzupacken und sich einen neuen Standort zu suchen. "Wir werden schon heute die ersten Wägen hinausfahren", so Martin Pell, Sprecher der Gruppe. "Wir werden auch keinen Widerstand leisten und unsere Wägen nicht abschleppen lassen."

Keine Probleme seit 18 Monaten

In den vergangenen Tagen hatten die Mitglieder noch versucht, wenigstens die Möglichkeit zum Überwintern zu bekommen. Sie berufen sich etwa darauf, dass sie seit 18 Monaten an diesem Platz stehen und dass sie dem Grundstücksmieter (Gas Wien), der dort eine Baustelle betreibt, weder beim regulären Arbeitsablauf gestört noch für zusätzliche Kosten oder eine Wertverminderung des Grundstücks gesorgt hätten.

Am Nationalfeiertag hatte sich die Gruppe Wagenburg Hafenstraße auch an Bundespräsident Heinz Fischer gewandt. Neben den bereits erwähnten Problemen beim Umzug wollten die Mitglieder in dem Gesuch vor allem auch auf ihre gesellschaftliche Bedeutung im Bereich alternativer Sozial-, Kultur und Wohnprojekte hinweisen: „Dass wir eine Bereicherung und keine Belastung für Wien sind, bezeugen zahlreiche Beiträge in den verschiedensten nationalen sowie internationalen Medien. Mehrmals wurden wir herangezogen und bestimmte Aspekte unseres Projektes in Diplom- und Seminararbeiten bearbeitet."

Keine Prekariats-Verträge in Wien

Ebenso hat die Gruppe einen Prekariats-Vertrag aufgesetzt, in dem sie sich u. a. bereit erklärt, „das Grundstück in der Woche vom 15. - 22. April 2011 zu verlassen, sollte es bis dahin nicht gelungen sein diesen Vertrag durch einen anderen ersetzt zu haben." Weiters würden sie eine Kaution bereitstellen, "um etwaige Risiken für den Grundstücksbesitzer bzw. den Mieter zu decken und eine weitere Benutzung als Wagenplatz möglich zu machen." Dieser Vertrag sollte vom Mieter (Gas Wien), vom Liegenschaftsverwalter und von der Wagenburg-Gruppe unterzeichnet werden. 

Eine Bestrebung, die auf Seiten der Stadtpolitik auf unfruchtbaren Boden fällt. "Die Stadt Wien schließt überhaupt keine Prekariatsverträge mehr ab", sagt Wohnbausprecher Csisinko. "Jede Liegenschaft muss gesetzliche Bedingungen erfüllen und eine Rechtsbasis haben - und in diesem Fall ist die Rechtslage eindeutig."

Ob man wie im Falle der Räumung des Wagenplatzes Baumgasse - derStandard.at berichtete - auch auf ein Großaufgebot der Polizei zurückgreifen werde? "Wenn sich eine freiwillige Räumung nicht durchführen lässt, werden wir auf alle Mittel zur Durchsetzung zurückgreifen - auch mit Einsatz der Polizei", so Csisinko. (mob, derStandard.at, 27.10.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 236
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A1 Trainee
01
31.10.2010, 03:22
Ist das nicht der Sinn eines Wohnwagens - Mobilität?

Wenn sie nicht ständig umziehen wollen, dann sollten sie sich einen Wohnung nehmen. Ein kleines Häuschen und privates Land möchte wohl jeder haben.

Johann Dau
00
30.10.2010, 23:51

"Aspekte unseres Projektes in Diplom- und Seminararbeiten bearbeitet"

Moment - waren das Soziologiestudenten, die selber dort gewohnt haben und dann Arbeiten darüber geschrieben haben?

Hafniumcarbid
12
28.10.2010, 17:29
Versteh eines nicht ganz...

...es wird doch genügend billig zu mietendes (oder sogar zu kaufendes) Brachland geben, wo die Herrschaften ganz legal residieren können. Ist dann halt nicht mitten in der Stadt - aber dafür eine permanente Lösung. Hat sowas noch niemand angedacht?

Michail Bakunin
00
29.10.2010, 08:27

Der Wagenplatz stand mehrere Jahre auf einem Acker, mit monatlich bezahlter Miete & Mietvertrag. Kein Schwein in dieser Stadt hat mitgekriegt, dass es sowas überhaupt gibt - keine Probleme, keine Zeitungsartikel, keine Polizeigroßeinsätze. Inzwischen hat die Baupolizei jedoch festgestellt, dass Wägen Häuser sind und deshalb nur auf Baugrund stehen dürfen. Lange Rede, kurzer Sinn: Soweit wurde schon gedacht und es war auch jahrelang so - allerdings ist inzwischen rechtlich durch, dass Brachland dafür nicht einfach so gemietet werden darf. Um dies zu ermöglichen, wäre eine Änderung der Bauordnung notwendig. In Deutschland sieht es je nach Bundesland anders aus, hier sind Ausnahmen oder „Bauliche Anlagen und Räume besonderer Art" möglich.

ad vocem
04
29.10.2010, 13:35
btw:

Auch wenn es "jahrelang so war" heißt das bloß, dass die Baupolizei eben nicht früher Wind davon bekommen hat - aber das geht vielen Eigenheimbesitzern nicht anders, wenn dem neuen Nachbarn das schwarz errichtete Gartenhaus an der Grundstücksgrenze nicht gefällt ...

ad vocem
04
29.10.2010, 13:33
Dass zu Wohnzwecken geeignete mobile Einrichtungen ...

... auch ohne festes Fundament als Bebauung gelten, ist keine Willkür den Wagenmenschen gegenüber, sondern steht halt so in der Bauordnung.

Und das macht auch Sinn.

Auch die Bauordnung regelt das Zusammenleben der Menschen und soll - bei zugegebenermaßen manchmal krausen Auswüchsen - die Interessen Vieler gegenüber den Vorlieben Einzelner schützen.

Ansonsten wären auch bald Erholungsräume und Schutzgebiete verhüttelt, wenn sich jeder Grundbesitzer von Wald, Wiese oder Acker dort einen Wohnwagen hinstellen könnte - und bald die Terasse dazu, und ein Vordach, und dann einen verglasten Vorbau, und dann die Senkgrube dazu, und dann den WC-Zubau und dann die SAT-Schüssel etcetcetc ...

Helmut-S
01
29.10.2010, 13:03
Und warum ist diese Erkenntnis der Baupolizei wichtig?

Weil sonst jeder holländische Wohnmobil-Tourist (ein paar hundert jeden Sommer sind das leicht) sich in Wien bei einem Bauern eine Brache mieten könnte.

Oder jeder Roma-Konvoi. In meiner alten Gemeinde wo ich herkom wächst neben der Kläranlage leider auch so ein Wellblech-Siedlung/Stall/Wohnraum aus dem Boden, ich find das net so wertvoll.

Es hat ja grundsätzlich einen Sinn das man versucht über Raumordnung und Flächenwidmung eine gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten, wo eben net jeder sich irgendwo eine Hütte mit Plumsklo baut weils grad gefällt.

super cat
05
29.10.2010, 10:47

Ein Acker ist nicht zum Wohnen gedacht!

Zinnmo
 
00
29.10.2010, 03:53

Ganz so einfach (und billig) ist es dann auch wieder nicht. Die Widmung muss stimmen, die (Möglichkeit der) Erschließung... Bauland in der Stadt ist knapp und teuer.

kleinerpinguin
09
28.10.2010, 16:45
Will auch

Ich hätte auch gerne gratis ein Grundstück der Stadt Wien zur persönlichen Verwendung.
Wo kann ich mich dafür eintragen?

die Resi-Tant Evil
00
28.10.2010, 16:27

".... offiziell aufgefordert, ihre Wägen ... bis Donnerstag, 29. Oktober, um neun Uhr früh wegzuschaffen. ..."

Heute ist Donnerstag, 28. Oktober. Der 29. Oktober wäre der morgige Freitag.
Gut, bitte, so ein Versehen kann jedem mal passieren. Nur, wenn so ein Versehen im Rahmen einer Räumungs-Fristsetzung passiert, stellt das die maximale Peinlichkeit dar.

Animation
 
185
28.10.2010, 14:13
ich finds irre lustig...

... wie wir aus unseren warmen wohnungen heraus,
am computer auf solchen menschen rumhacken,
die innerhalb von zwei tagen auf die straße gesetzt werden.

ich habe etliche sms bekommen, wo der wagenplatz
um hilfe beim zusammenräumen ersucht.

die räumen sagar innerhalb der räumungsfrist noch zam!

außerdem ist die frage wo die jetzt hin sollen so mitten vorm winter. ist ja net so leiwand wie im sommer.

naja, ich geh die heizung höher drehen und mein heisl putzen, ich hab ja ein eigenes!

Johann Dau
00
30.10.2010, 23:54

Sie schreiben, als ob man Slumbewohnern ihre Hütten abreißen würde, dabei haben sich die Leute ja selbst ausgesucht, so zu leben! Und dass Trailer-Trash jetzt so eine große Bereicherung für unsere Kulturlandschaft wäre, wie die tun, kann ich irgendwie nicht so ganz nachvollziehen.

Chocoholic
00
29.10.2010, 18:48
Um Himmels Willen! Die MUESSEN in den Waegen wohnen?

Johnny Brainstorm
40
29.10.2010, 08:50

Aus seinem behaglichen Spießbürgerreihenhaus lässt sichs halt leicht "Recht musss Recht bleiben!" schreien =/

Keine Spur von Solidarität, hauptsache man hockt auf seinem Eigentum...

ad vocem
00
29.10.2010, 13:41
Für Grund- und EigenheimbesitzerInnen ...

... gilt die Bauordnung genauso und die können sich auch nicht einfach ein Mobilheim in den Garten stellen, als Gästehaus!

Also tun's nicht "SpießbürgerreihenhausbesitzerInnen" anpatzen, bloß weil die halt Eigentumserwerb finanziert haben!

super cat
06
28.10.2010, 22:51
Nix für ungut aber...

Sie räumen sogar innerhalb der Räumungsfrist noch auf... Sogar? Was finden Sie daran so sensationell? Tun sie das nicht, dann müssen Sie - wer sonst - fürs "Aufräumen" (Entrümpeln, Reinigen etc.) bezahlen.

Rene Stangeler
110
28.10.2010, 16:03
Die Leute haben es sich

selbst ausgesucht in schlecht isolierten Wägen und Fahrzeugen zu wohnen die nur mit Energieverschwendung, und selbst dann nur schlecht, zu beheizen sind.
Was meinst du mit die räumen sogar noch zam? Ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit keine Müllhalde zu hinterlassen.

Tut mir leid, der Versuch auf die Tränendrüse zu drücken ist gescheitert.

Mynnia
10
30.10.2010, 22:00

Sie haben es sich nicht ausgesucht, von einem Tag auf den anderen einen vorher geduldeten Status Quo aberkannt zu kriegen und geräumt zu werden.

niewieder nett
 
05
28.10.2010, 15:13

sie wissen schon dass die das wagenleben dem leben in wohnungen vorziehen? es ist schade und peinlich, dass es in wien nicht möglich ist einen wagenplatz zu haben. aber sie wollen hier in der community mitleid für menschen erzeugen die selbst gewählt so leben? was ist mit all den delogierten?

ich hoffe sie waren wenigstens aufräumen helfen wenn sie hier schon so auf die tränendrüße drücken.

Bully Bullson
07
28.10.2010, 15:00
...wieso....haben die keinen Plan "B"?

..ich versteh es, keinen solchen zu haben, wenn mir als Wohnungseigentümer die Bude abbrennt oder ich meinen Job verliere und die Miete nicht mehr zahlen kann....

Nur, wenn ich mich widerrechtlich auf einem fremden Grundstück breit mache und mich dann als Opfer hinstelle...da hält sich mein Mitleid echt in Grenzen!

Helmut-S
012
28.10.2010, 14:45
"Auf die Straße gesetzt"...

...ist ein Ausdruck, den würde ich verwenden für eine Familie mit zwei Kindern und einem arbeitlosen Vater die gewaltsam delogiert werden.

Für die Wagenburger gilt sehr wohl das die wussten das sie dort nie eine Standberechtigung hatten, also so "plötzlich" sollte die Erkenntnis nicht sein das sie weg müssen.

byron sully
71
28.10.2010, 13:54

da will die stadt wien offenbar vor abschluß der rot-grünen verhandlungen starken sheriff spielen, weil es danach nicht mehr so leicht sein wird. ich kann nur hoffen, daß die grünen diese unverfrorenheit in den verhandlungen thematisieren werden.

super cat
03
28.10.2010, 23:03
Unverfrorenheit?

Siehe Artikel - Die Nutzung war nie legal, es gab nicht einmal eine Duldung. Unverfrorenheit kann man höchsten den Wagenburgleuten vorhalten, die Gesetze und Vorschriften (Grünland, Baugrund etc.) ignorieren und dann jammern wie arm sie sind wenn es einen Räumungsbescheid gibt.

fahrenheit 451
00
28.10.2010, 16:26

mit frau w darf grün gerne einen teil der grünen parteienförderung für dieses projekt verwenden und privatwirtschaftlich einen baugrund in ubahnnähe, 30 minuten vom zentrum entfernt für die 2 nun umherziehenden gruppen mieten...

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