Museum für Völkerkunde: Direktor Christian Feest zurückgetreten

14. Oktober 2010, 13:37
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    foto: apa/ helmut fohringer

    War zu aufmüpfig: Feest, hier 2007 im Depot der Masken bei einer Baustellenführung durch das Völkerkundemuseum

Scharfe Kritik an Kulturministerin Schmied von VP, Grünen und Ex-KHM-Chef Fillitz

Wien - Christian Feest legte am Mittwoch, nach einem Rapport bei der Leitung des Kunsthistorischen Museums, seine Funktion als Direktor der Museums für Völkerkunde mit sofortiger Wirkung zurück, wie der ORF als Erster berichtete. Das KHM verschwieg die Ereignisse bewusst - um zu verhindern, dass Feest in den Medien "als Märtyrer" dargestellt wird.

Offiziell spricht man von einer "einvernehmlichen Auflösung" des Vertrags, der bis 2014 gelaufen wäre. Feest, der eine dreimonatige Kündigungsfrist hat, erhält als Entschädigung volle Bezüge bis zum April 2011. Interimistisch folgt ihm KHM-Generaldirektorin Sabine Haag nach. Sie versprach, den Posten so bald wie möglich auszuschreiben. Gesucht werde eine "integrative Persönlichkeit". Im Völkerkundemuseum glaubt man aber, dass eine "gefügige Person" gefunden werden solle.

Aus dem Kulturministerium war zu erfahren, dass Feest schon länger "auf der Abschussliste" gestanden sei. Der für die Museen zuständige Sektionsleiter Michael Franz und die Pressesprecherin von Ministerin Claudia Schmied beteuerten, dass die Verantwortung ausschließlich bei der KHM-Leitung liege.

Silvia Fuhrmann, Kultursprecherin der ÖVP, meint hingegen, Feests Rücktritt sei "die Folge des fahrlässigen Verhaltens" des Ministeriums. Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, glaubt, dass Schmied und Haag gemeinsam Feest "in einer Nacht-und-Nebel-Aktion unverblümt zum Rücktritt gedrängt" hätten. Denn dieser hatte in einem Brief Sorgen um die Zukunft seines Hauses geäußert.

Zinggl: "Die Ministerin hat zwar bereits am Dienstag im parlamentarischen Kulturausschuss ihren Unmut über Feests Brief geäußert und von 'Konsequenzen' gesprochen, die dieses Verhalten nach sich ziehen könnte - aber dass die Abberufung des Direktors erfolgt, ist eigentlich kaum zu fassen."

Schmied war am 7. Juli in einem Entschließungsantrag von SP, VP und Grünen aufgefordert worden, alle Vorkehrungen zu prüfen, die eine Zusammenführung des Völkerkunde- und Volkskundemuseums zu einem Kulturenmuseum ermöglichen. Im Kulturausschuss gab Schmied aber bekannt, dass sie sich kein neues, eigenständiges Bundesmuseum vorstellen könne: Volks- und Völkerkundemuseum sollen unter dem Dach des KHM-Konzerns fusioniert werden.

Ex-KHM-Chef Herrmann Fillitz spricht erbost von der "ungeheuerlichsten Fehlentscheidung, die Schmied treffen konnte". (trenk/ DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2010)

 

Nachlese: Schmied gegen Kulturenmuseum - Die Kulturministerin kann sich nun doch kein eigenständiges Museum für Volks- und Völkerkunde vorstellen - Silvia Fuhrmann und Wolfgang Zinggl sind entrüstet

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10 Postings
Albert Ottenbacher
00
15.4.2011, 20:59
"Vom Museum für Ethnographie zu einer Ethnographie des Museums !"

Bundesrat Gruber fragt am 3.12.2009 Bundesministerin Dr. Schmied, welche Aufgaben ein „Museum der Kulturen“ erfüllen sollte. Antwort : "Es steht für mich auch im Zusammenhang mit einer Neupositionierung von Völkerkunde, Volkskunde und interkulturellem Dialog. Also das müssen wir neu denken. Da braucht es neue Zugänge." Octave Debary schlägt vor : "Vom Museum für Ethnographie zu einer Ethnographie des Museums !"

Lévi-Strauss schreibt über den Totemismus : "Sein Bild ist projiziert, nicht empfangen; es hält seine Substanz nicht von außen. Denn wenn die Illusion ein Stück Wahrheit enthält, so ist diese Wahrheit nicht außerhalb von uns, sondern in uns." Warum wird das hochgelobte Konzept für das "MuseumNEU" nicht ins Netz gestellt ?

Ottenbacher
00
16.10.2010, 18:00
Schad' drum ?

Beabsichtigt war "ein nationales wie internationales Vorzeigeprojekt." Also : "Vor allem die Zusammenführung der aussereuropäischen mit den österreichisch - europäischen Sammlungen und die entsprechende Programmatik machen das MuseumNEU zu einer international herausragenden Institution, die in vieler Hinsicht eine Impuls gebende Vorreiterrolle einnehmen wird." Geplant wären Ausstellungen gewesen wie : "Heimat ? Wir sind Dirndl - zwischen Pflege und Trend." Also "ein Zeichen für die Verbundenheit Österreichs mit der Welt." Ernsthaft "den Raum einerseits versinnlichen und die hermetische Architektur erweichen." Konkret : "Shop als kulturelle Interaktionsfläche."

Warum wird das Konzept nicht veröffentlicht ?

Tamahek
01
15.10.2010, 15:22
Kulturen interessieren nicht

Ein Interesse an einem Kulturenmuseum würde ja Interesse an der eigenen Kultur beinhalten, aber im Kulturministerium ist Kultur noch nicht angekommen. Was hat das VKM im KHM zu suchen, müßte sich Frau Direktor Haag fragen oder frönt sie auch dem Seipelschen Größenwahn alle Register bedienen zu können?

bb - brave Buergerin
01
15.10.2010, 14:52
Traurige Wahrheit

Erneut wird klar: Ja, es gibt sie, die neoliberalen Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen.
Wer nicht genehm ist, wird „entfernt“ - ganz so, wie in der wunderschönen Privatwirtschaft.
Jobprofil für die Feest-Nachfolge: Nicht selbständig denken und agieren, dafür still sein und kein Budget für sich in Anspruch nehmen.
Einem neuen, innovativen, kraftvollen und längst fälligen Kulturenmuseum, das Österreich international aus dem fremdenfeindlichen Eck ein Stück weit heraushelfen könnte, ist damit schon mal so richtig auf die Beine geholfen.
Bravo!

Philipp B.
01
15.10.2010, 14:27
trauerspiel

aber eh kaum was neues seit das vkm dem khm einverleibt wurde.

Tamahek
00
15.10.2010, 12:19
Wieder Fehlentscheidung von Fr. Schmied

Tamahek
02
15.10.2010, 10:52
wieder Fehlentscheidung von Schmied

Wenn eine Frau "Kulturministerin" ist die weder von Kunst, Denkmalpflege noch Museumskunde eine Ahnung hat und iIhre Unwissenheit bezüglich ihres Kompetenzbereichs hinter dem Schulproblem, das sie auch nicht löst, versteckt, dann ist es klar, dass eine Persönlichkeit wie Christian Feest, dessen Kompetenz und Qualifizierung unbestritten ist, nur das Handtuch werfen kann. Der Rücktritt Feests und die Übernahme des Völkerkundemuseums durch Haag und einen "braven" zukünftigen Direktor des VKM ist für die Wiener Kultur- und Museumslandschaft eine schwerer, nicht wieder korrigierbarer Verlust.

Ottenbacher
11
14.10.2010, 15:30
Volks - Völkerkunde Zusammenlegung

Beachtlich wären die fünf geplanten Sekretariatposten am Heldenplatz gewesen :

- Direktionssekretariat, zweifach besetzt
- Sammlungssekretariat
- Sekretariat Forschung/Ausstellungen
- Sekretariat Öffentlichkeit

Die eigene Verwaltung hätte die Beziehungen zu einer "zentralen abgespaltenen kaufmännischen Serviceeinheit" regeln sollen. Zuständigkeit und Verantwortung wären schwer zu unterscheiden gewesen. Dazu, wie für die "zu erstellende Geschäftsordnung" fehlten nähere Angaben. Der Ärger zwischen den Zusammengelegten war - wie bei der Fusion mit dem Kunsthistorischen Museum - absehbar.

Was die Beratung durch "communication matters"wohl gekostet hat ?

Ohr O Pax
04
14.10.2010, 14:53
Hoffentlich reicht die Armlänge von Haag zum

zurückrudern.
Ist ja auch peinlich, im Jahr 2010 mit Maulkorberlässen zu managen und widersprechende Untergebene zu feuern.
Wo waren Sie die letzten 150 Jahre, gnädige Frau?

Renzo Pasolini
02
15.10.2010, 08:21
Sie war in der Kunstkammer!

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