Schmied gegen Kulturenmuseum

Die Kulturministerin kann sich nun doch kein eigenständiges Museum für Volks- und Völkerkunde vorstellen - Silvia Fuhrmann und Wolfgang Zinggl sind entrüstet

Wien - Die Pläne waren groß gewesen: 2010 sollte sich das Völkerkundemuseum vom Kunsthistorischen Museum abspalten dürfen, um mit dem Volkskundemuseum fusionieren zu können. Im Kulturbericht 2009 wird das Vorhaben als "international einzigartig" gepriesen. Doch Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) zerstörte am Dienstag im parlamentarischen Kulturausschuss alle Hoffnungen: "Ich kann mir die Gründung eines neuen Bundesmuseums nicht vorstellen."

Als Grund führt Schmied die finanziell angespannte Situation ins Treffen. Das Völkerkundemuseum, das vor einem Jahrzehnt seine Eigenständigkeit verlor, soll also Teil der "KHM-Gruppe" bleiben. Die Fusion mit dem bisher eigenständigen Volkskundemuseum sei dennoch vorgesehen.

"Das ist für uns aber keine Option" , so Margot Schindler, die Direktorin des Volkskundemuseums, zum Standard. "Wir werden unsere ohnedies nicht gute Position nicht noch verschlechtern."

Zudem kann der Verbleib der Völkerkunde beim KHM nicht der Weisheit letzter Schluss sein: In der Arbeitsgruppe "Museum Neu" herrschte "Einigkeit darüber, dass die bisherige Konstellation des Museums für Völkerkunde als untergeordnete Institution des KHM aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert hat" . KHM-Generaldirektorin Sabine Haag und Finanzchef Paul Frey stimmten dem Konzept für ein eigenständiges Kulturenmuseum bereits zu.

Silvia Fuhrmann, die Kultursprecherin der ÖVP, bezeichnete es als "fahrlässig" , wenn dieses nicht umgesetzt würde. Und Wolfgang Zinggl von den Grünen übte scharf Kritik. "Wir haben fünf Bundeskunstmuseen - und kein einziges Kulturenmuseum. Das kann es nicht sein!" Das fehlende Geld bezeichnete er als "Ausrede" .

In einem weiteren Statement informierte er den Kulturausschuss über angebliche Eigenmächtigkeiten von Mak-Direktor Peter Noever. Er würde sich freuen, wenn der Rechnungshof das Museum prüfen würde. Laut APA sei die Stimmung im Mak äußerst schlecht: "Noever werden patriarchalische Führung anstelle modernen Managements vorgeworfen, fehlende Personalentwicklung, undurchsichtige Finanzgebarung, mangelnde Mitarbeiterführung bis hin zum Mobbing."

Schmied stellte sich unwissend, obwohl das Magazin Profil schon vor zwei Wochen über Ungereimtheiten (u. a. Bezahlung von Noevers Homepage mit Mak-Mitteln) berichtete. Sie werde das Kuratorium um Aufklärung bitten. Im November will sie bekanntgeben, ob sie Noevers Vertrag nochmals zu verlängern oder den Posten auszuschreiben gedenke. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10. 2010)

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