Medien-Task Force

Wikileaks gemeinsam mit "Spiegel", "New York Times" und "Guardian"

Astrid Ebenführer, 26. Juli 2010, 17:20
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    foto: reuters/andrew winning

    Wikileaks-Gründer Julian Assange bei einer Pressekonferenz in London am Montag, er sieht in den US-Militärdokumenten zum Einsatz in Afghanistan Hinweise auf Kriegsverbrechen.

Medienkooperation mit geheimen Dokumenten zum Afghanistan-Krieg - Kritik an Spiegel Online

Gemeinsam mit der "New York Times" und dem "Guardian" schaffte "Der Spiegel" am Montag einen "echten Enthüllungs-Scoop", so meedia.de. Die Redaktionen der drei Medien werteten gemeinsam Wikileaks-Dokumente zum Afghanistan-Krieg aus und veröffentlichten am Montag ihre Recherecheergebnisse. "Spiegel Online" stellte dafür die E-Paper-Ausgabe 25 Stunden später als sonst online, "aus redaktionellen Gründen ist die E-Paper-Ausgabe des neuen Spiegel 30/2010 erst am Sonntag, 23 Uhr, verfügbar", hieß es dort Sonntag Abend. 

"Wir stehen schon länger in Verbindung zu Wikileaks. In diesem Fall haben sich die Wikileaks-Verantwortlichen für den Spiegel, die New York Times und den Guardian entschieden. Das hätten sie wahrscheinlich nicht getan, wenn wir nicht schon länger in Kontakt stehen würden", meint "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo im Interview mit meedia.de. Für die Dokumente bezahlt habe "Der Spiegel" nicht. Der redaktionelle Aufwand war beträchtlich, vier Wochen lang habe eine Gruppe die Dokumente gesichtet und geprüft. "Die Frage für uns war, ob wir dem Material vertrauen und wir hatten alle Freiheit, mit dem Material so umzugehen, wie wir es für richtig hielten. Das war für mich die Voraussetzung bei diesem Projekt", antwortet Mascolo auf die Frage, ob er Wikileaks vertraue.

Kritik an Spiegel Online

Kritik gab es an der Form der Online-Veröffentlichung der Dokumente, Blogger Mario Sixtus twitterte zum Beispiel: "Spiegel nutzt SpOn als Teaser fürs Papier, Guardian stellt ein Dossier nebst Original-Dokumenten & Spreadsheet online" und empfahl dem "Spiegel Online": "Kuck mal, SpOn, so geht Online-Journalismus" mit Link auf ein Video-Tutorial auf der Website des "Guardian".

"Spiegel Online"-Chefredakteur Rüdiger Ditz kann die Kritik an der Online-Aufbereitung nachvollziehen. "Wir haben nicht so gut ausgesehen" sagt er gegenüber meedia.de am Dienstag. Die Onlineredaktion sei erst Mitte vergangener Woche in die Arbeit eingestiegen. Die Story sei eine Print-Geschichte und da gelte der Grundsatz: "Der Titel wird nicht online gebracht - zumindest nicht in der ersten Woche".

Keine Crossmedialität

Hier zeigt sich das Dilemma, wenn Print- und Onlineredaktionen nicht optimal zusammenarbeiten und Crossmedialität nicht funktioniert. Schade, dass die Chance vertan wurde, für "Spiegel Online" und auch für die Printausgabe. Denn auch der gedruckte "Spiegel" hätte von einer zeitgemäßen und interaktiven Online-Aufbereitung profitiert. Jedenfalls wolle man sich künftig überlegen, anders an solche Geschichten heranzugehen.

Zum Thema
Wikileaks-Veröffentlichung:  90.000 Geheimpapiere enthüllen alarmierende Lage im Afghanistan-Krieg - Weißes Haus reagiert empört

Links

guardian.co.uk: Story behind biggest leak in intelligence history

Spiegel.de: Die dreckigste Seite des Krieges

New York Times: The War Logs

"New York Times": A Note to Reader: Piecing Together the Reports, and Deciding What to Publish

Kommentar posten
12 Postings
Chris Gram
00
30.7.2010, 11:48
na endlich (wie ein gregorianischer choral zu intonieren)...

auf lasset uns spalten die welt in guten und bösen journalismus,machet geile umfelder für werbewillige unternehmen und vergrämet nicht die herrschaft des geldes. dem investigativen journalismus gebet eine spielwiese im land der virtualitäten. den lästigen hinterfragern aber findet ein paar sponsoren, die dann ihr biotop unbeachtet von der masse hegen und pflegen, um die rosa gefärbte welt scheinbarer aufklärung nicht zu verstören. machet die leute glauben, die welt des schreibens wäre doch gut und unabhängig indem ihr über die braven berichtet. doch haltet die fest an der leine, die euch, abhängend vom zeilenhonrar was schönes copypasten, um ihr leben zu fristen. zu einem teil gebet euch liberal. dem anderen ergehe es so: auf lasset uns...

mukuli
01
27.7.2010, 12:11

krieg ist schmutzig, das war schon immer so und wird auch immer so sein.
jetzt haben wir es halt mal wieder schwarz auf weis und alle sind überrascht.

MAKE LOVE NOT WAR!

Irrer Wahnsinn
24
27.7.2010, 06:14
Spitze des Eisberges,

in der spätkapitalistischen Gesellschaft die durch billige Propaganda und durch den Mangel an echten Informationen unter der Knute gehalten wird scheint diese Plattform eine echte Alternative zu sein.

trollvottel
41
27.7.2010, 13:16

Paranoia ist behandelbar. Ja, es gibt falsche "Informationen" und Lügenpresse a la Fox, Krone usw.

Deswegen aber gleich von 1984 zu schwätzen oder von der systematischen Propaganda von Weltverschwörern, halte ich dann aber doch für ziemlich krank.

Peter W1
 
02
27.7.2010, 23:56

Gibt inzwischen genug Studien, dass die Medien keinerlei Überwachungsfunktion mehr haben und investigativer Journalismus aufgrund gestrichener Budgets nicht mehr vorhanden ist.

Such einfach hier nach dem Artikel, wo festgestellt wurde, das alle Medien in den USA gleichgeschaltet bei Folter von US-Stellen nicht mehr von Folter sprechen. Aber sehr wohl Folter verwenden, wenn es von Gegnern der US-Regierung praktiziert werden soll.

Medien kopieren stattdessen Presseaussendungen von Computerfirmen wie hier oder sie kopieren Regierungserklärungen. sie können auch nichts anderes mehr machen da bei kritische Berichterstattung sie keine Regierungsquellen mehr bekommen. Und für eigene Berichte fehlt das Budget.

Dormouse
31
27.7.2010, 14:44

es muss wirklich schön sein, in ihrer welt...

Erwin Wolfram
50
26.7.2010, 23:25

kicher wer da an ungewollte Leaks glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Da ist dann youtube auch ein ungewolltes Leak. Der Obama saniert sich ohne Kosten indem er das unauffaellig und voellig ungewollte vorlegen laesst.

TanteMitzi
101
26.7.2010, 20:35

Der Spiegel will mit der Information ein Geschäft machen. Mehr ist für die Firma nicht drinnen.

Die Leute beim Guardian haben einen anderen Horizont.

Fleischsack, größtenteils aus Wasser
04
26.7.2010, 22:11

Ja, und? Warum sollten sie nicht? Hast du ein Recht drauf, dass die vier Wochen lang arbeiten, nur damit du es gratis kriegst?

Es gibt genug Quellen im Netz. Wenn du die Spiegel-Artikel lesen willst, musst du den Spiegel entweder kaufen oder raubkopieren.

Advaita0
03
26.7.2010, 21:45
JEDE Zeitung wird mit Enthüllungen Geschäfte machen!

Aufwachen !! und willkommen in der Realität

Waldgaenger
42
26.7.2010, 19:49
Anmerkung

Die Inanspruchnahme der Task Force 373 durch die deutsche Bundeswehr erfüllt meines Erachtens den Tatbestand des Mordes und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, weil ganz offenkundig ist, dass sich diese Einheiten außerhalb jeglicher internationaler Kriegsordnung bewegen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
20
27.7.2010, 11:35
Jetzt werden Sie mal nicht bürokratisch

Der Gegner arbeitet auch unorthodox und ohne Stempelgebühr und Meldeformulare.

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