Gedenkmesse nicht (nur) für Dollfuß

07. Juli 2010 16:34

Am 2. November wird nach Absage der Dollfuß-Messe aller verstorbenen Kanzler und Mitarbeiter des Kanzleramtes gedacht

Die für Montag, 26. Juli geplante und am Dienstag abgesagte Gedenkmesse anlässlich des Todestages von Ständestaats-Kanzler Engelbert Dollfuß wird nun am 2. November stattfinden. (derStandard.at berichtete) Dabei wird nicht nur Dollfuß, sondern aller verstorbenen Kanzler sowie den verstorbenen Mitarbeitern des Kanzleramtes gedacht, gab das Bundeskanzleramt bekannt.

Die Gedenkmesse fand seit den 1960er Jahren rund um den Todestag des autoritär regierenden christlichsoziale Bundeskanzlers statt. Die Absage war erfolgt, da laut Kanzleramt das Datum zu "ungewollten politischen Interpretationen" geführt habe. Denn es habe sich schon seit jeher nicht explizit um eine Messe für Dollfuß, sondern für alle verstorbenen Kanzler gehandelt, hieß es aus dem Bundeskanzleramt.

Der seit 1933 autoritär regierende christlichsoziale Bundeskanzler Dollfuß war am 25. Juli 1934 von nationalsozialistischen Putschisten getötet worden. Dollfuß hatte zuvor das Parlament ausgeschaltet und reagierte per Notverordnung. Im Februar 1934 ließ Dollfuß gegen den sozialdemokratischen Schutzbund schießen, der folgende Bürgerkrieg forderte Hunderte Tote und besiegelte das Ende der demokratischen Republik der Zwischenkriegszeit. (APA)

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the cato eater
14.07.2010 12:11
es nervt

wenn ein mörder, staatsverbrecher und demokratiebeseitiger wie dollfuß euphemistisch als "bundeskanzler" bezeichnet wird.

pater hirni
15.07.2010 19:16
schüssel ging als dritter ja auch in opposition

und nicht in popoposition vor haider.

warp.faktor
13.07.2010 21:23
Da fehlt doch was!

Wer? Wo?

An soviel redaktionelle Unfähigkeit kann ich nicht glauben, Geht´s hier nur um Provokation?

Katze Konstantine
13.07.2010 20:08
Eine Gedenkfeier

haben Karl Münichreiter und Koloman Wallisch und die anderen von Dollfuß ermordeten verdient. Dollfuß hat nichts anderes verdient, als dass man ihm wünscht, dass die Hölle, als die er wohl als Katholik geglaubt hat existiert, damit er dort für seine Untaten büßen kann.

gerry73
16.07.2010 21:14
es gibt auch andere

Es gab weitere Opfer. Z.B. jene Bundesheerangehörigen und den zivilen Taxifahrer aus dieser Epsiode. Sie wurden unvorbereitet angegriffen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Bulgari

Dollfuß hat Verbrechen begangen. Jedoch jeden Schutzbundangehörigen zum Freiheitskämpfer zu stilisieren ist etwas einseitig.

Heinrich POELL
12.07.2010 15:25
Wie traurig ...

... da wird unser Tschüsserl jetzt ganz privatim ein Kerzerl vor seinem persönlichen Heiligenbild anzünden müssen.

philippe glatz1
11.07.2010 10:34
Typisch oesterreichisch.

Naja, mit einem Wort. "Nein" sagen taeten wir schon wollen, aber trauen duerfen wir uns nicht. Eigentlich zum lachen, wenn's nicht so tragisch waer.

gerry73
10.07.2010 10:42
pax

an beide seiten. Der Ständestaat war eine Diktatur allerdings nicht menschenverachtend. Eine Messe für Dollfuß ist nicht angebracht. Seine Taten müssten geschichtlich korrekt aufgearbeitet werden, vor Gericht stellen kann man ihn ja nicht mehr. Seine Ermordung war ein Verbrechen und Verrat. Denn sie geschah um ein nationalsozialistisches Regime geleitet von einer ausländischen Macht zu installieren. Österreich war zu diesem Zeitpunkt geteilt, an Demokratie wurde nicht geglaubt, beide Seiten agierten mit paramilitärischen Verbänden genannt Schutzbund und Heimwehr. Beide Seiten haben dadurch Schuld auf sich geladen.

the cato eater
14.07.2010 12:22
das ist der übliche,

vornehmlich von der övp verbreitete schmus von der "geteilten schuld". jedoch:
WER hat die demokratie in diersem land beseitigt?
WER hat ein wiederzustandekommen des nationalrates nach der angeblichen "selbstauflösung" mit polizeigewalt verhindert?
WER hat den verfassungsgerichtshof zerschlagen?
WER hat sozialdemokraten ermorden lassen?
war das etwa eine konzertierte aktion von sozis und schwarzen austrofaschisten??
und es ist auch so eine blödsinnige mär vom "märtyrer für ein unabhängiges österreich": dollfuß hat die energischsten gegner des ns systems als erste einsperren oder töten lassen. als die nazis a kassierten war das land eine verschmurgelte hinterwäldlerdiktatur. wäre a demokratisch gewesen, die welt hätte anders reagiert.

gerry73
14.07.2010 22:27
geschichtsunterricht

Ich denke, es ist schon notwendig zwischen den ständestaat und dem ns-regime zu unterscheiden. Klar eine Diktatur ist nicht richtig, jedoch man muss die einzelnen Verbrechen schon etwas genauer differenzieren. Wer das nicht tut, wäre in so einer Situtation nicht besser.

Ein Bespiel:
> Wer hat sozialdemokraten ermorden lassen? Welche meinst Du? Meinst Du die Schutzbundmitglieder, z.B. in Linz. Sie waren bewaffnet, unter Mord verstehe ich etwas anderes.

warp.faktor
13.07.2010 21:32
Klassische Täter-Opfer-Umkehr!

Eine "nicht menschenverachtende Diktatur"?
Ab wie vielen Toten wäre es den "menschenverachtend"?

Heute werden Tierschützer als Terroristen denunziert obwohl sie nicht mal jemand verletzt haben,

... aber eine Regierungspartei glorifiziert straffrei einen Bürgerkriegsauslöser und Massenmörder.

gerry73
14.07.2010 22:11
qualität

Also ich denke, dass es schon einen unterschied macht, ob ich jemanden das recht zu wählen stehle oder sein leben. Es macht weiters einen unterschied, ob ich bewaffnete kräfte angreife oder unbewaffnete. Der Ständestaat ware eine Diktatur, keine Frage. Jedoch muss ich schon die Schwere eines Verbrechens einschätzen, und bei einer Person die persönliche schuld. Wenn man nicht differenzieren kann, wird man in einer ähnlichen situation dieselben fehler machen, da blinder hass der ursprung solcher konflikte ist.

Dagobert Glavoschnikow
10.07.2010 12:33

Eine Messe lesen lassen ist nichts Böses. Schon gar nicht für ein Opfer des NS.

warp.faktor
13.07.2010 21:34
Die glorifizierung von Gewalttätern, Kriegstreibern und Massenmördern ist etwas Böses!

gerry73
12.07.2010 19:34
aber bedenklich

Dollfuß hat das Wiederzusammentreten des Parlaments verhindert und Waffengewalt eingesetzt. Eine Messe für Dollfuß wäre ein falsches Zeichen, er stand für das Versagen der Demokratie in der 1. Republik sowie für eine Spaltung Österreichs.

more more
13.07.2010 10:13

Dieser Logik nach dürfte man für niemanden der in der damaligen Zeit gelebt hat, eine Messe halten.
Und eine Messe ist nichts Verwerfliches, man hält sie sogar für Sünder.

warp.faktor
13.07.2010 21:40
Eine katholische Messe lesen zu lassen ...

... ist kein kritischer Zeitgeschichte-Unterricht, sondern ein Bekenntnis zu einer bestimmten Person.

In diesem Fall einem Diktator, Terrorist und Massenmörder.

z1303
13.07.2010 14:05
... aber nicht im Bundeskanzleramt.

Für Sünden ist sein Beichtvater zuständig. Beichten ist sehr was Intimes.

pater hirni
10.07.2010 21:04
was zahlt die nsjvp eigentlich?

puzzled
10.07.2010 13:09
Aber nicht Aufgabe des Staates.

Wir sind immerhin säkular.

Ich bin der Meinung...
12.07.2010 17:20
Das glauben Sie hoffentlich nicht wirklich, oder?

Österreich und sekulär. Ein klein wenig sekulärer wie der Vatikan, aber so überhaupt nicht vergleichbar mit aufgeklärten Demokratien wie Frankreich.

puzzled
13.07.2010 15:40
Da haben Sie leider recht.

Laizismus wie in z.B. Frankreich praktiziert halte ich für das erstrebenswerte Ziel.

Dagobert Glavoschnikow
10.07.2010 08:23

"Ganz in geistige Implosion der Republik gehört auch der Umstand, dass das Bundeskanzleramt die Gedenkmesse für den 1934 beim Nazi-Putschversuch ermordeten Bundeskanzler Dollfuss einfach absagt. Offenbar ärgert es den Herrn Faymann, als er erfahren musste, dass ein “Schwarzer” das erste politische Opfer der Nazis war und nicht die Erfinder des Antifaschismus (denen die Erfindung freilich erst lange nach 1945 geglückt ist, da deren Führer ja noch lange für den Anschluss eingetreten sind)."
A.U.

Katze Konstantine
13.07.2010 20:05
Für einen Mörder

braucht man keine offizielle staatliche Gedenkmesse lesen, auch wenn er nachher von einem anderen Mafiaclan selbst ermordet wurde. Oder ist ein übler Mafiaboss plötzlich ein Guter, bloß weil er von einem noch böseren Clan dann schließlich selbst um die Ecke gebracht wird?

Josef A.
11.07.2010 11:09
Onkel Dagobert erzählst wieder einmal eine Lüge !

Dollfuß war nicht das erste nationalsozialistische Todesopfer in Österreich!
Der sozialdemokratische Wehrsportler Robert Zimmerbauer wurde am 4.3.1933 nach einer Parteiveranstaltung in Mattighofen von sechs Nationalsozialisten überfallen und erstochen.
Darum bitte mit der ewigen Legendenbildung um Dollfuß aufhören.
Der, wie andere Gewalt sähende Dollfuß , ging dann ebenfalls in dieser Gewalt unter.

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