Kanzleramt sagt Dollfuß-Messe ab

6. Juli 2010, 18:06
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    foto: der standard/newald

    Das Dollfuß-Bild im Bundeskanzleramt wurde entfernt.

STANDARD-Bericht zeigt Wirkung: Nach Jahrzehnten kein Gedenken

Wien - Der Standard-Bericht hat Wirkung gezeigt. Die Gedenkmesse für Engelbert Dollfuß, die für den 26. Juli in der Kapelle des Bundeskanzleramtes angesetzt war, wurde am Dienstag abgesagt. Staatssekretär Josef Ostermayer selbst soll die Absage betrieben haben. Eine Messe wird voraussichtlich im November, rund um Allerheiligen, stattfinden. Dann soll aller verstorbener Bundeskanzler in der Hauskapelle gedacht werden.

Eine Gedenkmesse für den von den Nazis ermordeten Austrofaschisten Dollfuß findet jährlich seit den 1960er-Jahren statt, das Bundeskanzleramt selbst hat noch am Montag darauf verwiesen, dass es die Gedenkmesse um den Todestag auch unter sozialdemokratischen Bundeskanzlern gegeben habe. Am Dienstag erklärte Leo Szemeliker, Sprecher des Bundeskanzlers: "Das zunächst routinemäßig festgelegte, aber historisch eindeutig konnotierte Datum des 26. Juli hat jetzt in der Öffentlichkeit zu ungewollten politischen Interpretationen geführt, deswegen diese Entscheidung. Eine öffentliche Diskussion mit dieser Färbung ist, obwohl sich die Usance über Jahrzehnte hinweg eingeschliffen hat, besonders auch vor dem aktuellen Hintergrund unpassend: Die Präsidentin des Nationalrates arbeitet gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt und dem Historiker Oliver Rathkolb an einer parteiübergreifenden Initiative, die alle demokratisch gesinnten Opfer des Regimes 1934 bis 1938 rehabilitieren soll."

Unter dem christlich-sozialen Bundeskanzler Dollfuß schaltete sich 1933 das Parlament aus, Dollfuß schuf mit der Maiverfassung 1934 einen autoritären Ständestaat. Am 25. Juli 1934 wurde er im Verlauf des Juliputsches von den Nazis ermordet. Für die ÖVP gilt Dollfuß als ein Opfer des Nationalsozialismus, das sich für ein eigenständiges souveränes Österreich eingesetzt hat.

Der ehemalige Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) ist von der Absage der Messe überrascht. Für ihn hat diese Messe keinerlei politische Bedeutung, sie sei schlicht ein Akt der Pietät. "Diese Messe hat es immer gegeben", sagt er. Immerhin sei Dollfuß als Bundeskanzler im Amt ermordert worden, außerdem gebe es Nachkommen. Khol: "Es ist eine Frage der Traditionspflege, politische Bedeutung hatte das keine."

Warum es Staatssekretär Ostermayer wichtig war, die Messe abzusagen, zeigt ein Blick in seine Familienhistorie. Ostermayer ist in Schattendorf im Burgenland geboren. Das "Kind von Schattendorf", der achtjährige Josef Grössing, war Bruder von Ostermayers Großmutter. Der kleine Bub war im Jänner 1927 in Schattendorf aus Neugier auf die Straße gegangen und bei einer Schießerei von linken Schutzbündlern und rechten Frontkämpfern ums Leben gekommen. Der Freispruch für die Täter hatte zur Revolte und zum Justizpalastbrand geführt. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2010)

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apostata
00
die blutschuld v.dollfuss

Besonders gravierend sei die Rolle des Bundeskanzlers bei der Hinrichtung von acht sozialdemokratischen Gefangenen während der bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen im Februar 1934: Auch wenn formal Justizminister Kurt Schuschnigg für Begnadigungen zuständig gewesen wäre, seien die Exekutionen doch in einer Kabinettssitzung unter der Führung von Dollfuß beschlossen worden. Daran habe auch eine eindringliche Intervention von Kardinal Theodor Innitzer nichts ändern können. Wörtlich sprach Liebmann von einer "Blutschuld" des Kanzlers.

Demokratiefan
00
Eine Frage

war die Todesstrafe damals Teil der Gesetze?

Woyt'sa Vadshn?
01
Bitte!

Wieso bleibt Khols Aussage von der 'Kameradschaftspflege' so völlig unkommentiert! Sämtliche Nazigruppierungen berufen sich darauf, wieso darf ein angeblich bekennender Demokrat ungestraft auf dem selben Klavier spielen????

Demokratiefan
00
kann daran liegen...

dass Kameradschaft nicht etwas Nazi-spezifisches ist.

Der Alpenverein beruft sich ebenso auf Kameradschaft wie die freiwillige Feuerwehr.

Net gleich bei jedem Wort, welches die Nazis gern verwendet haben den Beißreflex zulassen.

Seria
10

so viele Postings: viel Interesse an einer Messe in dieser aufgeklärten Gesellschaft, oder ist sie gar nicht so aufgeklärt?

Thomas Felder1
12

posts lesen und zweifeln

Samba Jehovo
20

ja, zweifel nur. das tut dir gut.

Christiano Schubertino
134
Die Roten spielen sich schon wieder.

So wie der lächerliche Schutzbund damals: Hat Wind gesät und Sturm geerntet. Aber dann bis heute gejammert. Elend.

Thomas Felder1
18

genau, niemals dem dikator widersprechen !

Samba Jehovo
10

lernst du das so bei den roten Falken?

anahid
 
00
die ewige Opferrolle Österreichs

...wann hört das endlich auf?

Hindi Fuchstritt
52

Die Linken sehen sich gerne als Opfer und jammern halt oft.

Thomas Felder1
00

nie. wobei die "opfer" rolle differenziert zu betrachten ist, genauso wie die "Täterrolle"

Tolja Tokarev
110
Oberflächliche Geschichtsdarstellung

Die Absage der Gedenkmesse für den Millmeternich ist erfreulich. Nicht erfreulich ist die unkorrekte Geschichtsdarstellung in M.Völkers Artikel; es gab keine Selbstausschaltung des Parlaments, sondern eine Geschäftsordnungskrise, als Parlamentarier in einer Fortsetzung der abgebrochenen Sitzung die Krise beenden wollten, wurden sie auf Befehl Dollfuß
verhaftet, damit war der Weg zur Diktatur frei. Alles in Brauneders Rechtsgeschichteskripten nachlesbar.Die Niederschlagung der, die Demokratie verteidigen wollenden Arbeiter im Februar 1934 und die folgenden Justizmorde durch Dollfuß & Co bleiben unerwähnt.
Besonders unappetitlich: der gleiche Absatz stand schon am 6.7. im Standard.Liest kein Redakteur mehr die eigene Zeitung? Blattkritik?

Urfahraner Auge
11
Nur mal kurz nachgedacht:

Was waere eigentlich in den 30ern passiert, wenn Östereich Demokratie geblieben waere? Waeren die Nazis, sagen wir z.B. bei der Wahl 1936, demokratisch an die Macht gekommen? Warum bzw. warum nicht?

Thomas Felder1
11

schwer zu sagen.
aber den anschluss hätte es trotzdem gegeben, vielleicht mit bisschen mehr widerstand

Urfahraner Auge
10
PS: Linzer Programm 1926:

"Die Sozialdemokratie betrachtet den Anschluß Deutschösterreichs an das Deutsche Reich als notwendigen Abschluß der nationalen Resolutionen von 1918. Sie erstrebt mit friedlichen Mitteln den Anschluß an die Deutsche Republik."

tante kommunismus
00
15.7.2010, 02:07
1933 aufgehoben

Urfahraner Auge
00
15.7.2010, 06:11
Wann, wo, durch wen?

Urfahraner Auge
10
Wieso mit mehr Widerstand?

Corpo
01

Ich glaub bei der Franco Bavaria gibts heute eine Krisensitzung :)

ingrid mueller
03

abgesagt, weil die Dollfuß-Gedenkmesse findet doch statt

ignazius rummsfeld
06
Klar ist: heute würde es die ÖVP ebenso machen.

Sonst wäre ihre Verehrung für diese Person ja ohne rationale Grundlage.
Daraus folgt:

-

-
-

SODA SODA
228
Typisch wie die Linken ihre Ersatzreligion

immer hemmungsloser und unverschämter ausbreiten.
Was kommt als nächstes? Der Leninfeiertag?

ignazius rummsfeld
25
Nein, Du Leuchte:

morgen verbieten wir die ÖVP, und wem es nicht passt wird verhaftet.
Macht man doch so - oder

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