ÖBB vs. Google: Keine Fahrplandaten für Google Maps

16. Juni 2010, 11:45
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Die ÖBB stellt Google keine Daten mehr zur Verfügung – eigener Service Scotty "präziser"

Vor wenigen Tagen startete Google seinen Navigationsdienst in Österreich. Nutzer können sich damit am Handy zum gewünschten Ort navigieren lassen. Für Autofahrer werden aktuelle Informationen wie etwa das Verkehrsaufkommen einbezogen. Den Navi-Dienst gibt es auch für Fußgänger. Alleine, Verbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel, die für den nicht-motorisierten Nutzer interessant wären, fehlen. Die ÖBB stellt Google diese Daten nicht mehr zur Verfügung. Wer schuld ist, daran scheiden sich die Geister.

Keine Fahrplandaten mehr

Im Rahmen der EURO 2008, die von Österreich und der Schweiz ausgetragen wurde, hatte die ÖBB ein Projekt gestartet, Google Fahrplandaten für Google Maps zur Verfügung zu stellen. Seit dem Fahrplanwechsel 2009/2010 werden diese Daten der Suchmaschine jedoch nicht mehr übermittelt. Für einige Nutzer eine ärgerliche Situation. "Für mich persönlich ist es einfach eine Frechheit, Daten öffentlichen Interesses zurückzuhalten", schreibt Leser Harald S. Seitens der ÖBB hat man einem Kunden auf Anfrage wissen lassen, dass die "Berechnungsalgorithmen für Verbindungsanfragen bei Google und ÖBB verschieden" seien, systembedingt könne es daher "immer wieder zu unerwünschten unterschiedlichen Ergebnissen kommen". Über Google könne zudem nicht auf kurzfristige Störungen hingewiesen werden. " Die aus Kundensicht zunehmend geforderte Darstellung von Echtzeitinformationen in der Fahrplanauskunft ist nur über die Fahrplanauskunft der ÖBB möglich", heißt es in dem im Google-Support-Forum veröffentlichten Mail weiter.

iPhone-App

Die ÖBB weist auf die eigene Fahrplanauskunft Scotty hin, die Verbindungen von Bahn, Überlandbuslinien, U-Bahnen, Stadtbuslinien, Straßenbahnen und einige Schiffsverbindungen berücksichtigt. Der Service ist online abrufbar. Für iPhone gibt es seit Juni 2009 zudem eigene, kostenlose Apps. Nutzer vermuten dahinter den eigentlichen Grund, wieso keine Daten mehr an Google übermittelt werden. Mit der Integration in Google Maps hätten wohl weniger Personen die ÖBB-Fahrplanauskunft genutzt, wird gemutmaßt. Die iPhone App wurde mittlerweile nach ÖBB-Informationen 50.000 Mal heruntergeladen.

"Zum Schmied, nicht zum Schmiedl"

Seitens der ÖBB heißt es auf Anfrage des WebStandard, dass man keine guten Erfahrungen mit Google im Rahmen der EURO 2008 gesammelt habe, so ÖBB-Pressesprecher Thomas Berger. Das Routing von Google sei vor allem auf Autofahrer ausgerichtet und für Fußgeher bzw. Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel nur bedingt nutzbar. Nach der EURO habe die ÖBB weiterhin eine Zusammenarbeit mit Google angestrebt. Die ÖBB wollte Google mit Fahrplandaten beliefern, doch die Berechnung sollte von der ÖBB erfolgen. Dem habe Google nicht zugestimmt. Europaweit mache das nur die Schweizer Bahn, andere Bahnlinien würden die Übermittlung der Daten an Google ebenfalls ablehnen. Die eigene Fahrplanauskunft Scotty sei sicherer und präziser. "Man soll gleich zum Schmied gehen und nicht zum Schmiedl", so Berger. Derzeit noch in Google verfügbare Daten würden von 2008 stammen.

Wiener Linien arbeiten an Lösung

Etwas anders sieht die Situation seitens der Wiener Linien aus. Zwar gibt es auch hier keine aktuellen Daten für Google, doch man arbeite an einer Lösung. "Obwohl wir als Verkehrsunternehmen nicht die Funktionalität von Google Maps garantieren können und dies auch nicht in unseren Aufgabenbereich fällt, arbeiten wir mit diesem Unternehmen und dem VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) an einer Lösung", heißt es in einem Antwort-Mail seitens des Kundendienstes auf eine Kundenanfrage, die dem WebStandard weitergeleitet wurde. Man sei daran interessiert, den Service wieder zur Verfügung zu stellen. Einen Zeitrahmen könne man aber nicht nennen. "Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch darauf hinweisen, dass von Seiten der Wiener Linien keine Daten zurückgehalten werden", heißt es weiter. Google war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar. (Birgit Riegler/derStandard.at, 16. Juni 2010)

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