Nicht nur Schüler "schwänzen" Schule

Lisa Aigner, 18. Mai 2010 13:19
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    Diskussion um "Arbeitsplatz und Lernumfeld Schule" im Bifie-Institut. Claus Reitan (links) moderierte.

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    Johannes Mayr von der Universität Klagenfurt und Fritz Kast von der Pädak Burgenland zweifelten an der Qualität der Fortbildungen, welche die österreichischen Lehrer und Lehrerinnen absolvieren.

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    Martin Hartmann, Experte für Schulmanagement, kritisierte, dass es an den Schulen keine geteilte Führung gibt. Die Führungsverantwortung liegt allein beim Direktor oder der Direktorin.

Bifie-Bildungsexperten fordern Konsequenzen für "disziplinlose" Lehrer und neue Auswahlkriterien bei Lehramtsstudierenden

Auch Lehrer schwänzen den Unterricht, kommen zu spät oder bereiten sich schlecht auf den Unterricht vor. Diese Lehrer müssen damit rechnen, dass ihre Schüler es ihnen gleichtun. Zu diesem Schluss kommt die Analyse der Talis-Studie 2008 des Bifie (Institut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens). Die Talis-Studie wurde von der OECD initiiert und untersucht die Schule Lernumfeld und Arbeitplatz in 23 Ländern.

Die Forscher waren besonders darüber überrascht, dass eine sogenanntes "konstruktivistische Unterrichtsauffassung" (Lehrer geben ihren Schülern hierbei die Möglichkeit, sich die Lehrinhalte selbst anzueignen), zu mehr Vandalismus und Bullying bei den Schülern führt. Dieses "abweichende Verhalten" nimmt auch zu, wenn die Lehrer selbst eine "schlechte Lehrdisziplin" an den Tag legen. Das tun sie auch. So gaben die Schulleiter an, dass beinahe zehn Prozent der Lehrer zu spät kommen, über zwanzig Prozent "sehr viel" oder "zu einem gewissen Ausmaß" abwesend sind und sich vierzehn Prozent nicht genügend auf den Unterricht vorbereiten.

Bei Lehrerauswahl auf Disziplin achten

Ferdinand Eder, einer der Studienautoren, rät deshalb, die Lehramtsstudierenden besser auszuwählen. Es sollten jene Personen als Lehrer aufgenommen werden, die bereit sind, "Regeln einzuhalten", sagt der Salzburger Universitätsprofessor. Eine andere Möglichkeit wäre, gegen Lehrer, die oft im Unterricht fehlen oder zu spät kommen, ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Dies passiere jedoch äußerst selten, so Eder. 

Die Analyse der Studie ergab, dass sich Lehrer in Österreich sich überdurchschnittlich viel fortbilden. So gaben 97 Prozent der Befragten an, in den letzen 18 Monaten bei einer Fortbildung gewesen zu sein. Mit nur insgesamt elf Tagen in eineinhalb Jahren waren diese jedoch überdurchschnittlich kurz. In der Diskussion über die Analyse stellte Johannes Mayr, Experte für Fort- und Weiterbildung von Lehrern, jedoch fest, dass diese Kurse oft "Alibiaktivitäten" seien. Lehrer würden solche Fortbildungen auswählen, die in der Nähe des Schulstandortes, oder ihres Wohnortes seien und nicht jene, die sie brauchen würden.

Lehrer-Fortbildung zum Weinsommelier

Fritz Kast von der Pädagogischen Hochschule Burgenland erzählte, dass sich Lehrer selbst Kurse zum Wein- und Käsesommelier, absolvieren können. Verpflichtende Fortbildungen, wie sie für Hauptschul-Lehrer vorgesehenen sind, sind laut Mayr jedoch nicht immer zielführend. Auch eine Vorgabe an Stunden, die zu absolvieren sind, würde er nicht unbedingt begrüßen. "Der primäre Ansatz sollte sein, dass die individuelle Lehrperson nach der Fortbildung das Gefühl hat, etwas wirksames gelernt zu haben", sagte er. Die Studienautoren empfehlen deshalb, dass die gezielte Fortbildung von Lehrern forciert werden soll.

Auch die Strukturen an Österreichs Schulen sind für die Fortbildung von Lehrern nicht unbedingt positiv. So machten die Experten darauf aufmerksam, dass sich Lehrer weder bei der Schulleitung noch bei den Kollegen beliebt machen, wenn sie auf Fortbildung fahren: Der Direktor oder die Direktorin muss administrative Änderungen vornehmen und die Kollegen müssen seine Schüler in dieser Zeit unterrichten.

Zu wenig Personal

Im Bereich Schulmanagement wurden durch die Studie weitere Mängel aufgedeckt. Während beim Durchschnitt der an der Studie teilnehmenden Länder auf eine "pädagogisch unterstützende" Person (also Beispielsweise Psychologen, Sozialarbeiter, oder Logopäden) sechzehn Lehrer kommen, muss in Österreich  eine Person 29 Lehrer unterstützen. Beinahe achtzig Prozent der Schulleitungen der Österreichischen Schulen gaben an, dass dieses fehlende Personal den Unterricht beeinträchtigt. Diese Situation kann auch die Überlastung der Lehrer fördern, so die Experten.

Mehr Schulautonomie bei Auswahl der Lehrer gefordert

Bezüglich der Schulautonomie stellt Österreich im Vergleich zu den anderen Ländern ein Unikum dar. Während die Schulleitung im Bereich des Lehrpersonals und des Budgets der Schule nur sehr eingeschränkt tätig werden kann, kann der Lehrplan recht frei umgesetzt werden. Auch die Auswahl der Schüler sowie Disziplinmaßnahmen kann die Schule weitgehend selbst bestimmen. Juliane Schmich (Bifie) erklärte, dass befragte Schulleiter den Wunsch geäußert hätten, auch bei der Auswahl von Lehrern aktiv zu werden. (Lisa Aigner, derStandard.at, 18.5.2010)

Wissen:

Die Talis-Studie (Teaching and Learning International Survey) ist eine internationale Studie über die Arbeitsbedingungen und das Lernumfeld von Lehrern und Lehrerinnen. Insgesamt nahmen 23 Länder an Talis 2008 teil, 17 davon sind Mitgliedsstaaten der OECD. In Österreich wurde der Auftrag zur Studie von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gegeben. Es wurde die Sekundarstufe 1, also die Hauptschule und die AHS-Unterstufe untersucht. Knapp 300 österreichische Schulen und über 4.000 Lehrer wurden dazu befragt.

Nachlese zur Veröffentlichung der Talis-Studie:

Österreichs Lehrer wünschen sich Feedback und Wertschätzung

Links:

Bifie-Report zu Schule als Lernumfeld und Arbeitsplatz

Bifie: Erste Ergebnisse der Talis-Studie

Talis

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asinus
20.05.2010 20:38

Mankönnte alle Misstände beheben, z.B. die Zahl der Schulpsychologen erhöhen, die Fortbildung straffen, die Klassenhöchstzahl verkleinern, dann wäre ja allen geholfen. Statt dessen wird entweder nix gemacht (kostet ja Geld, und das haben wir gerade den Banken reingeschoben) oder es kommen abstruse Vorschläge.

drwestbahn
20.05.2010 14:56
27% der Journalisten schreiben regelmäßig Unsinn und 33% beherrschen die deutsche Sprache nicht!

So, und jetzt such ich mir noch eine Studie, die das belegt.

asinus
20.05.2010 02:07

Hr. Eder ist ein Witzbold: "Nur Lehramtsstudenten aufnehmen, die bereit sind, Regeln einzuhalten". Bis zum Umfallen anscheinend, und die allermeisten sind bereit, Regeln einzuhalten, aber wenn am Arbeitsplatz gar nix stimmt, wenn jetzt wieder gespart wird (1,6 % ist die neue Vorgabe), wenn ein Deutschlehrer heuer 33 Hefte zur Matura verbessern muss, und die nächste 5. Klasse mit 35 Schülern besetzt wird, dann hört der Spass irgendwann auf.

Murmelchen1
19.05.2010 21:20
Was hat der gute Herr Kast denn gegen eine

Wein- und Käsesommelier Ausbildung? Ist es an ihm vorüber gegangen, dass die humanwirtschaftlichen Schulen in Österreich solche Sachen in den Fächern Kochen- und Servierkunde unterrichten??
Ist übrigens keine leichte Ausbildung.

asinus
20.05.2010 07:20

Ich glaube, der Yuppie hat nicht viel Ahnung von der Praxis, wie die meisten "Bildungsexperten"...

LL MM
19.05.2010 21:41

Im Herbst 2009 waren diverse Fortbildungen auch ein Thema. Heraugeklaubt hat man sich "Kochen mit Kräutern" (oder so ähnlich), Lachyoga und irgendwas mit Sport (ich glaube es war Tennis).

Da hat man sich auch öffentlich drüber lustig gemacht, hat aber "vergessen", dass es eine Menge von Hauswirtschaftslehrerinnen (Kräuter) gibt, Turnlehrer sowieso und was das Lachyoga angeht, habe ich persönlich zwar zu sowas null Zugang, aber ich würde das grad in einem Bereich, in dem Pädagogik und Psychologie eine große Rolle spielen, nicht a priori ins Lächerliche ziehen.

isai
21.05.2010 08:52
Die, die sich darüber aufregen, gehen wahrscheinlich in den Keller lachen,

weil sie in ihrem Eifer hauptsächlich von Neid geplagt sind.

Quim Barreiros
19.05.2010 21:13
Bifie?

Ist das nicht dieses dubiose Institut eines Herrn, der seinen ukrainischen Nachnamen nach keiner mir bekannten Norm transkribiert?

Victoria Karl
 
27.09.2011 22:59

ist das eine wichtige Information? nein

Helmut Gaul
19.05.2010 20:36
oje

offenbar hatte der autor dieses artikels äußerst miese deutsch-lehrer.
mich verwundert, wie so jemand im "standard" (qualitätsjournalismus) unterschlupf finden kann.
und - man merkt: die sommerferien an den schulen rücken näher; sohin ist lehrer-bashing angesagt.
bravo! naja, jede gesellschaft braucht ihr feindbild, "die russen" sind uns ja abhanden gekommen ...

Victoria Karl
 
27.09.2011 23:06
Idiotie

Das wiedereinmal Lehrer-Bashing angesagt ist auf das regen sie sich zu jeder Jahreszeit auf! Aktuell auch wieder bezüglich der Aussagen von Mayr und Amon.

Das es aber nichts mit der Jahreszeit sondern mit den wiederwärtigen Qualitätsstandards zu tun hat wird Ihnen - dem bildenden Volk - selten bewusst. Wie kann man so Ressisten sein?

Teachernews
23.05.2010 17:30

Naja die Russen waren nur solange das Feindbild, bis man gemerkt hat, dass es Lehrer gibt. Die sind noch schlimmer.

marie berg
19.05.2010 21:31
sie dürften

den artikel - ob gut oder schlecht spielt jetzt keine rolle - wohl nicht wirklich gelesen haben, sonst wäre ihnen aufgefallen, dass es sich um eine autorin handelt. hauptsache "bashen"?

Sche
20.05.2010 09:12
Meine untere Frage bezog sich...

...eigentlich auf ein gestriges Posting von Ihnen zum selben Thema.

Marie Berg, 19.05.2010, 22.03:
"ich meine genau das, was ich geschrieben habe. wenn sie der artikel stört, dann schreiben sie doch dem autor oder dem chefredakteur ein mail."

DEM Autor ist doch auch männlich, oder?

marie berg
20.05.2010 10:01
ja eh.

die diskussion bezog sich auf diesen artikel:

http://www.oe24.at/oesterrei... 710719.ece

da ist kein autorenverweis drauf und ich bin halt keine gute gendermainstreamerIn - werd mich bemühen. wo genau liegt ihr nun problem?

Sche
20.05.2010 10:37
Problem gibt es überhaupt keines...

...vielleicht gendert "Helmut Gaul" nur genauso ungern wie Sie.

marie berg
20.05.2010 11:06
wenn es

offensichtlich ist, dass es von einer frau geschrieben wurde, hat es wohl nix mit gendern zu tun.

Sche
20.05.2010 07:28
Lisa Aigner ist ein Mann?

Hubert Berger
19.05.2010 20:12
tja...

... fact ist, dass seit jahren keine gute lehrerfortbildung mehr angeboten wird. ich unterrichte seit 25 jahren, in den letzten 10 jahren gab es kaum eine gute lehrveranstaltung.
darum sollte sich die frau ssr-präsidentin kümmern, nicht das steuergeld für lippenstifte ausgeben, damit die schüler plakate küssen können. aber genau d a s ist die realität des schulwesens der letzten jahre. und schuld sollen die lehrer sein?????
aber wirklich nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!! (obwohl es natürlich wie in allen berufsgruppen etliche "owezahrer" gibt).

lehrer
19.05.2010 20:01
ewige leier

immer wenn eine studie auf missstände im lehrerbereich hinweist, beginnt ein pauschales "lehrerbashing"...
betreff: weiterbildung....lehrerweiterbildungen müssen von direktoren genehmigt werden....
auch wenns lustig klingt: fortbildungen zum sommelier sind für lehrer an tourismusschulen naturgemäß wichtig....
alle pflichtschullehrer müssen fortbildungen pro jahr nachweisen...

A. Sieberer
19.05.2010 19:52

Lehrerbashing ist immer wieder ein Spaß, weil keiner ägert sich so ausführlich, öffentlich und niveaulos wie die Lehrer.

isai
21.05.2010 08:55
Haben Sie Studien dazu?

Wie können Sie feststellen, dass keiner sich so ärgert. Bashing trifft ja nur einige Zielgruppen - gibt's da schon wissenschaftliche Studien bzw. Statistiken dazu, wer sich am meisten ärgert? Würde mich nicht mal wundern.

LL MM
19.05.2010 22:37

Ja, Bashing ist immer ein Heidenspaß. Das weiß der H. C. schon lange. Nur, dass der halt lieber andere Gruppen basht.

Ich gebs zu
19.05.2010 20:12
Sprechen Sie für sich selbst.

Vor allem, was das Niveau betrifft.

A. Sieberer
19.05.2010 20:51

Das meine ich ja, man schmeißt einen provokanten Brocken hin und bekommt einen größeren zurück und wenn man nichts besseres zu tun hätte könnte man sich damit herrlich den Abend vertreiben.

Man freut sich immer, wenn die eigenen Erwartungen so prompt erfüllt werden. Dankeschön.

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