Physiker Aichelburg: "Gravitationswellen als neues Fenster zum All"

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Im Chat erklärte Peter Aichelburg die Bedeutung dieser Entdeckung und warum damit eine neue Astronomie möglich wird


Wien – Hundert Jahre hat es gedauert, bis der Nachweis erbracht werden konnte, vergangenen Donnerstag war es dann so weit: Physiker des Gravitationswellen-Observatoriums Ligo gaben die erstmalige Messung von Gravitationswellen bekannt und bestätigten damit eine theoretische Vorhersage, die aus Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie folgt.

Im STANDARD-Chat bezeichnete Peter Aichelburg, theoretischer Physiker an der Universität Wien, Gravitationswellen als "ein neues Fenster zum All" – und beantwortete Userfragen zum Sensationsnachweis. Gravitationswellen würden es erlauben, "Dinge zu 'sehen', die bisher unsichtbar waren", meinte Aichelburg. "Auch werden Gravitationswellen es erlauben, weiter in die Vergangenheit zu sehen, das heißt, näher an den Urknall heran."

Genauester Maßstab der Welt

Zum Hintergrund: Ausgerechnet vor genau 100 Jahren, im Februar 1916, erwähnte Einstein Gravitationswellen zum ersten Mal schriftlich – in einem Brief an seinen Kollegen Karl Schwarzschild. Ironischerweise bezweifelte er darin allerdings deren Existenz. Wie der Wissenschaftshistoriker Daniel Kennefick von der University of Arkansas berichtet, änderte Einstein seine Meinung bezüglich Gravitationswellen noch einige Male: Schon 1918 war er von deren Existenz überzeugt und entwarf deren Theorie. 1936 behauptete er dagegen wieder, dass sie nicht existieren würden, um kurz darauf wieder das Gegenteil zu behaupten.

Der jetzige Nachweis von Gravitationswellen gelang mit zwei baugleichen Detektoren – einer in Livingston in Louisiana, der andere in Hanford, Washington. Diese bestehen aus zwei vier Kilometer langen Armen, wobei beim Eintreffen einer Gravitationswelle deren Längen verzerrt werden und sich dadurch ein minimaler Längenunterschied ergibt. Als am 14. September 2015 eine Gravitationswelle, die durch die Kollision zweier Schwarzer Löcher entstanden war, bei den Ligo-Detektoren eintraf, konnte eine Verzerrung in der Größenordnung eines Zehntausendstel des Durchmessers eines Protons nachgewiesen werden. Das macht Ligo sozusagen zum genauesten Maßstab der Welt. (red, 15.2.2016)