Zweites Speeddating der EU-Spitzenkandidaten: Karas in der Defensive

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Sieben Duelle, zwei ÖVPler. Listenzweite Karoline Edtstadler positionierte sich als Zeichen für einen türkisen Kurswechsel. FPÖ-Kandidat Vilimsky sieht sie eher in seinem Team


Mittwochabend stand das nächste Aufeinandertreffen der EU-Spitzenkandidaten an. Der Listenerste der ÖVP, Othmar Karas, durfte beim ORF-Diskussionsformat "2 im Gespräch" aber nur in zwei von drei Runden in den Ring steigen.

Eine Steilvorlage für die politische Konkurrenz. Er kenne sich gar nicht mehr aus, wer bei der ÖVP jetzt aller antrete, erklärte etwa SPÖ-Kandidat Andreas Schieder. Werner Kogler von den Grünen meinte süffisant: "Feigenblatt ist sich irgendwie noch ausgegangen, aber Selbstverleugnung?" Letzteres ist als Anspielung auf das parteiinterne Pommes-Gate zu werten. Kanzler Sebastian Kurz hatte ja die schmalen Kartoffelstangerl als Ausgeburt des Brüsseler Regulierungswahns ausgemacht.

Nummer Zwei, falsche Partei

Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) durfte am Ende des Reigens gegen FPÖ-Kandidat Harald Vilimsky antreten. Sie versuchte den Balanceakt zwischen Lob für die gemeinsame Regierungsarbeit und Kritik an den "rechten Freunden" der FPÖ. Der Blaue Kandidat versuchte es mit Analysekompetenz: Seiner Ansicht nach sei sie im falschen Team, die EVP sei nämlich "nach links gedriftet", Edtstadler wäre eigentlich als Nummer Zwei bei den Blauen besser aufgehoben. Eine Idee, der die Staatssekretärin nichts abgewinnen konnte – sie sei "klar europäisch".

In Erklärungsnot brachte der Freiheitliche seine Kontrahentin mit mehrfach geäußerten Mutmaßungen, in Wahrheit sei sie als künftige EU-Kommissarin vorgesehen. Ein klares Dementi gab es dazu nicht. Das seien Medienspekulationen und jetzt kein Thema, erklärte Edtstadler.

Kreide und Taferl

Auf Aktionismus setzte Europa Jetzt-Kandidat Johannes Voggenhuber: Er übergab Vilimsky gleich zu Beginn ein Stück Kreide, stellte aber fest, "mein gesamtes politisches Leben steht gegen alles, wofür Sie stehen".

Auch Andreas Schieder von der SPÖ hatte aktionistisch vorgesorgt. Er stellte im Laufe seiner Debatte mit Vilimsky ein Schild auf den Tisch. Die Aufschrift: "SPÖ voten, statt Identitäre Chaoten." Auf die Macht der Schilder setzte auch Grünen-Kandidat Kogler. Nämlich, um dem ÖVP-Kandidaten Karas das Abstimmungsverhalten der Konservativen beim Thema Klimaschutz im europäischen Parlament vorzuhalten. Die Illustration: Dinosaurier. Soll heißen: Die Parteienfamilie betreibe eine wenig klimafreundliche Politik.

Papp-Karas

Ein Schild der besonderen Art hatte der blaue Spitzenkandidat parat. Vilismky zog vor Edtstadler eine Papp-Version von Karas aus der Tasche. Nur zur Erinnerung, wer denn der Spitzenkandidat sei.

Als Einzige taferlfrei blieb Neos-Spitzenkandidatin Claudia Gamon. Sie verteidigte Freihandelsabkommen und erklärte in punkto EU-Erweiterung, auf dem Balkan gäbe es auch andere Perspektiven, als einen Beitritt – etwa eine Infrastrukturoffensive. (red, 15.5.2019)

Nachlese:

Achtmal "2 im Gespräch": Das war die erste Runde der ORF-Wahlduelle im Live-Ticker

STANDARD-Chat:

Chat mit Andreas Schieder (SPÖ)

Chat mit Werner Kogler (Grüne)

Chat mit Katerina Anastasiou (KPÖ plus)

Chat mit Johannes Voggenhuber (1 Europa)

Chat mit Petra Steger (FPÖ)

Chat mit Claudia Gamon (Neos)