Ratschiller: "Kurz als Baby-Hitler oder Kreisky? Beides ist übertrieben"

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Livediskussion mit dem Kabarettisten Hosea Ratschiller und "EU-Bauer" Peter Tisal nach Mascheks Neonazi-Strache-Sager und der Kritik am deutschen Satiriker Jan Böhmermann


Gibt es eine moralische Grenze für Satire, oder darf politischer Humor einfach alles tun und jeden beleidigen: Über diese Frage haben am Donnerstag der Kabarettist Hosea Ratschiller und sein Kollege Peter Tisal, der vor allem als "EU-Bauer" beim Villacher Fasching bekannt wurde, in der neuesten Ausgabe von "DER STANDARD diskutiert" gestritten.

Ratschiller stellte zu Beginn klar, dass es für ihn bei Satire keine Grenzen gibt. Einzig "nach unten zu treten sei weder nett noch sympathisch".

Anlass für die Debatte war unter anderem, dass der ORF einen Satirebeitrag des Synchronduos Maschek vom Netz genommen und dann eine heikle Passage mit einem "Beep" überblendet hatte, in der Heinz-Christian Straches (FPÖ) Karriere als eine "vom Neonazi zum Sportminister" beschrieben wurde. Maschek hat inzwischen mit einem zweiten Video nachgelegt und sich über die Reaktion des ORF lustig gemacht.

Böhmermann provoziert

Tisal, der inzwischen in die Politik gewechselt ist und für die FPÖ auf einem hinteren Listenplatz bei der EU-Wahl kandidiert, sagte, dass solche beleidigenden Aussagen für ihn sehr wohl eine Grenze überschreiten. Kabarett und Satire hätten ja die Aufgabe, ein System zu kritisieren, und nicht, einzelne Menschen anzugreifen, zumal die Bemerkung von Maschek vor allem die Anhänger Straches treffe.

Diskutiert wurde auch viel über den Satiriker Jan Böhmermann. Der Deutsche hatte sich vergangene Woche per Videobotschaft für den "Kurier"-Fernsehpreis Romy bedankt. Darin bezeichnete er Kanzler Sebastian Kurz unter anderem als "durchgeknallten österreichischen Kinderkanzler". Er hatte den Kanzler schon in der Vergangenheit immer brachial attackiert.

"Dass Kurz von Böhmermann mit einem Baby-Hitler verglichen wird und von seinen Fans mit Kreisky verglichen wird, ich finde beides übertrieben", sagte Ratschiller. Er sei optimistisch, dass die politische Debatte und die Satire künftig wieder etwas ehrlicher werden, also Anhänger wie auch Gegner der Regierung eine andere Sprache finden. Für welche Vergleiche Ratschiller plädiert und wo Tisal die Aufgabe des politischen Kabaretts sieht: Sehen Sie beides im Livestream. (red, 26.4.2019)