Gespräch zwischen Kim und Trump endet ohne Deal, aber offenbar nicht im Streit

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Trump trat allein vor die Presse: Keine Einigung zu atomarer Abrüstung und Sanktionen, Arbeitsgruppen sollen sich aber weiter treffen


Hanoi – US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sind bei ihrem Treffen in Hanoi ohne eine Einigung auseinandergegangen. Anders als geplant fand keine gemeinsame Erklärung statt. Trump trat aber alleine vor die Presse. Er lobte zwar die Gesprächsatmosphäre, man habe sich aber in den Details nicht einigen können. "Man muss immer bereit sein, vom Tisch aufzustehen", fügte er hinzu. Das Weiße Haus teilte schon vorher knapp mit, es habe "gute Gespräche" gegeben, man sei sich aber vorerst nicht einig geworden. Arbeitsgruppen sollen sich schon bald wieder treffen, eine weitere Zusammenkunft Kims mit Trump ist derzeit nicht vorgesehen.

Konkret dürften laut Trump die Verhandlungen an Forderungen Nordkoreas nach einem Ende der US-Sanktionen gescheitert sein. Pjöngjang soll angeboten haben, sein Atomzentrum in Yongbyon zu schließen, sollten die USA ihre Strafmaßnahmen zurückziehen. Allerdings sei Kim nicht damit einverstanden gewesen, eine weitere Atomanlage stillzulegen. Von anderen angeblichen Verhandlungsziele – einem formellen Friedensschluss für den Koreakrieg, der Überstellung von Gebeinen Kriegsgefangener aus dem Koreakrieg, der Eröffnung von Kontaktbüros im jeweils anderen Staat – war keine Rede mehr.

"Keine Eile", aber auch kein Deal

Die umstrittenen Militärmanöver der USA mit Südkorea sollen vorerst nicht weitergehen. Auch soll Kim in den Gesprächen gesagt haben, dass das Moratorium für Atom- und Raketentests weiter gültig sei. Ob das nach dem Scheitern des Gipfels auch noch so sein wird, ist aber unsicher. Keine Reaktion gab es vorerst aus Nordkorea. Südkorea zeigte sich enttäuscht, lobte aber die weitgehendsten Gespräche bisher. Stumm war bis jetzt der Sprecher Japans.

Eigentlich hatte Trump Nordkorea schon nicht mehr zu einer schnellen Abrüstung seiner Atomwaffen gedrängt. Er sei in keiner Eile, hatte er bei der Zusammenkunft mit Kim gemeint: "Geschwindigkeit ist nicht wichtig für mich. Für mich ist es wichtig, dass wir das richtige Abkommen erhalten."

Nordkorea hat schon seit mehr als einem Jahr keine Atomwaffen und Raketen mehr getestet. Mit der Aussage, bei der atomaren Abrüstung "keine Eile" mehr zu haben, rückte der US-Präsident weiter von der zumindest anfangs im Umgang mit Nordkorea geforderten schnellen Beseitigung der Atomwaffen und Raketen ab. Die nordkoreanische Führung sieht ihr Atomarsenal als eine Art Lebensversicherung gegen Angriffe und Umsturzversuche.

Keine konkreten Schritte?

In den Gesprächen am zweiten und letzten Tag des Gipfels in Hotel Metropole in Vietnams Hauptstadt Hanoi bekräftigte Kim auf Fragen von Reportern, grundsätzlich zur atomaren Abrüstung bereit zu sein: "Wenn ich es nicht wäre, wäre ich nicht hier." Kim wurde auch gefragt, ob er willens sei, konkrete Schritte dafür zu setzen. Darauf antwortete er: "Das besprechen wir gerade."

Überschattet wurde Trumps Auftritt in Hanoi von der Aussage seines früheren Anwalts Michael Cohen, der in Washington vor dem US-Kongress schwere Vorwürfe gegen ihn erhob.(red, 28.2.2019)

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