Zeugin: Bürger interessierten sich für Ministerkrawatte

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Laut der Zeugin ist "servus die wadl" nicht Grassers Grußformel


Wien – Am 76. Tag im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und andere befragte Richterin Marion Hohenecker am Mittwoch die Sekretärin, die seine Termine verwaltete. Und davon gab es jede Menge, "der Terminkalender war übervoll, immer", so ihre Aussage. Auch an Anfragen via E-Mail fehlte es nicht, wobei vieles banale Fragen gewesen seien – etwa wo der Minister seine Krawatten kauft.

Diese Fragen wurden dann von Sekretärinnen beantwortet, immer sehr höflich, "weil wir waren sehr exponiert", so die Zeugin am Mittwochvormittag im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts. Dass Grasser offenbar auch eine eigene A1-Internetadresse für seinen engsten Mitarbeiterkreis verwendete, wie eine E-Mail belegt, war der Zeugin nicht erinnerlich. Dazu hatte Grasser die Zeugin während der Hauptverhandlung vor Monaten kontaktiert, wie sie jetzt bestätigte.

"Servus die wadl"

Und wieder einmal ging es um die Grußformel "servus die wadl" in einer Mail, die mit "kh" gekennzeichnet war. Laut Grasser stammt diese nicht von ihm, das sei nicht seine Ausdrucksweise. Das untermauerte auch die Zeugin, so "salopp" formuliere ihr früherer Chef nicht. Man habe zwar viel Spaß im Ministerium gehabt, aber auch sehr hart gearbeitet.

Laut den am Mittwoch vorgelegten Unterlagen kam es zu zahlreichen Treffen mit dem mitangeklagten Lobbyisten Walter Meischberger und dem Immobilienmakler Ernst Karl Plech. Weiters erkannte die Zeugin auf der Anklagebank noch den Ex-PR-Agentur-Besitzer Peter Hochegger und den Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics.

Wie auch schon am Dienstag zu Beginn des Beweisverfahrens, sprich der Anhörung der Zeugen, fehlten drei Angeklagte: Immobilienmakler Plech seit vielen Monaten, da schwer erkrankt, sowie Gerald Toifl, der frühere Steuerberater und Anwalt des Zweitangeklagten Meischberger, und der Schweizer Treuhänder Norbert Wicki, der bereits mehrfach entschuldigt war. Von den verbliebenen sechs Schöffen waren am Mittwoch alle anwesend. Zu Prozessbeginn im Dezember 2017 waren es noch zwölf Schöffen. Für ein Urteil müssen zwei Schöffen während der gesamten Hauptverhandlung anwesend sein.

Renate Graber berichtete live aus dem Wiener Straflandesgericht. (APA, red, 20.2.2019)