Meischberger im Prozess: Telekom hat "Löwen" Grasser gereizt

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Die vielen Facetten rund um die Zahlungen der Telekom Austria an ÖVP, SPÖ und FPÖ


Wien – Im Telekom-Valora-Prozess war am Donnerstag der achte Verhandlungstag. Erneut war der Angeklagte Walter Meischberger am Wort. Der Ex-FPÖ-Generalsekretär erzählte von einem Zerwürfnis zwischen dem damaligen Telekom-Chef Heinz Sundt und dem Eigentümervertreter des Konzerns, Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ, ÖVP). Die Telekom habe dadurch "den Löwen gereizt".

Auslöser war die Forderung der Telekom, dass der Bund Kosten für die beamteten Mitarbeiter in Höhe von 240 Millionen Euro übernehmen solle. Das würde die Attraktivität des mittlerweile börsennotierten Unternehmens an den Aktienmärkten deutlich erhöhen, so das Argument von Sundt. Daraufhin soll sich eine lautstarke Diskussion mit dem Minister entwickelt haben, im Endeffekt habe Grasser dem Telekom-Chef die Tür gewiesen.

Der mitangeklagte Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer bestätigte den Streit und erklärte, Sundt habe nach der Diskussion die 240-Millionen-Euro-Forderung als solche in der Telekom-Bilanz verbucht. Details dazu konnte Fischer auf Nachfrage von Richterin Marion Hohenecker nicht nennen.

Rare Wirtschaftsgüter

Am Mittwoch, dem siebenten Tag im Telekom-Valora-Prozess, konnte man etwas über rare Wirtschaftsgüter lernen. Am Nachmittag kam Meischberger zu Wort – und nützte das ausgiebig. In seiner zusammenhängenden Erklärung betonte er: "Meine Kompetenz ist weder erlernbar noch studierbar. Daher ist es ein rares Wirtschaftsgut."

Des Weiteren sei sein politisches Netzwerk nach langjähriger politischer Tätigkeit in der FPÖ "geradezu ideal" gewesen. Dies alles werde aber von der Staatsanwaltschaft, die ihn nie einvernommen habe, ignoriert – mit Unterstützung "einschlägiger Medien". Deren Darstellungen seiner Tätigkeiten "hätten dem berüchtigten Al Capone große Ehre gemacht", so Meischberger, der einst zur "Buberlpartie" rund um den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ, BZÖ) gehört hat.

Renate Graber berichtete aus dem Wiener Straflandesgericht. (APA, red, 29.11.2018)