Buwog-Prozess: Meischbergers Angst und Grassers Nervosität

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Zwischen Grasser und seinem Trauzeugen Meischberger hätte es einst "keine Stimmung" gegeben


Wien – Am 58. Prozesstag im Buwog-Prozess saß ein weiteres Mal der ehemalige Anwalt und Steuerberater des Zweitangeklagten Walter Meischberger, Gerald Toifl, am "heißen Stuhl" vor Richterin Marion Hohenecker. Walter Meischbergers Anwalt war dafür heute nicht da, der frühere Lobbyist wurde daher so lange von Grasser-Anwalt Manfred Ainedter vertreten.

Was es heute bereits zu hören gab: Walter Meischberger hatte Angst davor, ins Gefängnis zu müssen. Der Anwalt beruhigte ihn, Meischberger erkundigte sich aber stets, ob er trotz der Ermittlungen nach Ibiza fliegen dürfe. Er durfte.

Hohenecker fragte auch wieder einmal zur Stimmung zwischen Grasser und seinem Trauzeugen Meischberger. "Es gab keine Stimmung", bestätigte Toifl frühere Aussagen. Knackpunkt seien die zahlreichen Medienauftritte Grassers gewesen, die Meischberger als kontraproduktiv erachtete. Eine Zeit lang sei der Kontakt zwischen beiden nur mehr über ihn, Toifl, gelaufen, sei sein Eindruck gewesen. Grassers wichtigstes Anliegen dabei sei die Bezahlung der Steuerschuld durch Meischberger gewesen.

Höchst nervös

Die Befragung Toifls hat auch einiges Interessantes zutage gebracht. Laut Toifl war Grasser nach Auffliegen der Affäre rund um die Buwog-Privatisierung "höchst nervös" und habe damals öfter als monatlich seine Handynummer für Gespräche zu der Causa gewechselt.

Grasser hatte zu seinen zahlreichen Wertkartenhandys bei seiner Befragung durch Richterin Marion Hohenecker im Sommer betont, dass er diese Vorgangsweise gewählt hatte, weil er annahm, dass er abgehört werde und er nicht private Dinge vor den Ermittlungsbehörden breittreten wollte.

Im Zuge der Vorlage seiner Einvernahmeprotokolle, die Toifl heute von der Richterin vorgehalten wurden, kam auch eine belastende Aussage vom mitangeklagten Ernst Karl Plech zur Sprache. Plech hatte bei einer Einvernahme im Jahr 2010 gesagt, dass die Immobilieninvestmentvereinbarung zwischen ihm und Meischberger, die mit 2006 datiert war, erst im Jahr 2009 erstellt worden sei, und zwar in der Kanzlei Toifls. Toifl beteuerte damals bei der Einvernahme und heute in der Hauptverhandlung ebenfalls, er habe die Vereinbarung nicht erstellt.

Auch einige Widersprüche zwischen Toifl und den Aussagen von Grasser und Meischberger wurden zu Tage gebracht. So divergierten die Aussagen dazu, wer den mitangeklagten Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki mit Meischberger bekannt machte. Meischberger hatte ursprünglich bei Einvernahmen gesagt, sein Bankberater habe ihm Wicki vorgestellt, später sagte er aus, dass Grasser ihm Wicki empfohlen habe.

Weite Reisen

Auch "gereist" wird in den heutigen Aussagen viel, nach Australien, in die Schweiz und natürlich nach Liechtenstein. Am 2. Oktober 2009 zum Beispiel reiste Toifl mit der Erwartung nach Liechtenstein, dass es dort drei Konten gebe – "zurückgekommen bin ich mit einem vierten Konto", sagt Toifl heute. Von dessen Existenz habe er damals erst erfahren,es geht ums Konto Millenium.

Der 58. Prozesstag war der letzte vor einer längeren Pause bis Anfang November. Renate Graber und Nora Laufer berichteten live aus dem Wiener Straflandesgericht. (APA, red, 18.10.2018)