Buwog-Prozess: Wie Vermögensberater Toifl den Fiona-Ast erklärt

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Die Richterin setzte die Einvernahme von Exanwalt Gerald Toifl fort. Er bekennt sich nicht schuldig und schilderte, wie die Selbstanzeige Meischbergers entstand


Am 55. Verhandlungstag stellte sich erneut der einstige Steueranwalt von Lobbyisten Walter Meischberger, Gerald Toifl, den Fragen der Richterin. Er hat im September 2009 im Auftrag Meischbergers dessen Selbstanzeige bei der Finanz erarbeitet und eingereicht – unter hohem Zeitdruck, wie Toifl schon am Mittwoch ausgesagt hat. Der frühere Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Leitner & Leitner war erst "dritte Wahl" Meischbergers gewesen, zwei andere Berufskollegen hatten das Mandat ausgeschlagen. Einer, weil er kein Selbstanzeigen-Experte war und einer, weil er – laut STANDARD-Informationen – schon Grassers Schwiegermutter beriet.

Alles versilbern

Für ihn, Toifl, sei gleich klar gewesen, dass Meischberger die Buwog-Provision versteuern hätte müssen, die Konstruktion mit zypriotischer Astropolis und Delaware-Briefkastenfirma Omega hätte daran nichts geändert. Es wundere ihn (und habe ihn damals schon gewundert), dass die für die Omega zuständige Frau "so locker" gewesen sei, da gehe es um nicht weniger als Beihilfe zur Steuerhinterziehung, sagte der Angeklagte aus. Andere Erklärungen zur Begründung einer Steuerbefreiung, die auch Meischberger weiter getragen hat, seien "völliger Stumpfsinn". Toifl habe damals daran gearbeitet, dass Meischberger sein Vermögen versilbere, damit er seine Steuerschulden begleichen könne. Sein Bargeld habe dafür nicht ausgereicht.

Seine heutige Befragung durch Richterin Marion Hohenecker begann mit dem "Fiona-Ast", sprich zu Mailverkehr von Toifl zu dem erwarteten Unbill nach Bekanntwerden der 9,6 Mio. Euro schweren Buwog-Provision an die Grasser-Freunde Meischberger und den mitangeklagten Ex-Lobbyisten Peter Hochegger. In diesen Mails vom September 2009 an eine Kanzleikollegin beschreibt Toifl die Gefahren, die durch die Enthüllungen auf Grasser zukommen könnten: "Dann ist der tot", "mausetot", "dann kann er auswandern", ist da unter anderem zu lesen.

Die Kollegin fragt Toifl per Mail, "hat euch Grasser rausgehaut?" und Toifl antwortet, "Grasser nicht, aber ich den Meischi....". Heute kommentierte Toifl das so, man könnte meinen, dass Grasser bei der Besprechung dabei gewesen sei, aber Grasser sei nicht dabei gewesen.

Renate Graber berichtete live aus dem Wiener Straflandesgericht. (gra, red, 4.10.2018)

Links:

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