Ford "100-prozentig" sicher, dass Kavanaugh sie angegriffen hat

Livebericht

Christine Blasey Ford wirft Brett Kavanaugh versuchte Vergewaltigung vor und weist eine mögliche Verwechslung zurück. Kavanaugh äußerte sich wütend und emotional

Washington – Christine Blasey Ford äußerte sich am Donnerstag in einer öffentlichen Anhörung im Justizausschuss des US-Senats zu ihren Vorwürfen gegen Richterkandidat Brett Kavanaugh. Die Professorin für Psychologie bezeichnete es als ihre "Pflicht als Bürgerin", über den Angriff zu informieren.

In ihrer live im US-Fernsehen übertragenen Aussage schilderte die Professorin die Vorkommnisse während einer Party in einem Privathaus im Jahr 1982, bei der Kavanaugh in betrunkenem Zustand über sie hergefallen sein soll. Als sie um Hilfe rufen wollte, habe er ihr den Mund zugehalten. "Das hat mir am meisten Angst gemacht", sagte Ford, die damals 15 Jahre alt war. Sie habe gefürchtet, dass er sie dabei versehentlich ersticken könnte.

Der Übergriff habe sich in ihr Gedächtnis "eingebrannt", sie später immer wieder heimgesucht und ihr Leben "drastisch" verändert, sagte sie. Sie werde nie das "laute Lachen" von Kavanaugh und dessen Freund Mark Judge vergessen "und wie sie auf meine Kosten Spaß hatten".

Zorniger Kavanaugh

Kavanaugh hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in seiner Anhörung wütend zurückgewiesen. "Meine Familie und mein Name sind durch diese bösartigen und falschen Anschuldigungen zerstört worden", sagte Kavanaugh am Donnerstag in lautem und erregtem Ton und mit zornigem Gesichtsausdruck.

"Ich habe niemals einen sexuellen Übergriff begangen." Er bezeichnete den Verlauf seines Nominierungsverfahrens als eine "nationale Schande" und sich selbst als Opfer einer "kalkulierten und orchestrierten" politischen Kampagne. Mehrmals brach er in Tränen aus.

Inzwischen gibt es vier weitere Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Kavanaugh, zwei davon anonym. Die Demokraten stellten im Ausschuss ihre Fragen selbst, die Republikaner, deren Ausschussmitglieder ausschließlich Männer sind, haben dafür die Anwältin Rachel Mitchell engagiert.

Trump plötzlich zögerlich

Donald Trump hatte den erzkonservativen Richter Kavanaugh für den vakanten Posten am Supreme Court vorgeschlagen, ihn nach Aufkommen der Vorwürfe verteidigt und immer wieder von einem betrügerischen Spiel der Demokraten gesprochen. Am Mittwochabend änderte er seinen Tonfall und kündigte an, die Anhörung aufmerksam zu verfolgen und dann über Kavanaughs Zukunft zu entscheiden. Er deutet also an, dass er seine Meinung zur Nominierung ändern könnte, sollte er Kavanaugh für schuldig halten.

Bereits für Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss angesetzt, denn dieser muss zunächst entscheiden, ob die Personalie für das endgültige Bestätigungsvotum an das Plenum des Senats weitergereicht wird. Dann muss der gesamte Senat abstimmen, was bereits Anfang nächster Woche passieren soll. Die Republikaner haben nur eine knappe Mehrheit und wollen Kavanaugh deshalb möglichst schnell bestätigen – bevor sich womöglich durch die Midterm-Elections im November die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern.

Parallelen zu Anita Hill

Die Affäre erinnert an die Vorwürfe Anita Hills aus dem Jahr 1991. Die damals 35-jährige Jus-Professorin beschuldigte Clarence Thomas, Kandidat für den Obersten Gerichtshof, sie sexuell belästigt zu haben, als beide im Unterrichtsministerium zusammenarbeiteten. Bei ihrer Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats wurden ihre Anschuldigungen verharmlost und Hill demütigend bloßgestellt. Thomas wurde schließlich knapp bestätigt und sitzt noch heute am Supreme Court. Hill mahnte in einem Gastkommentar in der "New York Times", dass der Justizausschuss die Chance habe, es dieses Mal besser zu machen. (red, 27.9.2018)

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