Erdoğan erklärt sich zum Sieger, Opposition spricht von Manipulationen

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90 Prozent der Stimmen ausgezählt – Wahlbeteiligung bei rund 87 Prozent – Berichte über zahlreiche Unregelmäßigkeiten


Ankara – Bei der Parlaments- und Präsidentenwahl in der Türkei zeichnete sich ein in den Abendstunden ein Sieg für Amtsinhaber Tayyip Erdoğan ab: Der Staatspräsident kommt bei der Wahl auf 52 Prozent, Muharrem İnce von der kemalistischen CHP auf 30,8 Prozent. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag, offizielle Wahlergebnisse der obersten Wahlbehörde gab es bis in die späten Abendstunden jedoch nicht. Sollte das Ergebnis halten, würde ein zweiter Wahldurchgang für die Präsidentschaftswahl hinfällig werden.

Die oppositionelle CHP bezichtigte in einer Pressekonferenz die staatlichen Medien mit den Zahlen zu tricksen. Streitpunkt ist die Höhe des Auszählungsgrades. Laut CHP müsste Erdoğan demnach sehr wohl in die Stichwahlen. Die Homepage der offiziellen Wahlbehörde war bis in die späten Abendstunden nicht erreichbar.

Laut den Angaben von Anadolu konnte die Wahlallianz von AKP und der rechtsextremen MHP auch die Mehrheit im Parlament erringen. Die AKP kommt den inoffiziellen Zahlen zufolge auf 292 Sitze, die MHP auf 49 Sitze. Die pro-kurdische HDP schaffte die Zehn-Prozent-Hürde und wird laut Anadolu mit 67 Abgeordneten in das 600-Sitze-Parlament einziehen.

Unregelmäßigkeiten und Gewalt

Bereits zu Mittag wurden erste Unregelmäßigkeiten gemeldet. Im mehrheitlich kurdischen Distrikt Suruç an der türkisch-syrischen Grenze soll in einem Stimmlokal eine Urne mit offenbar vorbereitet eingelegten Stimmzetteln aufgetaucht sein. Bei einem Streit während der Stimmabgabe im Distrikt Karacoban bei Erzurum im Osten der Türkei gab es offenbar Tote: Der Provinzvorsitzende der Guten Partei, Mehmet Siddik Durmaz, und zwei weitere Personen wurden getötet, wie die nationalistische Zeitung "Yenicag" berichtete. Das Innenministerium sprach allerdings von einem "Familienkonflikt", der nichts mit der Wahl zu tun habe.

Ursprünglich waren die Wahlen regulär erst für November 2019 geplant. Doch der türkische Machthaber Erdoğan ließ den Wahltag um eineinhalb Jahre vorverlegen, da er sich aufgrund der verschlechternden wirtschaftlichen Situation in der Türkei mit einem früheren Termin bessere Chancen ausrechnet. Doch die Wirtschaftsdaten sind schon jetzt dramatisch, die türkische Lira befindet sich auf Talfahrt. (red, 24.6.018)


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