Putin in Wien: Sanktionen gegen Russland "schädlich für alle"

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Bundespräsident Van der Bellen betont die "Einbeziehung Russlands" bei Konflikten, Österreich handle aber bei Sanktionen "im Einklang mit der EU"


Russlands Präsident Wladimir Putin ist am Dienstag in Österreich eingetroffen. Offizieller Anlass ist der 50. Jahrestag der 1968 unterzeichneten Gaslieferverträge zwischen Österreich und der Sowjetunion. Der eintägige Arbeitsbesuch ist Putins erste bilaterale Auslandsreise seit seiner Wiederwahl im März.

Dichtes Programm

Am frühen Nachmittag wurde Putin mit leichter Verspätung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen begrüßt und mit militärischen Ehren zu Gesprächen empfangen. Vor der Presse bezeichnete Putin die Sanktionen gegen Russland als "schädlich für allen Seiten". Alle seien daran interessiert, "dass die Sanktionen aufgehoben werden, auch wir".

Van der Bellen betonte Österreichs Beitrag zum "Spannungsabbau", in Bezug auf Sanktionen werde Österreich aber im Einklang mit der EU vorgehen. Russland sei aber Teil Europas, nicht außenstehend. Einige regionale und internationale Probleme seien "nur unter Einbeziehung Russlands" zu lösen, Frieden in Europa sei "nur mit Russland möglich".

Keine Vertrauenskrise

Van der Bellen sieht trotz des schwierigen Verhältnisses zwischen Russland und der EU "keine grundsätzliche Vertrauenskrise". Glaubwürdigkeitsfragen würden in der Politik "immer wieder auftreten". Angesprochen auf ein Glaubwürdigkeitsproblem Russlands sagte Putin: "Ich denke nicht, dass Russland so ein Problem hat. Das ist ein Problem für die, die wollen, dass es in der Situation mit Russland ein solches gibt." Russland sei offen und bereit zusammenzuarbeiten. Die Wiederherstellung guter Beziehungen sei in beiderseitigem Interesse.

Für den frühen Abend sind eine Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, eine Kranzniederlegung am Schwarzenbergplatz sowie der Besuch des Österreichisch-Russischen Geschäftsrats in der Wirtschaftskammer geplant. Vor der Abreise eröffnet Putin noch die Ausstellung "Die Eremitage zu Gast" im Kunsthistorischen Museum. DER STANDARD ist vor Ort und begleitet den Besuch mit einem Liveticker. (red, 5.6.2018)


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