Ernährungsexperte: "Gentechnik löst das Hungerproblem nicht"

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UN-Ernährungsexperte Josef Schmidhuber beantwortete Ihre Fragen zur Zukunft des Essens und der Lebensmittelproduktion


Rom/Wien – Wieso werden die Zuwachsraten beim globalen Fleischverbrauch trotz Bevölkerungswachstums künftig weiter abflachen? "Zum einen haben wir schon hohe Verbrauchsniveaus erreicht in bevölkerungsreichen Ländern in Europa, in China den USA und Lateinamerika", sagt der Ernährungsexperte Josef Schmidhuber von der UN-Welternährungsorganisation FAO in Rom. "In Ländern wie Indien haben wir keinen Grund zur Annahme, dass es hier zu Zuwächsen kommt – das hat kulturelle und religiöse Gründe." Viele arme Länder, insbesondere in Afrika südlich der Sahara, hätten schlicht nicht das Einkommen, um ein großes Wachstum durchzusetzen.

Welche Rolle Gentechnik für die Welternährung spielt, welches Potenzial Technologien der "urbanen Landwirtschaft" bergen oder warum die Ernteerträge in Afrika nicht höher ausfallen, beantwortete Schmidhuber unseren Lesern am Mittwoch im STANDARD-Chat.

Dass neue Technologien wie In-vitro-Fleisch zu ressourcenschonender Produktion beitragen können, steht für den stellvertretenden Direktor der Abteilung für Handel und Märkte der FAO außer Frage. Was ist mit Genome Editing, also molekularbiologischen Methoden, die die gezielte Veränderung von Erbgut ermöglichen? Schmidhuber sieht darin das Potenzial, nachhaltiger zu wirtschaften. "Ob es den Hunger schnell bekämpft, hängt aber von vielen Faktoren ab, auch davon, was damit gemacht wird: In welche Anwendungen wird investiert, werden auch Sorten entwickelt, die die Menschen in Niger oder Mali brauchen?" (red, 11.4.2018)