Politikforscher Hofinger: "Wahlbeteiligung könnte im Oktober 2017 steigen"

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Der Sora-Politikforscher Christoph Hofinger sieht ein "starkes Line-up an Kandidaten"


Wien – Der neue ÖVP-Chef Sebastian Kurz habe von allen Chefs der drei großen Parteien am meisten zu verlieren, sagt Politikforscher Christoph Hofinger vom Sora-Institut im STANDARD-Chat: Ob der Außenminister am Wahltag "noch populärer ist als jetzt, ein wenig absinkt oder sogar abstürzt, das ist völlig offen". Kurz müsse sich jetzt "immer wieder rar machen und zur richtigen Zeit die richtigen Botschaften, die zu seiner Person passen, platzieren".

Hofingers Einschätzung nach ist Kurz' geringes Alter – er ist 30 Jahre alt – an sich kein Problem für ein konservatives Publikum. Allerdings: "Kurz' Jugend wird dann ein Problem, wenn er mehrere Fehler machen sollte, die als typisch für einen Jungen beziehungsweise jemand außerhalb der Politik Unerfahrenen gesehen werden." Jedenfalls mitentscheidend für den Erfolg des ÖVP-Chefs werde sein, wie gut es ihm gelingt, "zu jedem Themenbereich fundierte und gleichzeitig mobilisierende Botschaften zu platzieren".

Die kleinen Oppositionsparteien müssten nun "reduzieren, emotionalisieren, personalisieren", um im Dreikampf zwischen SPÖ, ÖVP und FPÖ nicht unterzugehen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sieht Hofinger auf Risikokurs: Einerseits präsentiert er seine Partei als einzige, die für Veränderung steht, während die große Koalition stillstehe; andererseits werfe er SPÖ und ÖVP Chaos vor, während die FPÖ für Stabilität und Kontinuität stehe. "Strache begibt sich mit solchen Widersprüchlichkeiten auf gefährliches Terrain, weil er ja ganz konsequent auf seine 'Change nur mit mir'-Botschaft fokussieren müsste", sagt Hofinger.

Im Herbst sieht er jedenfalls die Chance auf eine höhere Wahlbeteiligung – weil es ein "starkes Line-up an Kandidaten" gebe, die sehr unterschiedlich aufträten. (red, 16.5.2017)