TV-Duell: Hofer und Van der Bellen über Kreide, Tracht und Merkel

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Der Präsidentschaftswahlkampf geht in die heiße Phase: Die beiden Kandidaten versuchten bei den Unentschlossenen zu punkten


Es war nicht das erste Mal und auch noch nicht das letzte Mal in diesem überlangen Präsidentschaftswahlkampf, dass die beiden Kandidaten für die Hofburg zu einem "Duell" antreten mussten: Sonntagabend war es auf Puls 4 so weit. Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen diskutierten – nicht unter sich, sondern moderiert von Corinna Milborn. Sie diskutierten vor allem Bekanntes. Unbekanntes in dieser heißen Phase des Wahlkampfes wäre ja auch riskant, also unbedingt zu vermeiden.

Tricks und Kanzlerfrage

Nach lockerem Einstiegsgeplänkel über Fehler – Hofer sagte, kein Wahlkampf sei fehlerfrei, Van der Bellen fand Hofers "rhetorische Tricks eine Zeitlang irritierend" – und Heimat unter besonderer Berücksichtigung von Trachtenanzügen sowie dem Konsum von Kreide in der Früh, zu Mittag und am Abend, wie Van der Bellen Richtung Hofer mutmaßte, ging es mit der Frage nach einer etwaigen Regierungsbildung durch FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache an härtere Themen. Van der Bellen bekräftigte seine Absicht, für den möglichen Fall, dass die FPÖ nach der nächsten Wahl stärkste Fraktion wird, "unter den gegenwärtigen Umständen Strache nicht mit der Regierungsbildung zu beauftragen, denn ich will eine pro-europäische Regierung". Hofers Antwort: Die FPÖ habe schon mitregiert, "und daran ist die EU nicht zerfallen".

Fehler oder mutig

Ein Thema, das die europäischen Länder strapaziert und gespaltet hat, zeigte dann auch diametrale Positionierungen von Hofer und Van der Bellen: die Flüchtlingsfrage und der Satz "Wir schaffen das" aus dem Mund der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Für den FPÖ-Kandidaten Hofer "ein schwerer Fehler", dem er die Gegenthese entgegenhielt: "Wir schaffen das nicht." Für den ehemaligen Grünen-Chef Van der Bellen hingegen war Merkels Appell ein "ganz vernünftiger, Mut gebender, Zuversicht ausstrahlender Satz".

Gott und die Menschen

Innerhalb dieses Themenkomplexes war es dann an Hofer, Van der Bellen jegliche Referenz an das "christliche Abendland" nicht abzunehmen und diesem im Gegenzug quasi Gottlosigkeit vorzuwerfen, indem er diagnostizierte: "Sie sind jemand, der nicht an einen Gott glaubt." Van der Bellens trockener Konter: "Ich glaube an Menschenrechte und Menschenpflichten."

Mit Donald Trump als nächstem US-Präsidenten würden beide selbstverständlich respektvoll zusammenarbeiten, Van der Bellen als "selbstbewusster Europäer", der sich "nicht in den Staub werfen würde", Hofer als "Staatsmann" im Wissen, dass das "diplomatische Parkett glatt ist".

"Kandidat der Mitte"

Van der Bellen, der sich als "Kandidat der Mitte, der das Amt überparteilich ausüben will" bezeichnete, nutzte die Gelegenheit, um an Unentschlossene zu appellieren, und empfahl ihnen, sich zu fragen: "Wem traue ich eher zu, wenn er schon keine optimale Figur ist, das Ansehen Österreichs zu vertreten. Ich glaube, dass ich das gut kann."

Hofer wiederum verriet eine erste Personalie für den Fall, dass er neuer Hausherr in der Hofburg werden sollte. Er will just einen "hochrangigen ÖVP-Diplomaten", nämlich Johannes Peterlik, zu seinem Kabinettsdirektor machen, "weil ich nicht politisch einseitig werden möchte". Peterlik war unter anderem österreichischer Botschafter in Vietnam und Thailand, ab 2013 Kabinettschef von Familienministerin Sophie Karmasin, die sich aber von ihm im Sommer 2015 trennte. (nim, pm, 20.11.2016)