Filzmaier: "Nun ist auch der US-Präsident gegen TTIP"

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Was bedeutet ein Präsident Trump für die USA und die Welt? Peter Filzmaier diskutierte live aus Washington, DC mit Usern im Chat


Der Politologe Peter Filzmaier ist wie jedes Mal während der Präsidentschaftswahlen in den USA und chattete aus der US-Hauptstadt Washington mit den Userinnen und Usern von derStandard.at.

"Wäre Clinton eine gute Kandidatin gewesen, hätte sie nicht verloren". Peter Filzmaier bringt es im Chat mit derStandard.at auf den Punkt. Alternativen hätte es aus seiner Sicht aber nicht gegeben. Keine demokratischer Kandidat – auch Bernie Sanders nicht –hätte den Durchmarsch von Donald Trump verhindern können. Zu stark war dessen Momentum. Ihm sei die Mobilisierung gelungen, die Clinton trotz ihres massiven Wahlkampfapparats nicht hatte leisten können.

Clintons Hoffnung auf Stimmen von Minderheiten wie den Latinos oder den Afroamerikanern sei außerdem zu optimistisch gewesen. Gerade Minderheiten hätten als benachteiligte Gruppen allen Grund, mit der etablierten Politik unzufrieden zu sein. Maßgeblich für das schlechte Abschneiden Clintons könnte aber auch gewesen sein, dass manche Wählergruppen sich in den Umfragen nicht gegen eine Frau aussprechen wollten.

Die tatsächlicher Umsetzung von Wahlversprechen wie dem Bau einer Mauer zu Mexiko hält Filzmaier für unrealistisch. Sinn würde aber eine Steuerreform und die Entlastung des Mittelstandes machen.

In der republikanische Partei, in der namhafte Mitglieder dezidiert gegen Trump aufgetreten sind, rechnet Filzmaier mit "vielen Wendehälsen, die Trump nun plötzlich ganz gut finden", auch um den Preis, in den midterm-elections 2018 an Zustimmung zu verlieren. Das republikanische Personalkarussell würde sich erst langsam zu drehen beginnen. Potenziell Interessierte hätten sich aus strategischen Gründen bisher bedeckt gehalten.

Als außenpolitischer Sicht sei Trump – bisher zumindest – sehr unberechenbar. Konkrete Auswirkungen auf Europa könnte Trumps Ablehnung des transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP haben.

Einen Anteil am Sieg Trumps haben nach Ansicht Filzmaiers auch die US-Medien gehabt, die vor allem die Quote im Auge gehabt hätten. Dadurch hätten auch demokratisch gestimmte Medien Trump den Wahlkampf quasi finanziert. Mit den Worten des CBS-Präsidenten: "Trump ist schlecht für Amerika, aber gut für uns". (red, 9.11.2016)