Grazer Amokfahrer: "Für Aufarbeitung brauche ich Therapie"

Livebericht

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer Alen R. ist am Freitag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Er soll bei seiner Wahnsinnsfahrt durch die Innenstadt drei Menschen getötet und Dutzende verletzt haben. Auch am vierten Verhandlungstag verlief die Befragung der Zeugen sehr emotional, es gab viele Tränen, aber auch Zorn und Unverständnis über die Tat.

Einige Zeugen baten darum, dass Alen R. (27) aus dem Saal geführt wird, bevor sie ihn betreten. "Ich will das Gesicht nicht sehen, ich will nicht auch noch mit dieser Erinnerung leben", begründete ein Mann. Er weinte und entschuldigte sich gleich dafür: "Es tut mir leid, es kommt wieder alles hoch", schluchzte er. "Das ist verständlich, und Sie müssen sich auch nicht schämen", beruhigte ihn Richter Andreas Rom. Es ist ein guter Freund des Mannes, dessen vierjähriger Sohn getötet wurde. Die beiden Väter waren mit ihren Kindern an diesem Sommertag in der Stadt, weil sie "Spaß haben wollten."

Der vierjährige Valentin spielte in der Fußgängerzone in der Herrengasse bei einer Wassermulde, die anderen standen daneben. "Plötzlich waren vor mir die Motorhaube und der Kühlergrill", erzählte der Mann, der seinen kleinen Sohn an der Hand hielt und mit ihm zur Seite springen konnte. "Dass ich da bin und dass mein Kind lebt, ist ein Wunder." Über die Schulter musste er mitansehen, wie der andere kleine Bub überfahren wurde. "So ein unschuldiges Kind muss auf diese Weise sterben", war der Zeuge wütend und verzweifelt zugleich.

Eine Frau erzählte ebenfalls unter Tränen, sie habe plötzlich Menschen aufschreien hören, dann wäre "ein dumpfer Aufprall" erfolgt. Darum drehte sie sich um und sah, "wie der grüne Geländewagen direkt auf mich zugefahren ist". Sie konnte in ein Geschäft flüchten: "Die Frau, die gestorben ist, hat mir das Leben gerettet, ich hätte sonst nicht hingeschaut."

Nachlese:

1. Prozesstag: "Ich habe gedacht, die Leute würden ausweichen" | Live
2. Prozesstag: "Das Gewissen wird Sie begleiten bis in den Tod" | Live
3. Prozesstag: "Mein erster Gedanke war: Das ist ein Attentat" | Live