Prozess um Amokfahrt in Graz: "Ich dachte, jetzt sterbe ich auf der Straße"

Livebericht

Richter Andreas Rom hat mit der Zeugenbefragung begonnen

Am Donnerstag ist im Grazer Straflandesgericht der Prozess gegen Alen R. fortgesetzt worden. Er soll im Juni 2015 bei seiner Amokfahrt durch die Grazer Innenstadt drei Menschen getötet und dutzende verletzt haben. Am dritten Verhandlungstag schilderten erneut Zeugen, wie sie die Wahnsinnsfahrt aus nächster Nähe erlebt haben. "Ich habe gedacht, ich bin in einem Hollywoodfilm", sagte ein Befragter.

Alen R. (27) war mit seinem Geländewagen unter anderem durch die Fußgängerzone in der Innenstadt gerast. Die Schilderungen der Zeugen sind immer noch geprägt von Fassungslosigkeit, einige kämpften mit den Tränen, manche fühlten sich außerstande, im Gericht zu erscheinen.

Eine Frau erzählte, wie sie an diesem 20. Juni in der Hamerlinggasse unterwegs war und sah, dass ein anderer Radler von dem SUV angefahren wurde. Sie selbst konnte sich vor einem Geschäft in Sicherheit bringen, ihr Rad wurde aber noch gestreift: "Ich wollte den Fahrradständer betätigen, da habe ich gemerkt, dass er weg war, so nahe ist er an mich herangekommen." Sie wollte die Rettung verständigen "aber ich habe so gezittert, dass ich nicht telefonieren konnte", beschrieb sie. "Hatten Sie das Gefühl, er hat sie anvisiert?, wollte Richter Andreas Rom wissen. "Ja, schon."

"Ich habe plötzlich einen lauten Klescher gehört und habe einen Satz auf die Seite gemacht", erinnerte sich eine Frau. Dann vernahm sie "ganz arges Schreien, ich habe sofort gewusst, da ist etwas Fürchterliches passiert." Obwohl sie selbst unverletzt blieb, hat das Geschehen Spuren hinterlassen: "Ich kann heute noch fast nicht die Herrengasse hinuntergehen, ich gehe immer an der Mauer entlang."