Prozess um Amokfahrt in Graz: "Echte emotionale Regung nicht feststellbar"

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Zweiter Tag mit Gerichtsmediziner und Zeugen


Der Prozess gegen Alen R. (27) nach der Amokfahrt in Graz ist am Mittwoch im Straflandesgericht fortgesetzt worden. Am zweiten Verhandlungstag waren zunächst Gutachter aus dem Bereich Toxikologie, Verkehrstechnik und Gerichtsmedizin am Wort. Am Nachmittag waren Zeugen geladen, die ihre ganz persönlichen Wahrnehmungen der Wahnsinnsfahrt schilderten.

Seitens der Gutachter stand unter anderem die Frage im Raum, ob die Airbags an R.s Fahrzeug manipuliert worden waren, damit sie nicht ausgelöst würden – was auf eine vorbereitete Fahrt hingedeutet hätte. Der Sachverständige führte aus, dass es diesbezüglich keine Hinweise gebe. Die Airbags wären nicht aufgegangen, weil dies nur bei festen Hindernissen der Fall sei, die Menschen seien weggeschleudert oder überfahren worden, dabei sei der Widerstand für eine Auslösung bei einem Geländewagen zu gering.

Seitens der Haftanstalt Göllersdorf war der Verdacht auf "paranoide Schizophrenie" bei dem 27-Jährigen geäußert worden. Nun müsse man weiter beobachten "wie er spricht und wie er Dinge erlebt", erklärte der psychiatrische Sachverständige Jürgen Müller. "Das heißt, die Medizin hat es innerhalb eines Jahres nicht geschafft, eine Diagnose zu stellen, was er definitiv hat", fasste Richter Andreas Rom zusammen. Genaue Erläuterungen sollen nächste Woche folgen, wenn die Gutachten aller drei Psychiater ausführlich erörtert werden.

Am Nachmittag schilderten einige Zeugen, wie sie die Amokfahrt erlebt haben. "Er ist im Retourgang auf mich und meinen Dackel losgefahren", erzählte ein Mann, der zu Fuß unterwegs war. Ein Radfahrer, den das Auto erwischt hatte, meinte: "Ich kann mich an nichts erinnern, ich war eine halbe Stunde bewusstlos." Einer jungen Passantin hat vermutlich die Tatsache, dass sie ausnahmsweise keine Kopfhörer trug und nicht wie sonst, auf der Straße Musik hörte, das Leben gerettet.

Der Prozess wird am Donnerstag um 9.00 Uhr mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt.

DER STANDARD berichtete live aus Graz.

Nachlese:

Zusammenfassung vom ersten Tag

Liveticker zum ersten Tag