Grazer Amokfahrer: "Ich habe gedacht, die Leute würden ausweichen"

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Auftakt im Straflandesgericht: 27-Jähriger wurde zur Tat vom Juni 2015 befragt


Am Dienstag hat im Grazer Straflandesgericht der Prozess rund um die Amokfahrt in der steirischen Landeshauptstadt vor einem Jahr begonnen. Im Juni 2015 soll Alen R. mit seinem Geländewagen Passanten niedergefahren haben, drei Menschen wurden getötet, mehr als 100 verletzt. Der 27-Jährige soll bei der Wahnsinnsfahrt zurechnungsunfähig gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft hat deshalb einen Antrag auf Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingebracht. Das Geschworenengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Rom hat in der Verhandlung über eine Einweisung zu entscheiden.

Mehr als 100 Unfallopfer

Der Beschuldigte war in der Grazer Innenstadt mit seinem Geländewagen unter anderem durch die Fußgängerzone in der Herrengasse gerast. Die drei Menschen, die von dem Wagen erfasst wurden, waren sofort tot, darunter ein vierjähriger Bub.

Bei den beiden anderen Opfern handelte es sich um eine 53-jährige Frau und einen 28-jährigen Mann. Einige der über 100 Unfallopfer waren lebensgefährlich verletzt. Die meisten erlitten Blessuren, nachdem sie vor dem Auto auf die Seite sprangen und sich gerade noch retten konnten.

Weiterer Mann im Spital verstorben

Ein Mann starb Monate später im Spital. Er wurde zwar bei der Amokfahrt verletzt, Todesursache war jedoch ein Herzversagen, das laut Staatsanwaltschaft mit der Tat nicht in kausalem Zusammenhang stand.

Im Vorfeld des Prozesses gab es Diskussionen über den Geisteszustand von Alen R.. Die psychiatrischen Sachverständigen waren sich nicht ganz einig gewesen. Der Sachverständige Manfred Walzl befand R. zurechnungsfähig, sein Kollege Peter Hofmann war nicht dieser Meinung. Also wurde als dritter Psychiater der Deutsche Jürgen Müller beigezogen, der den 27-Jährigen ebenfalls auf zurechnungsunfähig einstufte. Deshalb wurde Alen R. nicht wegen dreifachen Mordes angeklagt, sondern es wurde seitens der Staatsanwaltschaft ein Antrag auf Einweisung eingebracht.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

DER STANDARD berichtete live aus Graz.