ORF-Sommergespräch mit Stronach: "Wir müssen über mich sprechen"

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Der Parteigründer bereut den Einstieg in die Politik nicht


Wien – Der austrokanadische Milliardär Frank Stronach war am Montagabend der erste Gast bei den ORF-Sommergesprächen, und er machte kein Hehl daraus, dass er vom Ergebnis seines politischen Engagements in der alten Heimat nicht angetan ist: "Ich bin ein bisschen enttäuscht", sagte er und bekräftigte, bei der nächsten Nationalratswahl nicht mehr antreten zu wollen. Der Partei, dem Team Stronach, werde er auch seinen Namen entziehen. Bis dahin seien seine Abgeordneten aber noch dazu angehalten, ihr Bestes zu geben. Er sei mit den Parlamentariern nicht immer einer Meinung, immerhin telefoniere man gelegentlich.

Dass von elf Abgeordneten nur noch sechs beim Team Stronach sind, irritiert den 83-Jährigen nicht. "Wenn wer noch abspringen will, soll er gehen." Er sei nicht lange genug hier gewesen, um die Leute besser kennenzulernen. Enttäuscht sei er, aber nicht verbittert.

Ganz aufgegeben hat Stronach aber noch nicht: Er möchte "eine Bewegung in Bewegung bringen", den Samen habe er schon gesät. Ihm gehe es um Österreich, betonte der ehemalige Unternehmer mehrfach, sowie auch: "Ich mache mir große Sorgen um Österreich."

Um die Flüchtlingswelle einzudämmen, schlug Stronach einmal mehr vor, Schutzzonen einzurichten. Er warnte: "Sonst wird ganz Afrika reinkommen."

Zum Lieblingsthema seines Klubomanns Robert Lugar, der den Waffenbesitz in Österreich forcieren möchte, wollte sich Stronach nicht eindeutig festlegen, den Vorstellungen seines Klubobmanns könne er oft nicht folgen. Er befand dann aber: "Ausschließen kann ich ihn nicht." Viele Aussagen könne er nicht gutheißen, er habe aber keinen Einfluss auf den Klub.

Schließlich kam Stronach zu seinem Lieblingsthema, den Folgen der Globalisierung: Die Fabriken hätten zugesperrt, die Politik habe die Firmen nach Asien vertrieben, "ihr habt die Arbeiter verraten". Vehement forderte Stronach ein zentrales Thema ein: "Wir müssen über mich sprechen." So weit kam es nur in Ansätzen. Über Österreich sagte er: "Es fehlt rundherum." Der Spirit fehle, das Gewissen und anderes, rundherum nur Korruption.

DER STANDARD berichtete live. (Michael Völker, 25.7.2016)