Erdogans Staatsapparat reagiert mit Verhaftungswelle auf Putschversuch

Livebericht

Mehr als 2.800 Putschisten festgenommen und über 2.700 Richter und Staatsanwälte entlassen – Berichte über Lynchjustiz

Überblick

  • Aus den Reihen des türkischen Militärs gab es am Freitagabend einen Putschversuch.
  • Teile der türkischen Armee hatten die Übernahme der Macht verkündet, das Kriegsrecht ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt.
  • Die türkische Regierung vermeldete noch in der Nacht, dass der Aufstand niedergeschlagen wurde. Die Lage ist aber weiterhin unübersichtlich.
  • Die Aufständischen griffen anscheinend auch das Parlament in Ankara mit Hubschraubern und Kampfjets an. Das Gebäude ist stark beschädigt.
  • Es gab laut Regierung mehr als 2.800 Verhaftungen von Armeeangehörigen, zudem seien auch Generäle und Oberste ihrer Funktionen enthoben worden.
  • Am Samstagnachmittag wurden 2.745 Richter und Staatsanwälte als Reaktion auf den Putschversuch entlassen
  • Unterschiedliche Angaben zu Todesopfern: Laut Militärchef sind 265 Menschen ums Leben gekommen, darunter 161 Zivilisten und 41 Polizisten. Früheren Angaben zufolge sollen mehr als 1.100 Personen verletzt sein.
  • Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte den Putschversuch zum "Verrat", die Verantwortlichen würden einen "hohen Preis" zu zahlen haben.
  • Erdogan vermutet hinter dem Umsturzversuch den im Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen und fordert von den USA dessen Auslieferung. Dieser bestreitet aber jegliche Verantwortung für den Putsch.
  • Ministerpräsident Binali Yildirim hat für Samstagnachmittag eine Dringlichkeitssitzung des Parlaments einberufen. (red, 16.7.2016)