Stoisits: "Integration der Flüchtlingskinder hat sehr gut funktioniert"

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Die Regierungsbeauftragte für Flüchtlingskinder in der Schule stellte sich am Donnerstag Ihren Fragen


Wien – Mit Stichtag Ende März sind im laufenden Schuljahr 13.167 Flüchtlingskinder ins österreichische Schulsystem aufgenommen worden. 11.198 Kinder besuchen allgemeine Pflichtschulen, 1.969 Kinder gehen in berufsbildende mittlere und höhere Schulen. "Die Integration der Flüchtlingskinder hat sehr gut funktioniert", zog Terezija Stoisits, Beauftragte im Bildungsministerium für Flüchtlingskinder in der Schule, am Donnerstag im STANDARD-Chat Bilanz, "weil es in Österreich Schulpflicht für alle Kinder gibt, die einen Asylantrag gestellt haben."

Spracherwerb und Sprachförderung seien die zentralen Aufgaben – dafür habe das Bildungsministerium unterstützende Maßnahmen ergriffen: In allen Bundesländern sind mobile interkulturelle Teams von Sozialarbeitern, Psychologen und Sozialpädagogen gebildet worden. Personen, die die Sprachen der Flüchtlinge sprechen, seien Teil der Teams.

Auch die budgetären Mittel wurden erhöht: Im Jahr 2016 stehen aus dem Integrationstopf 63,75 Millionen Euro und für das Jahr 2017 80 Millionen Euro zusätzlich für Integrationsmaßnahmen zur Verfügung. "Diese Mittel werden vorrangig für Spracherwerb verwendet", so Stoisits.

User "face_to_face" wollte von der Flüchtlingsbeauftragten wissen, wie man sich verhalten soll, wenn ein Vater der Lehrerin aufgrund seiner Religion den Handschlag verweigere. Auf das konkrete Fallbeispiel ging Stoisits nicht ein, sie betonte vielmehr, dass es dem Ministerium wichtig sei, Schüler, Eltern und Lehrer durch konkrete Anleitungen zu unterstützen. Entsprechende Folder seien in den Sprachen Arabisch, Farsi, Dari, Somali, Englisch, Tschetschenisch und Russisch erschienen. "Die Eltern sollen klare Anweisungen für Umgangsregeln und Informationen über Gewohnheiten im Zusammenleben in der österreichischen Gesellschaft – und damit auch Schule – bekommen."

Eine klare Ansage machte Stoisits hinsichtlich jener 15- bis 18-jährigen Asylwerber, die nicht mehr schulpflichtig sind und laut Sozialarbeitern Gefahr laufen, in die Kriminalität abzurutschen. "Die Beschränkungen für jugendliche Asylwerber am Arbeitsmarkt, vor allem beim Zugang zur Lehre, bedauere ich sehr, weil sie schlicht und einfach integrationshemmend sind."

Sie betonte, dass sich das Bildungsministerium dafür einsetze, den Flüchtlingen den Einstieg ins Schulsystem zu erleichtern. Zurzeit besuchen 850 Jugendliche sogenannte Übergangsstufen. Bei positivem Abschluss ist der Besuch einer regulären Schule möglich. Im nächsten Jahr sollen die Übergangsstufen weiter ausgebaut werden.

Den Chat mit Flüchtlingskoordinator Kilian Kleinschmidt können Sie hier nachlesen. Auch Peter Hacker vom Fonds Soziales Wien stellte sich bereits den UserInnen-Fragen. (red, 19.5.2016)