Flüchtlingskoordinator Hacker: "Was soll uns überfordert haben?"

Chat

Der Wiener Flüchtlingskoordinator und Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien stellte sich den Fragen der STANDARD-User


Wien – Vor überstürzten Änderungen im Asylrecht warnte am Mittwoch Peter Hacker, Flüchtlingskoordinator in Wien. "Wenn die kolportierten neuen Positionen beinhaltet sind, dann sollten wir mehr Zeit haben, um zwischen Bund und Ländern gemeinsame Strategien zu diskutieren", spielte er etwa auf die "Asyl auf Zeit"-Regelung an.

In den letzten Jahren habe es beim Asylrecht "viel zu viele Schnellschüsse" gegeben, "die nicht gerade erfolgreich waren oder den Vollzug verbessert hätten", so Hacker im STANDARD-Chat. Auch die geplante Notverordnung kritisierte der Chef des Fonds Soziales Wien (FSW). Einen "Notstand" könne er zwar in einigen bundesweit tätigen Verwaltungseinheiten erkennen, "daraus einen Notstand für das ganze Land zu konstruieren, halte ich für verwegen".

Selbst in Wien, das die Hauptlast der Flüchtlingsversorgung im vergangenen Jahr getragen habe, könne man nicht von einer Überforderung sprechen. Man habe "nur" so viele zusätzliche Flüchtlinge untergebracht, wie in ein mittleres Fußballstadion passen. "Was soll uns daran überfordert haben? Anstrengen haben wir uns müssen."

Von den anderen Bundesländern erwartet sich Hacker mehr Unterstützung: "Es ist zweifelsohne ein unterschiedliches Anstrengungsniveau erkennbar." Zur Zeit leben etwa 4200 Flüchtlinge in Wiener Notquartieren. Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge ist bereits in Privatwohnungen untergebracht.

Den Chat mit Kilian Kleinschmidt, Regierungsberater in Flüchtlingsfragen, können Sie hier nachlesen. Termine mit Christian Konrad, der die Flüchtlingsunterbringung organisiert sowie mit Terezija Stoisits, Beauftragte für schulpflichtige Flüchtlinge im Bildungsministerium sind ebenfalls angefragt. (red, 13.4.2016)