Chat mit Flüchtlingskoordinator Kleinschmidt: "Die Idee von EU-Asylverfahren ist gut"

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Der Regierungsberater in Flüchtlingsfragen kritisiert den "rauen Ton" in der Flüchtlingsthematik – Trägt aktuelle Entscheidungen der Regierung nicht mit


Am Dienstag ist der Regierungsberater in Flüchtlingsfragen, Kilian Kleinschmidt, in den STANDARD-Chat gekommen und hat Fragen der User zur Flüchtlingskrise beantwortet. Gleich zu Beginn wurde der langjährige UNHCR-Mitarbeiter und ehemalige Leiter des zweitgrößten Flüchtlingscamps der Welt, Zaatari in Jordanien, um seine Meinung zu den heute publik gewordenen Plänen der EU gebeten, die Verantwortung für die Entscheidung über Asylverfahren von nationaler auf EU-Ebene zu verlagern. "Meine erste Reaktion darauf ist zu sagen, dass es sinnvoll ist, gemeinschaftlich zu handeln und gemeinsame Standards zu haben", sagte der Deutsche, fügte aber gleich hinzu, dass es lange dauern wird, diese "gute Idee" umzusetzen.

Auf die Frage, wie Europa die Flüchtlingskrise lösen könnte, sagte er: "Krisengebiete weltweit zu reduzieren ist leider eine Illusion. Es wird weiterhin Kriege, Klimawechsel und extreme Armut geben." Kleinschmidt schlägt vor, radikaler darüber nachzudenken, um globale Ressourcen zu verteilen: "Die Migrationsforschung zeigt ganz klar auf, dass es möglich ist, globale Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, ohne dass es zur Gefahr, sondern zu einem Gewinn für alle wird."

Rauer Ton in Österreich

Im derzeitigen gesellschaftlichen Klima in Österreich, so der Regierungsberater, sei "der Ton sehr rau geworden und es wird eine Rhetorik verwendet, von der wir alle gehofft haben, dass sie der Vergangenheit angehört". Das, so Kleinschmidt, betrifft sowohl die Bevölkerung als auch die Politik.

Abschließend erklärte er, dass er derzeit keine Entscheidungen in der österreichischen Flüchtlingspolitik trage und und auch nicht an Entscheidungen mitbeteiligt sei, denn "sonst wäre die Politik eine andere".

Peter Hacker im Chat

Termine mit weiteren Koordinatoren sind bereits fixiert oder angefragt – mit Peter Hacker vom Fonds Soziales Wien (Mittwoch, 13. April, 13 bis 14 Uhr), mit Christian Konrad, der die Flüchtlingsunterbringung organisiert sowie mit Terezija Stoisits, Beauftragte für schulpflichtige Flüchtlinge im Bildungsministerium (Termine noch nicht fixiert). (red, 5.4.2016)