Khol: "Durchschnittlich 280 Euro als Geschenk an Kinder und Enkel"

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Der ÖVP-Kandidat über den Islam und Österreich, Demokratie und Freiheit und seine Krawatte


Wien – Der Hofburg-Kandidat der ÖVP, Andreas Khol, war im STANDARD-Chat am Freitag um "knackige" Antworten bemüht. Eine kurze Zusammenfassung dessen, was ihm zu den Fragen der Leserinnen und Leser einfiel:

Gleich zu Beginn ging es um die Frage, ob der Islam zu Österreich gehört. Dazu Khol, der während des Chats druckreif spricht, kaum einen begonnenen Satz umbessert oder im kommunikativen Nirvana verlaufen lässt: "Es gibt sehr viele Österreicherinnen und Österreicher islamischen Glaubens", die "gesetzestreue Staatsbürger" sind. Khol: "Sie respektieren unsere christlich geprägte Leitkultur, unsere Gesetze, Menschenrechte und Grundfreiheiten und stellen die Scharia unter das Gesetz. Diese Mitbürgerinnen und Mitbürger haben sich in Österreich bewährt." Der Islamismus sei aber "mit allen Mitteln der Rechtsordnung" zu bekämpfen.

Jenes Plakatsujet, das ihn gemeinsam mit der Polizei und dem Slogan "Demokratie allein sichert die Freiheit nicht" zeigt, erklärt er so: Das bedeute, dass die Demokratie die Freiheiten sichert, aber im Fall von Bedrohungen auch wehrhaft sein muss. Die französische Demokratie sei nicht stark genug gewesen, Hitlers Besetzung des Rheinlands zu verhindern. Heiner Geißler habe gemeint: Hitler hätte im Rheinland aufgehalten werden müssen. Die Demokratie sei kostbar, dafür zu kämpfen und sie zu verteidigen wichtig und ehrenvoll.

User "Wödmasta81" will wissen, welche Rolle Khol in den 90er-Jahren als ÖVP-Klubchef in Zusammenhang mit einem "Profil"-Artikel spielte, der die Affäre Groër ans Licht brachte. Khol erinnert sich: "Damals konnte ich mir, so wie viele andere, nicht vorstellen, dass ein Erzbischof solcher Taten schuldig sein könnte. Es war dies die Zeit lange vor dem Aufdecken der Missbrauchsskandale in der Kirche und vielen Institutionen der Gemeinden und der Länder. Als der damalige Parteianwalt und Generalsekretär der ÖVP dem Sekretariat des Erzbischofs anbot, presserechtliche Schritte zu unternehmen, billigte ich dies. Das Sekretariat lehnte ab, und damit war die Sache für mich auch klar geworden, und ich schickte mich in die neuen Erkenntnisse."

Gleiche Rechte für alle definiert der schwarze Kandidat auf seine Weise, gefragt nach seiner Position zur Homo-Ehe: "Ich bin gegen jede Diskriminierung gleichgeschlechtlich Liebender. Für sie ist das Rechtsinstitut der Partnerschaft eingerichtet. Für Heterosexuelle das Rechtsinstitut der Ehe. Das ist keine Diskriminierung."

Zurückhaltung ist die Khol'sche Sache nicht, jedenfalls verbal. Sollte er gewählt werden, will er "deutliche Wortmeldungen zu Grundsatzthemen" abgeben, "aber nicht Kommentare zu allen aktuellen Fragen".

Die erste Chance bietet sich, als ein User nach seiner Meinung über Kanzler Werner Faymann (SPÖ) fragt. Khol übt sich aufgrund des speziellen Datums doch in Zurückhaltung: "Mein Verhältnis ist korrekt, meine Beurteilung am 1. April könnte vielleicht als Scherz missverstanden werden."

Interessant ist die Reaktion des ehemaligen Seniorenbundobmanns auf das Pensionsthema. User "Corklifter" will wissen, ob bei der Pensionsreform endlich eine "dringend notwendige Kehrtwendung zugunsten der Jungen gelingen" werde. Khol sieht die Notwendigkeit nicht: "Vergessen Sie nicht, jeder Seniorenhaushalt leistet jeden Monat durchschnittlich 280 Euro als Geschenk an Kinder und Enkel."

Zum Schluss noch etwas Leichtes, bevor sich Khol zum STANDARD-Interview begibt, das in den kommenden Tagen erscheint: Es geht um die Krawatten. Khol sagt, er habe "an die 100" verschiedene Modelle. Den dunkelblauen Dreiteiler und die rot-weiß-rote Krawatte habe er bereits als Nationalratspräsident "ständig getragen" – insgesamt sechs Ausgaben gibt es im Khol'schen Kleiderkasten vom Patriotenschal. (red, 31.3.2016)