Internationale Fahndung nach flüchtigem Paris-Attentäter – Hollande will Verfassung ändern

Livebericht

Polizeieinsatz in Brüssel – Drahtzieher der Anschläge identifiziert – 23 Verhaftungen bei Anti-Terror-Razzien in Frankreich

Paris/Brüssel – Drei Tage nach dem verheerenden Anschlag in Paris, bei dem mindestens 129 Menschen getötet und hunderte verletzt wurden, ist in Frankreich und im Nachbarland Belgien ein massiver Anti-Terror-Einsatz der Polizei angelaufen. Gerüchte, wonach bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Molenbeek ein flüchtiger Attentäter festgenommen wurde, bestätigten sich nicht.

Der Nachrichtenagentur AFP zufolge führte auch die französische Polizei einen großangelegten Anti-Terror-Einsatz durch, der allerdings nicht direkt in Zusammenhang mit den Anschlägen steht. Es soll mehrere Festnahmen gegeben haben. Außerdem wurden bei den Razzien laut AFP "Waffenarsenale" sichergestellt. Frankreichs Premier Manuel Valls geht davon aus, dass die Anschläge von Syrien aus geplant wurden, die französische Luftwaffe flog in der Nacht "massive" Angriffe auf die Stadt Raqqa, die als Hochburg der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gilt. Diese drohte in einem neuen Video mit Anschlägen in Washington – und abermals in Paris.

Frankreichs Präsident François Hollande kündigte in einer Ansprache vor Abgeordneten der beiden Parlamentskammern in Versailles harte Schritte gegen die IS-Terroristen in Syrien an. Zudem wolle er die Verfassung ändern, um effektiver gegen Terrorismus vorgehen zu können.

Drahtzieher des Pariser Massenmords war laut Medienberichten der polizeibekannte Belgier Abdelhamid A., der in Syrien für den IS kämpfen soll. Die französischen Ermittler haben zudem einen vierten Selbstmordattentäter identifiziert. Der 28-jährige Samy A. aus Drancy bei Paris war an dem Anschlag auf den Pariser Konzertsaal Bataclan beteiligt. Er wurde wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung per internationalem Haftbefehl gesucht. 2013 war er laut seiner Familie nach Syrien gereist.

  • Französische und belgische Behörden haben bestätigt, dass vier der sieben Selbstmordattentäter französische Staatsbürger waren.
  • Insgesamt wurden in Belgien bis Sonntagabend sieben Verdächtige verhaftet. Ein weiterer Verdächtiger wurde zur Fahndung ausgeschrieben.

Interaktive Grafik: Chronologie der Anschläge in Paris

(red, 16.11.2015)