Lokalaugenschein: "Wir sind Statisten in einem ganz großen Theater"

Liveticker

DER STANDARD berichtete aus den Grenzregionen zu Slowenien und Deutschland


DER STANDARD berichtete am Donnerstag und Freitag live und direkt aus den Grenzregionen zu Slowenien und Deutschland. An dieser Stelle gibt es Eindrücke und Video-Interviews aus den Regionen rund um die Ortschaften Spielfeld in der Steiermark und Kollerschlag in Oberösterreich mit Blicken über die Grenze.

Im Gespräch mit dem STANDARD sagt etwa der Bürgermeister der südsteirischen Gemeinde Wagna, dass bei der Errichtung eines Grenzzauns nicht über die Konsequenzen nachgedacht worden sei. Noch schlechtere Ideen hätten die ohnehin nicht guten abgelöst: "Das Bundesheer, die Polizei, das Rote Kreuz und alle, die damit befasst sind, sagen, dass ein Zaun nicht notwendig ist."

500 Flüchtlinge binnen 12 Stunden durften die Grenze nach Deutschland passieren. Seit Mittwoch wird nach Auskunft eines Helfers vor Ort die politisch vereinbarte Zahl von 50 Flüchtlingen pro Stunde an diesem Übergang nicht mehr eingehalten. Auf deutscher Seite werden Busse mit einer Kapazität von 36 Sitzen eingesetzt. Knapp 800 Menschen verbrachten die Nacht im tausend Quadratmeter großen Zelt direkt am Übergang, im Ort Kollerschlag in der Eisstockhalle einige hundert weitere. Rund 600 Flüchtlinge warten noch auf ihre Aufnahme durch Deutschland.

Franz Saxinger, Bürgermeister (ÖVP) von Kollerschlag, sagte im STANDARD-Videointerview: "Wir sind bereit mitzuhelfen, aber es soll auch einmal ein Ende haben." Sein deutscher Amtskollege Lothar Venus, Zweiter Bürgermeister von Wegscheid in Bayern, kritisiert im STANDARD-Videointerview das Vorgehen der österreichischen und deutschen Regierungen: "Wir sind die Statisten in einem ganz großen Theater." Er werde es "Wien nie verzeihen", dass auf einmal "1.500 Leute in der Wiese" standen. (red, 13.11.2015)