Hypo-Ausschuss: OeNB-Banker über Krebs und Sekundentod der Banken

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Peter Breyer über die Zeit der Finanzkrise und den Krankheitszustand der heimischen Banken, Johannes Turner über den Sanierungskurs der Hypo


Wien – Am Dienstag war Rechnungshofpräsident Josef Moser zu Gast im Hypo-U-Ausschuss. Moser kritisierte mangelnde Kontrolle der Hypo in der Zeit nach der Gewährung von staatlichem Partizipationskapital und vor der Verstaatlichung der Bank im Dezember 2009. "Die Fimbag hat ihre Aufgabe bei der Hypo nicht erfüllt", sagte er. Heute wird zur Sache die Meinung zweier OeNB-Banker eingeholt.

Bis zum frühen Nachmittag war Peter Breyer am Wort. Er lässt die Banken- und Finanzkrise Revue passieren und erklärt, wie sich da das Hypo-Schicksal einfügte. Den Hintergrund für das bekannte und oft aufs Tapet gebrachte Urteil "not distressed" beschreibt er so: Die Bank sei nicht gesund gewesen, aber auch nicht sehr krank. Nicht so krank wie andere Banken, die damals am Sekundentod starben. Dass die Hypo an Krebs litt, habe sich erst später herausgestellt.

Die Einstufung der Hypo Alpe Adria als "not distressed", also nicht notleidend, war kein Einzelfall. Zahlreiche österreichische Banken wurden so bewertet, eine schlechter, sagte Breyer. Das schlechter bewertete Institut soll später unter Ausschluss der Öffentlichkeit genannt werden. Mit der Beurteilung "not distressed" habe man darstellen wollen, dass kein Rekapitalisierungsbedarf vorliegt. Als "sound" (gesund) sei auch keine der Banken bezeichnet worden, weil keine von ihnen alle vier Kriterien für eine Rekapitalisierung erfüllt habe. Im Rückblick betrachtet hätte sich aber "nicht viel verändert", wenn man "distressed" (notleidend) geschrieben hätte. Es ging darum, ein "differenziertes Bild zu zeichnen". Vorgaben dafür, die Kategorie "distressed" nicht zu verwenden, habe es nicht gegeben, betonte Breyer. "

Nun ist Johannes Turner am Wort. Nach Ansicht des ehemaligen OeNB-Abteilungsleiters Bankenanalyse (2008–2010) und derzeitigen OeNB-Chefstatistikers hat sich die Hypo Alpe Adria im Jahr 2008 "definitiv auf Sanierungskurs" befunden. Der Vorstand und die Wirtschaftsprüfer hätten dies damals "glaubhaft versichert". "Aus heutiger Sicht mag das seltsam klingen", sagte Turner in seiner einleitenden Stellungnahme. Aber der Milliardenverlust der Hypo sei erst im Rahmen des Asset (Vermögenswerte) Screenings im Jahr 2009 klar gewesen. (red, 4.11.2015)