Hypo-U-Ausschuss: Gusenbauer will kein "Polizeidetektiv sein"

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Alfred Gusenbauer im Hypo-U-Ausschuss über Treffen mit Stiftungschefs, Honorarnoten und Sponsoring


Wien – Das Medieninteresse im Hypo-Untersuchungsausschuss ist am Mittwoch wieder größer als bei vergangenen Sitzungen. Nachdem vergangene Woche mit Wolfgang Schüssel (ÖVP) ein schwarzer Altkanzler gelöchert wurde, war am Mittwoch mit Alfred Gusenbauer (SPÖ) ein roter Altkanzler zu Gast. Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer hatte dereinst im Ausschuss erklärt, dass er mit Gusenbauer essen war – in Wien, an der Ringstraße, es hätte sich um das teuerste Essen gehandelt, dass die Hypo je bezahlt habe. Ein Thema, das auch heute auf den Tisch kommt. Mit der Hypo habe das Treffen nichts zu tun gehabt, sagt Gusenbauer. Die Frage, ob er über die Preise des dort gereichten Weines Bescheid wisse ,kontert Gusenbauer mit: "Ich bin kein Polizeidetektiv."

Ob das so sinnvoll ist, ist unter den Abgeordneten umstritten. "Es kann heute nur um Show gehen und leider um Verzögerung", glaubt SPÖ-Fraktionschef Kai Jan Krainer. Gernot Darmann sieht in Gusenbauer hingegen "das Missing Link" zwischen dem "Niedergang" der Bank unter der BayernLB und der Verstaatlichung. Dass die Ladung des Ex-Kanzlers nur Show sei, wies Darmann zurück: Gusenbauer komme über 1.000 Mal im Aktenstand vor.

Gusenbauer war von Jänner 2007 bis Dezember 2008 Bundeskanzler, danach wirkte er als Berater, unter anderem eben für die Hypo. Bei seinem – überpünktlichen – Eintreffen im Parlament gab sich Gusenbauer gegenüber Journalisten äußerst wortkarg: "Ich wüsste nicht, was ich Ihnen sagen soll" war alles, was ihm zu entlocken war. Auch nutzte er – obwohl er als ehemaliger Bundeskanzler durchaus als eine Person des öffentlichen Interesses gilt – die Möglichkeit, einen Kameraschwenk im Ausschusslokal abzulehnen.

Am Nachmittag war Gernot Schmerlaib – früher Hypo Italien – im Ausschuss. (red, 21.10.2015)